Im ARD-Wirtschaftsmagazin “plusminus“ ging es vor einigen Tagen um die Neuregulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland. Konkret wurde der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) vorgestellt und zum Teil heftig kritisiert. Die Moderatorin behauptet, dass der GlüStV „für alles andere als Glücksgefühle sorgt“. Schwerpunktmäßig ging es im rund sechsminütigen Videobeitrag aber vor allem um Spieler mit problematischem Spielverhalten.

Das Wirtschaftsmagazin „plusminus“ hat sich in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Online-Glücksspiel in Deutschland beschäftigt. Wie wir bereits vor einigen Tagen berichteten, haben inzwischen 13 von 16 Bundesländern dem GlüStV zugestimmt. Dementsprechend dürfte einer Legalisierung des Online-Glücksspielsektors im Sommer dieses Jahres kaum noch etwas im Wege stehen. Im aktuellen „plusminus“-Beitrag wird der GlüStV stark kritisiert. Es entsteht der Eindruck, dass der Spielerschutz zu kurz kommt. Aber ist das wirklich so? Das ist wie immer eine Frage der Perspektive.

Experte kritisiert neuen GlüStV

Der Psychologe und Suchtforscher der Universität Bremen, Dr. Tobias Hayer, kritisiert im ARD-Interview den für Sommer geplanten GlüStV. Insgesamt werde dem Spielerschutz nicht ausreichend Rechnung getragen, sodass die Gefahren für die Spielerinnen und Spieler nach wie vor groß sind. Darüber hinaus ist Dr. Tobias Hayer der Ansicht, dass es das falsche Signal sei, den vielen Anbietern, die jahrelang illegal am Markt aktiv waren, nun eine gültige Lizenz auszustellen.

„Jegliche Formen des Online-Glücksspiels werden erlaubt werden – inklusive der damit verbundenen Spielanreize und Suchtgefahren. Ich halte diesen Vorgang für rechtspolitisch bemerkenswert. Hier werden illegale Anbieter (…) dafür jetzt mit einer Lizenz belohnt“.  

Gibt es einen natürlichen Spieltrieb des Menschen?

Die Befürworter des geplanten GlüStV verweisen auf einen natürlichen Spieltrieb, den jeder Mensch hat. Die Herausforderung bestehe darin, diesen natürlichen Spieltrieb in einen legalen Markt zu kanalisieren. Denn wenn man keine legalen Angebote bereitstelle, würden die Spielerinnen und Spieler auf den illegalen Markt abwandern. Bereits vor mehreren Wochen beschäftigten wir uns in einem Artikel mit der Frage, ob die abnehmende Kanalisierung in Schweden ein Warnsignal für Deutschland sein könnte.

Doch andere Experten wollen dieser Begründung nicht folgen. So äußert sich unter anderem Ilona Füchtenschnieder-Petry als Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht e. V. zum Thema wie folgt:

„Spiel und Glücksspiel sind verschiedene Dimensionen. Und wenn es auch einen Spieltrieb geben mag, aber es gibt halt eben keinen Glücksspieltrieb.“

Spielsüchtige im Fokus des ARD-Beitrags

Im „plusminus“-Beitrag ging es größtenteils um Spielsüchtige, die im Laufe der Jahre hohe Summen verloren haben. So erzählt etwa der Betroffene „Levent“ im Interview, dass er insgesamt etwa 400.000 Euro beim Glücksspiel verloren habe. Den Großteil davon in Online Casinos, da hier der Reiz besonders sei.

Im weiteren Verlauf widmet die „plusminus“-Redaktion seine Aufmerksamkeit noch den Influencern. Diese werden als „digitale Marktschreier“ bezeichnet und es wird gesagt, dass „vor allem junge Leute geködert und animiert“ werden sollen.

Zum Schluss des Beitrags kommt dann auch noch der Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes, Dr. Dirk Quermann, zumindest schriftlich zu Wort. Angesprochen auf das monatliche Einzahllimit in Höhe von 1.000 Euro pro Spieler äußert sich Quermann wie folgt:

„Eine pauschale Festlegung auf ein Maximallimit ist (…) kritisch zu sehen, da es die individuellen Verhältnisse der Spielerinnen und Spieler nicht abbildet (…). Restriktionen (…) dürfen in ihrer Wirkung nicht dazu führen, dass das legale Angebot mit dem Schwarzmarktangebot gar nicht mehr vergleichbar ist“.

Bundesweite Glücksspielaufsicht noch lange nicht voll arbeitsfähig

Der saarländische SPD-Fraktionsvorsitzende Ullrich Commerçon kritisiert derweil, dass die bundesweite Glücksspielaufsichtsbehörde noch lange nicht voll arbeitsfähig ist. Erst vor einigen Wochen berichteten wir davon, dass die Aufsichtsbehörde zurzeit in Halle (Saale) entsteht. Doch aktuellen Informationen zufolge sei die Behörde erst eineinhalb Jahre nach dem Inkrafttreten des GlüStV voll arbeitsfähig. Commerçon hält diese Vorgehensweise für brandgefährlich. Weiterhin äußert der SPD-Politiker, dass er mit dem gesamten GlüStV sehr unglücklich sei.

Fazit

Der ARD-Beitrag kritisiert den geplanten GlüStV und weist auf die Risiken für problematische Spielerinnen und Spieler hin. Fest steht, dass die Neuregulierung des Online-Glücksspielmarktes viele Beteiligte nicht zufriedenstellen wird. Doch zumindest könnte der neue GlüStV dazu führen, dass ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wird. Im Schlusssatz des ARD-Videos heißt es „Und, so wird sich ab Juli ein gigantischer legaler Markt auftun“. Man darf gespannt sein, wie gigantisch dieser legale Markt wirklich sein wird und ob der Schwarzmarkt tatsächlich wirksam ausgerottet werden kann.

Quelle des Bidles: https://pixabay.com/de/photos/tv-fernsehen-jahrgang-oldschool-2619649/

Du hast Fehler in unseren Daten entdeckt?

Um einen Fehler zu melden musst du dich zuerst bei GambleJoe .

Wie gefällt dir der Artikel?