Nachdem ein britischer High Roller kurze Zeit nach seinem Spielbankbesuch Suizid begangen hat, rückte schnell das Casino in den Fokus der Ermittlungen. Die britische Glücksspielkommission wirft dem Aspers Stratford City Casino schwerwiegende Mängel im Spielerschutz sowie in der Prävention von Geldwäsche vor. Doch kann das Casino für solch einen tragischen Tod eines Gastes zur Verantwortung gezogen werden?

Bereits im November 2018 sei der Spielgast tot aufgefunden worden. In einer anschließenden Obduktion ist die Gerichtsmedizin zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um eine Selbsttötung gehandelt hat. Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass der verstorbene Spieler nur einen Tag zuvor das Londoner Aspers Stratford City Casino besucht hat. Es drängt sich also der Verdacht auf, dass der Freitod des Mannes in Zusammenhang mit seinem letzten Spielbankbesuch steht.

Spielerschutz hat auf ganzer Linie versagt

Im vorliegenden Fall hat die zuständige UK Gambling Commission (UKGC) den Sachverhalt detailliert untersucht, um mögliche Verstöße gegen die geltenden Spielerschutzmaßnahmen festzustellen. Das Ergebnis: In gleich mehreren Fällen hat das Aspers Stratford City Casino die strengen Spielerschutzmaßnahmen nicht beachtet.

So habe das Casino-Management den verstorbenen Spielgast nicht genug überwacht und sein Spielverhalten nicht wie vorgeschrieben dokumentiert. Darüber hinaus sei der Casino-Kunde als „VIP-Gast“ geführt worden, wodurch man automatisch davon ausgegangen ist, der Mann könne sich hohe Verluste leisten. Eine Bonitätsprüfung habe allerdings zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Zudem habe der Casino-Gast das vorgeschriebene Einsatzlimit in Höhe von 5.000 Euro pro Spiel in mehreren Fällen problemlos überschreiten können.

Des Weiteren haben die zuständigen Mitarbeiter des Casinos die Herkunft der Gelder nicht überprüft. Und dass, obwohl der Mann in zwei Fällen hohe Bargeldbeträge von 51.000 bzw. 47.000 GBP eingezahlt habe. Ebenso habe das Londoner Casino auf eine gesetzlich vorgeschriebene Geldwäscheprüfung verzichtet. Erst vor einigen Wochen berichteten wir über die erhöhte Suizidrate bei jungen Spielsüchtigen.  

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbst das Leben zu nehmen, sollte umgehend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Telefonseelsorge® kann unter der kostenlosen Service-Hotline 0800 / 111 0 111 jeweils 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen kontaktiert werden. Hier können den Betroffenen Wege aus schwierigen Lebenssituationen gezeigt werden. Das Hilfsangebot kann auch über eine Chat-Funktion genutzt werden.

Zusammenhang zwischen Selbsttötung und Casino-Besuch kaum nachweisbar

Grundsätzlich stehen natürlich alle Glücksspielanbieter in der Pflicht, ihre Spielerinnen und Spieler vor persönlichen Spielproblemen zu schützen. Wenn ein problematisches Spielverhalten festgestellt wird, müssen die Verantwortlichen entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten und den Spielgast unter Umständen komplett vom Spiel ausschließen.

Im vorliegenden Fall wollte die UKGC herausfinden, ob es zwischen dem Suizid des Mannes im November 2018 und seinen vorangegangenen Spielbankbesuchen einen Zusammenhang gibt. Letztendlich ließ sich natürlich nicht feststellen, was die genauen Umstände der Selbsttötung gewesen sind. Fakt ist, dass der verstorbene Spielgast nur einen Tag vor dem schrecklichen Vorfall noch im besagten Casino zu Gast war. Und auch in der Zeit davor sei der Mann ein gern gesehener „VIP-Kunde“ gewesen. Diese Umstände sprechen dafür, dass die Casino-Verantwortlichen über das problematische Spielverhalten des Spielers Bescheid wussten. Der zuständige CEO der britischen Glücksspielbehörde äußerte sich zum Fall unter anderem wie folgt:

„Als Regulierungsbehörde haben wir den Umgang der Spielbank mit dem Spielgast untersucht und hierbei Mängel bei der Prävention von Geldwäsche, der sozialen Verantwortung sowie bei den Abläufen zum Kundenkontakt festgestellt.“

Geldstrafe von 652.500 GBP gegen Casino verhängt

Aufgrund der zahlreichen schwerwiegenden Mängel im Spielerschutz hat die UKGC gegen das Londoner Casino eine Geldstrafe in Höhe von 682.500 GBP verhängt. Das entspricht etwa einem Betrag von 780.000 Euro. Des Weiteren wurden von den Casino-Einnahmen rund 78.000 GBP abgezogen. Hierbei handelt es sich um den Betrag, den der verstorbene Spieler aufgrund der schlechten Spielerschutzmaßnahmen im Casino verloren hat. Zudem wurde das Aspers Stratford City Casino aufgefordert, die festgestellten Missstände umgehend zu beseitigen, damit es in Zukunft möglichst nicht noch einmal zu solch einem traurigen Vorfall kommen kann. Erst vor einiger Zeit berichteten wir vom Jahresbericht der UKGC und den verhängten Strafen.

Fazit

Dem britischen Aspers Stratford City Casino werden schwerwiegende Verstöße zur Last gelegt. Diese beschränken sich nicht nur auf die Spielerschutzmaßnahmen, die offensichtlich nicht effektiv genug durchgesetzt wurden, sondern betreffen auch die Geldwäscheprävention. Aus diesem Grund muss das Casino nun eine Strafe in Höhe von 652.500 GBP bezahlen und zudem umgehend alle Missstände beseitigen. Das traurige Schicksal dieses VIP-Spielers zeigt, dass ein problematisches Spielverhalten in Kombination mit anderen schwierigen Lebenssituationen den betroffenen Menschen schnell zu viel werden können. Deshalb sollten Präventionsangebote ausgebaut werden, um frühzeitig nützliche Hilfestellungen bieten zu können.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/london-straße-uk-stadt-städtischen-598182/

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