Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem pathologischen Spieler und Suiziden bei jungen Menschen? Um diese Frage zu beantworten, haben zwei britische Universitäten eine Studie durchgeführt. Im Rahmen dieser Studie wurden die Daten von mehr als 3.500 Teilnehmenden ausgewertet – mit einem erschreckenden Ergebnis.

Die Studie wurde von der University of Glasgow sowie der City University of London durchgeführt. Die Datenauswertung hat dabei ergeben, dass es häufig einen Zusammenhang zwischen Suizidversuchen und einem krankhaften Spielverhalten gibt – vor allem bei jungen Männern. Von vielen Seiten wird aus diesem Grund eine bessere Prävention und professionelle Hilfsangebote für Betroffene gefordert.

Viele Suizidversuche sind auf Glücksspielsucht zurückzuführen

Im Rahmen der kürzlich veröffentlichten Studie wurden insgesamt 3.549 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt. Es gab dabei 1.922 Frauen und 1.627 Männer. Die Befragung wurde bereits im Sommer 2019 durchgeführt.

Von den 1.627 Männern hätten eigenen Angaben zufolge 62 innerhalb eines Jahres einen Suizidversuch unternommen. Das entspricht einem Anteil von etwa 4 %. Das Erschreckende daran ist, dass von den 62 betroffenen Männern rund ein Drittel (37 %) als Problemspieler oder sogar als Spielsüchtiger eingestuft werden kann. Demnach hat also mehr als jeder dritte Mann, der versucht hat, sich das Leben zu nehmen, ein Problem mit seinem Spielverhalten oder ist spielsüchtig.

Bei den befragten Männern, die keinen Suizidversuch unternommen haben, lag der Anteil derer, die unter einem problematischen Spielverhalten leiden, bei etwas mehr als 3 %. Demnach scheint es also einen nachweislichen Zusammenhang zwischen einem problematischen Spielverhalten und der Wahrscheinlichkeit eines Suizidversuchs zu geben. 

Wer Suizidgedanken hat, sollte möglichst schnell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. In Deutschland gibt es beispielsweise die TelefonSeelsorge®, die unter der 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreicht werden kann.

Zusammenhang zwischen Spielsucht und Suizidversuchen auch bei Frauen erkennbar

Weiter zeigt die Studie, dass von 1.922 teilnehmenden Frauen im vergangenen Jahr 85 einen Suizidversuch unternommen haben. Hier scheint Glücksspielsucht oder ein problematisches Spielverhalten allerdings seltener ein Auslöser für den Suizidversuch gewesen zu sein. Jedenfalls waren „nur“ 14,5 % der weiblichen Suizidversuche Problemspielerinnen.

Die britischen Forscher warnten in ihrer Auswertung davor, dass auch das „erhöhte Suizidrisiko bei Frauen mit problematischem Spielverhalten anerkannt werden sollte“. Insgesamt fassen die Wissenschaftler zusammen, dass Spielsucht sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko darstellt. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in diesen Tagen in der britischen Fachzeitschrift „The Lancet Public Health“. Bereits vor kurzer Zeit berichteten wir von der kritischen Sichtweise des britischen Ärzteblattes auf das Thema Glücksspiel.

Andere Lebensumstände sind ebenfalls ausschlaggebend

Natürlich ist nicht jeder Suizidversuch allein auf ein problematisches Spielverhalten zurückzuführen. Zumeist treffen viele negative Lebensumstände und Probleme aufeinander, ehe der Betroffene das Gefühl hat, dem Druck nicht mehr standhalten zu können und letztendlich einen Suizidversuch unternimmt. Zu den möglichen Faktoren gehören unter anderem Einsamkeit, der Verlust lieb gewonnener Menschen, ein Jobverlust oder andere Suchtmittel wie Alkohol oder Drogen.

Deutschland: 25 Menschen begehen täglich Selbstmord

Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2019 insgesamt 9.041 Personen durch Suizid. Durchschnittlich wählten zuletzt also 25 Menschen pro Tag hierzulande den Freitod. Weiter zeigt die Statistik, dass 76 % der Selbsttötungen durch Männer durchgeführt werden. Während das durchschnittliche Suizidalter bei Männern bei 58,2 Jahren liegt, liegt der Wert bei Frauen bei 59,7 Jahren.

Im Verlauf der letzten Jahre und Jahrzehnte hat die Anzahl der Suizide jedoch nahezu stetig abgenommen. Im Jahr 1980 nahmen sich beispielsweise noch rund doppelt so viele Menschen das Leben wie zuletzt im Jahr 2019. Nahezu die Hälfte der Suizide werden in Deutschland durch „Erhängen, Strangulieren oder Ersticken“ durchgeführt.

Fazit

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass sowohl unter Männern als auch bei Frauen ein Zusammenhang zwischen Spielsucht und Suizid zu bestehen scheint. Ein nicht unerheblicher Anteil von 37 % der männlichen Befragten, die bereits einen Suizidversuch hinter sich gebracht haben, gab an, unter einem problematischen Spielverhalten zu leiden. Wer durch das Glücksspiel oder aus anderen Gründen Suizidgedanken hat, sollte schnellstmöglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/depression-einsamkeit-verlassen-4490019/

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