Ein Ex-Manager von einem Tochterunternehmen der RTL-Gruppe steht in Los Angeles vor Gericht, weil er 22 Millionen US-Dollar unterschlagen hat und damit im Online Casino mit Krypto-Währungen zockte. Laut Staatsanwaltschaft bekannte er sich in allen Anklagepunkten für schuldig.

Der 30-jährige Dennis Blieden war Manager bei der StyleHaul Incorporated. Das digitale Marketingunternehmen gehört zur RTL-Gruppe und sollte Influencer auf Instagram und YouTube unterstützen. Die Influencer hatten vor allem Mode und Kosmetikprodukte beworben. Bis März 2019 hatte Blieden bei StyleHaul gearbeitet. Das Ende kam für ihn erst, als RTL erklärte, dass man die StyleHaul-Aktivitäten in den USA einstellt. Das Unternehmen war damals in Hollywood ansässig, wurde aber inzwischen nach London verlagert.

In Los Angeles muss sich der Ex-Manager derzeit vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Firma um 22 Millionen US-Dollar (rund 20 Millionen Euro) betrogen zu haben. Hinzukommen Aktenfälschung und weitere Vergehen im Zusammenhang mit dem Betrug.

Was ist StyleHaul?

StyleHaul ist ein digitales Marketing Unternehmen, welches 2011 von Stephanie Horbaczewski gründet wurde. Es hat mit führenden Digital-Influencern an der Erstellung von Marketing-Material gearbeitet. Unter anderem hat das Unternehmen Cameron Dallas, Zoella, Joey Graceffa, Fleur De Force, Joe Sugg und Dulce Candy bei der Entwicklung von Inhalten und der Verwirklichung von Projekten geholfen.

Letztes Jahr hatte sich RTL damit gerühmt, dass das Netzwerk von StyleHaul mehr als 5.000 digitale Influencer umfasst. Sie würden mehr als 60 Millionen Zuschauer anziehen und über 2,5 Milliarden Aufrufe pro Monat generieren.

Die StyleHaul Incorporated hatte zu diesem Zeitpunkt rund 55 Mitarbeiter in Los Angeles und noch einmal 10 Mitarbeiter in New York. StyleHaul wurde nach London verlagert und die Aktivität unter der Leitung von Giles Drew fortgesetzt. Sean Atkins, der frühere MTV-Präsident, blieb CEO der Firma.

Grund für diesen Schritt war eine Wertminderung des Unternehmens von 119 Millionen US-Dollar (etwa 108 Millionen Euro). 2014 hatte RTL die Mehrheit der Anteile des Unternehmens gekauft. Damals lag der Wert der Firma bei 151,4 US-Dollar (circa 137 Millionen Euro). Ein StyleHaul-Sprecher erklärte Anfang des Jahres die Umgestaltung der Firma wie folgt:

Das StyleHaul-Managementteam und der Vorstand haben die Entscheidung getroffen, die US-Niederlassungen von StyleHaul zu schließen und alle globalen Operationen von Europa aus zu verwalten. Durch diese Neuorganisation kann StyleHaul von einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen innerhalb der kürzlich gegründeten Digital Video Group der RTL-Gruppe profitieren. Die Firma kann seine Fähigkeit verbessern und hochwertige, plattformübergreifende digitale Videomarketingkampagnen für Kunden bereitstellen.

Wie konnte der Manager 22 Millionen Dollar unterschlagen?

Dennis Blieden war von Oktober 2015 und März 2019 Controller und Vizepräsident für Rechnungswesen und Finanzen bei StyleHaul. In seiner Funktion hatte er die volle Kontrolle über alle Firmenkonten. Er überwies dabei von seinem Firmenkonto immer wieder Geld auf sein eigenes Konto. Damit die illegalen Überweisungen nicht auffielen, verfasste er betrügerische Einträge in den Buchungsunterlagen.

In den Unterlagen wies er die Buchungen auf sein Konto als autorisierte Zahlungen von Geldern an StyleHaul-Kunden aus. Fiktive Mietverträge einer Eigentumswohnung in Rosarito Beach in Mexiko hat er beispielsweise erstellt. Die Wohnung sollte angeblich für Geschäftszwecke genutzt werden. 230.000 US-Dollar hatte alleine die Wohnung dem Ex-Manager eingebracht – für die anderen 22 Millionen Dollar hat er ähnliche gerissene Kosten fingiert.

Wofür wurde das Geld verwendet?

Blieden war professionelle Pokerspieler und hat bereits an einigen Turnieren in den USA teilgenommen. Im März 2019 hatte er beispielsweise das $10.000 WPT Main Event der L. A. Poker Classic gewonnen und dabei einen Gewinn von 1 Million Dollar erhalten.

Laut Staatsanwaltschaft hat er insgesamt 1,09 Millionen Euro an Pokerspieler in Schecks gezahlt, denen er noch Geld schuldig war. Kurz vor seiner Entlassung durch StyleHaul hatte er an zwei Pokerturnieren teilgenommen. Die Buy-Ins von rund 47.000 Euro und 94.000 Euro hatte er ebenfalls von Firmenkonten genommen.

1,03 Millionen Euro hat er verwendet, um seine Kreditkartenschulden zu begleichen. Den größten Anteil des Diebesgutes hatte der Manager jedoch in Krypto-Währungen transferiert. Es waren insgesamt rund 8,5 Millionen Euro. Er gestand vor Gericht, dass er mit den Krypto-Währungen (Bitcoins & Co.) in diversen Casinos im Internet hemmungslos gezockt hatte.

Welche Strafe erwartet den Ex-Manager?

André Birotte Jr. ist der zuständige Bezirksrichter in diesem Prozess. Es handelt sich um einen schweren Betrugsfall, der am 22. März 2020 zum Abschluss gebracht werden soll. Strafmildernd wird sich sicherlich das vollständige Geständnis auswirken, dennoch steht derzeit eine Höchststrafe von bis zu 22 Jahren im Bundesgefängnis im Raum.

Für den 30-jährigen Mann aus Santa Monica, der zuletzt in Cincinnati gewohnt hatte, würde es das halbe Leben hinter Gittern bedeuten. Es bleibt fraglich, ob die Besuche in einem Krypto-Casino diese Strafe wert waren. Persönlich frage ich mich immer, ob die betreffenden Personen nicht damit rechnen, dass die ganze Sache am Ende auffliegt. Eigentlich muss einem Manager doch klar sein, dass eine Summe von 22 Millionen Dollar irgendwann vermisst wird.

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