Wenn man das Glück hat und einen Lotto-Jackpot knackt, ist die Freude sicherlich übermäßig groß. Ein Frankfurter Lottospieler hatte das Glück einen Sechser im Lotto zu bekommen. Es stellte sich allerdings heraus, dass er einen großen Fehler begangen hat. Er bekam nur den Einsatz zurück.

Rainer Henning aus Frankfurt hatte das Glück, einen Sechser im Lotto zu haben. Im Lostopf waren auch noch 3,2 Millionen Euro, sodass sich das Spielen durchaus gelohnt hätte. Der 71-jährige hatte im November 2019 wie jeden Mittwoch, Freitag und Samstag einen Systemschein ausgefüllt und abgegeben.

Leider arbeitet er selbst in einer Lottoannahmestelle, die eigentlich seiner Frau gehört. Besitzer von Lottoläden und Angestellte dürfen nicht spielen. Lotto Hessen begründet die Regel mit dem Spielerschutz. Der Gewinn wurde für ungültig erklärt. Den Einsatz für den einen Schein hat die Lotterie zurückgezahlt.

Was hat es mit dem Systemschein auf sich?

Logo von Hessen LottoBei einem Systemschein gibt es eine virtuelle Tippgemeinschaft. Man hat eine größere Gewinnwahrscheinlichkeit, gewinnt aber weniger als den Jackpot, da der Gewinn gemäß den gekauften Anteilen aufgeteilt wird.

201 Tipper waren Anfang November in der Tippgemeinschaft, als der 3,2 Millionen Euro Jackpot geknackt wurde. Gemäß der gekauften System-Chance wird in der Tippgemeinschaft ausgezahlt, in diesem Fall waren zwischen 7.500 und 75.000 Euro als Gewinn möglich.

Henning kaufte laut eigenen Angaben 3 Anteile eines Tippscheins und hätte somit rund 24.000 Euro gewinnen können. Ein Brief von Lotto-Hessen hat seinen Traum zerstört. Der Gewinn wird nicht ausgezahlt, da er den Lottoschein in der gleichen Annahmestelle abgegeben hatte, in der er auch arbeitet. Er hatte dort über Jahre hinweg Lotto gespielt, aufgefallen ist der Fehler erst bei der Auszahlung des Gewinns, die durch Lotto Hessen verweigert wurde.

Dabei hätte es bereits gereicht, wenn er zur nächsten Lottoannahmestelle gegangen wäre. In Frankfurt am Main gibt es auch mehrere Lottoannahmestellen. Rainer Henning hat geschworen, das in Zukunft zu tun. Aus Fehlern lernt man schließlich und er habe genug Erfahrungen als Lottospieler gesammelt. Er möchte daher weiter jeden Mittwoch, Freitag und Samstag seine Chance auf einen Jackpot-Gewinn wahrnehmen.

Was sagt Lotto Hessen zu der ganzen Situation?

Lotto Hessen hatte Henning  in einem Brief schriftlich darüber informiert, dass man den Gewinn nicht auszahlen kann. Die Pressesprecherin von Hessen Lotto, Dorothee Hoffmann, hatte noch einmal darauf hingewiesen, dass Besitzer und Mitarbeiter in ihrer eigenen Verkaufsstelle nicht spielen dürfen. In der Schulung, die jeder Partner von Lotto erhalte, sei es auch ein wichtiger Bestandteil.

Das ist im Übrigen nicht die Vorgabe von Lotto Hessen, sondern ist im Glücksspielstaatsvertrag festgelegt. Die Intention hinter der Festlegung ist, dass Besitzer und Personal nicht unkontrolliert spielen sollen. Es handelt sich demnach um eine Vorsichtsmaßnahme zum Spielerschutz. Rainer Henning kommentierte den Umstand lediglich wie folgt:

Hätte ich gewusst, dass ich hier nicht spielen darf, hätte ich das doch nicht gemacht.

Für die hessische Lotteriegesellschaft steht jedoch fest: Als Angestellter einer Lottoannahmestelle hätte er genau wissen müssen, was erlaubt ist und was nicht.

Aus diesem Grund wurde der Gewinn nicht ausgezahlt. Henning hat nur den Einsatz von 36,25 Euro zurückerhalten. Von der Pressesprecherin von Lotto Hessen hieß es dazu nur:

In diesem individuellen Fall ist es sehr unglücklich. […] Das tut uns sehr leid, aber das Gesetz muss angewendet werden.

Was sagt die Frau des Lottospielers zum Fehler?

Bei der Betrachtung des Falls kam heraus, dass Henning seit Jahren in der eigenen Lottoannahmestelle gespielt hat und auch kleinere Beträge gewann. Er schätzt, dass er über die Jahre mindestens 4.500-mal dort gespielt hatte.

Ji-Youn ist seine 66-jährige Ehefrau. Die beiden sind 26 Jahre verheiratet. Sie hatte ihm laut seiner Erzählung nur relativ schroff angefahren:

Das musst du doch wissen, dass du bei uns nicht spielen darfst.

Von dem vermeintlichen Gewinn hatte Henning seinem Sohn zum 29. Geburtstag Rubbellose im Wert von 580 Euro gekauft. Sie brachten einen Verlust von 300 Euro. Das Spielen scheint sich für den 71-jährigen Frankfurter also eigentlich nicht zu lohnen.

Welche Konsequenzen hat der Fall für das Ehepaar?

Etwas bitter ist es für den passionierten Lottospieler schon, weil der Gewinn zur richtigen Zeit gekommen wäre. In etwa 2 Jahren wollen seine Frau und er den Laden schließen. Der Gewinn hätte die Altersvorsorge aufgebessert.

Schlimmer ist jedoch, dass Lotto Hessen mit dem Entzug der Lizenz für den Lottovertrieb gedroht hat. In dem Schreiben heißt es unter anderem:

Wir weisen darauf hin, dass weitere Verstöße zur fristlosen Kündigung des Geschäftsbesorgungsvertrages führen können.

Rainer Henning lässt sich aber nicht entmutigen. Selbst wenn es statistisch unwahrscheinlich ist, dass er noch einmal so einen Gewinn macht, möchte er weiterspielen. In Zukunft wird er dafür jedoch eine andere Lottoannahmestelle aufsuchen.

Dieser Fall erinnert ein wenig an die Meldungen aus Amerika, bei denen Gewinner von Casino Jackpots mit einem Steak abgefrühstückt wurden. Das es beim Lotto auch geschehen kann, hätte man so nicht erwartet. Am Ende hätte es der Spieler und Angestellte eines Lotto-Kiosks aber selber besser wissen müssen. Es hilft scheinbar immer, wenn man die allgemeinen Geschäftsbedingungen kennt, das gilt nicht nur für Online Casinos und deren Bonusbedingungen.

Bildquelle: AdobeStock  8835792; Lotto; ©Claudia Paulussen

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