Im österreichischen Klagenfurt stand ein Beamter der Bezirkshauptmannschaft in der letzten Woche vor dem Landgericht, weil er 260.000 Euro zur Finanzierung seiner Spielsucht veruntreut hat. Vor knapp zwei Monaten wurde vor dem Landgericht der Fall einer spielsüchtigen Buchhalterin verhandelt, die 2,6 Millionen Euro unterschlagen hatte. Hat Kärnten ein größeres Glücksspielproblem?

Der angeklagte 56-jährige Beamte war 20 Jahre teilweise als Hauptschatzmeister für die Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt Land tätig. Über seinen Tisch gingen viele Gelder, darunter auch Gelder zur Finanzierung der Verpflegung für Flüchtlinge. Über den Zeitraum von 5 Jahren soll er rund 260.000 Euro abgezweigt haben. Diesmal hat der Beamte das Geld nicht ins Casino getragen, sondern seine Lotto-Spielsucht finanziert.

Angeklagter nahm nicht verteiltes Geld von Flüchtlingen

Zum Angeklagten gelangten immer wieder Gelder zurück, die nicht ausgegeben werden konnten. Teilweise wurden Flüchtlinge nicht mehr angetroffen, diese Gelder kamen dann zu ihm zurück. Die Belege dafür hat er weggeworfen.

Wenn er Geld brauchte, holte er die Belege aus dem Papierkorb zurück. In seiner Erzählung war es relativ einfach an das Geld zu kommen. Außer ihm hatte kein anderer Mitarbeiter Kenntnis von den nicht ausgezahlten Beträgen. 5 Jahre konnte er ungehindert so vorgehen und dabei 261.261 Euro und 30 Cent abzweigen.

Was geschah mit dem Geld?

Das Geld hatte der 56-jährige Beamte zur Finanzierung seiner Spielsucht verwendet. Zumindest 90% flossen in Glücksspiele. Ungewöhnlich ist jedoch, dass es diesmal nicht um Spielbanken oder Online Casinos geht, sondern der Angeklagte vor Gericht angegeben hatte, dass er für 3.000 Euro in der Woche Lotto gespielt hat. In dem Zeitraum von 5 Jahren hat er so etwa 795.000 Euro nur in Lottoscheine investiert.

Wie ist der Betrug aufgefallen?

Im letzten Jahr hatte er auf einmal Gewissensbisse. Laut eigenen Angaben habe er nur noch in Angst gelebt und sich aus diesem Grund gestellt. Daraufhin wurde der Kassier fristlos entlassen.

Vor Gericht hat er ein umfassendes Geständnis abgelegt und hat sich bei den Kollegen sowie der Familie entschuldigt. Er hat eine Therapie gegen seine Spielsucht begonnen und versucht den Schaden zu beseitigen. 800 Euro hat er dem Land zurückgezahlt und zeigte somit seinen guten Willen.

Das Gericht hat durch das Geständnis und sein Bemühen zur Wiedergutmachung mildernde Umstände gelten lassen, daher hat er eine Haftstrafe von 18 Monaten erhalten, wobei 6 Monate zur Bewährung ausgesetzt werden können. Der Mann nahm das Urteil an, es ist aber noch nicht rechtskräftig.

Buchhalterin stand zwei Monate vorher wegen 2,6 Millionen Euro vor Gericht

Zwei Monate zuvor hatte man vor dem Landgericht Klagenfurt eine 40-jährige Buchhalterin zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte über den Zeitraum von neun Jahren 2,5 Millionen Euro unterschlagen und zur Finanzierung ihrer Spielsucht genutzt.

Sie war Buchhalterin eines Unternehmens, welches den elektrischen Zahlungsverkehr abwickelt. Sie hatte bei Sammelüberweisungen ein wenig manipuliert. Sie wurden zuerst vom Geschäftsführer abgesegnet, dann habe sie aber eigene Rechnungen darunter gemogelt, die auf ihr eigenes Konto geleitet wurden.

Das Vorgehen fiel erst auf, als ein Lieferant das Geld einforderte und eine Überprüfung das tatsächliche Ziel der Überweisung ergab. Der Geschäftsführer des Unternehmens meinte damals, dass der Fall nicht aufgefallen wäre, weil man jeden Tag „zig Millionen“ transferiert.

Vor Gericht gestand sie ihre Taten komplett und übergab den Anwälten des Unternehmens Sparbücher mit einem Gesamtwert von 25.000 Euro als teilweise Wiedergutmachung. Sie wurde im September 2019 am Landesgericht Klagenfurt von einem Schöffensenat wegen Untreue zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Spielsuchtberatungsstelle Klagenfurt: Spielsucht steigt

Interessant ist, dass die Suchtberatungsstelle Viva Klagenfurt bereits im Januar 2019 gemerkt hat, dass bei der Spielsucht ein Anstieg zu verzeichnen ist.

Man hatte festgestellt, dass es bei der PC- und Internetsucht häufiger Anfragen gab. Daher hatte die Spielsuchtberatung ihr Angebot in den Themenbereichen Glücksspiel, PC- sowie Internetsucht und Beratung für Angehörige erweitert.

Innerhalb von drei Monaten wurden zwei Fälle von Betrug zur Finanzierung von Glücksspiel verhandelt. Scheinbar scheint es in und um der Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten wirklich größere Probleme mit der Spielsucht zu geben. Es wird sich zeigen, wie sich die Situation entwickelt.

Bildquelle:  AdobeStock 186195136; Klagenfurt mit Lindwurmbrunnen und Neuen Rathaus; ©Karin Jähne 

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