Italienische Forscher haben nun erstmals untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der sprachlichen Ausdrucksweise und dem pathologischen Spielen gibt. Die zentrale Frage der Untersuchung war, ob sich eine Spielsucht anhand der Ausdrucksweise eines Menschen erkennen lässt. Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler zunächst 30 spielsüchtige Probanden ausführlich zu ihrem Spielverhalten befragt. Auf formelle Vorgaben wurde hierbei bewusst verzichtet.

Nun wurden die ersten beeindruckenden Erkenntnisse der Pilotstudie veröffentlicht. Lässt sich tatsächlich anhand der gewählten Formulierungen erkennen, dass ein Mensch unter Spielsucht leidet?

In der aktuellen Studie haben Forscher der italienischen Universität Roma Tre in Zusammenarbeit mit der Internationalen Hochschule für Studium und Forschung (SISSA) untersucht, ob sich Zusammenhänge zwischen Sprache und Spielsucht erkennen lassen. Zwar wurden zunächst nur 30 Probanden aus der italienischen Region Friaul-Julisch-Venetien befragt, doch die Ergebnisse dieser Pilotstudie sind beeindruckend. Tatsächlich haben die Forscher bei den spielsüchtigen Probanden nämlich gleich zwei sprachliche Phänomene identifizieren können. Langfristig könnte sich hierdurch ein neuer Therapieansatz ergeben, mit dem Spielsucht frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Die Untersuchung

Die italienischen Forscher haben zunächst 30 Probanden schriftlich befragt, die sich wegen ihrer Spielsucht zurzeit in stationärer Behandlung befinden. Konkret sollten die Teilnehmenden unter anderem die folgenden Fragen ohne formelle Rahmenbedingungen beantworten:

  • Welche Versuche wurden unternommen, um mit dem Spielen aufzuhören?
  • Welche Faktoren werden als Auslöser für die Spielsucht empfunden?
  • Inwieweit wird das Spielverhalten als zwanghaft empfunden?
  • Welche Maßnahmen funktionieren, um dem zwanghaften Spiel nicht nachzugehen?
  • Wie könnte die persönliche Zukunft aussehen?

 

Die Aufgabe der Probanden bestand also darin, die eigenen Erfahrungen mit der Spielsucht möglichst frei schriftlich niederzuschreiben. Die Teilnehmenden haben damit also sogenannte narrative Texte, also eine Art erzählerische Darstellung ihrer Erlebnisse, erstellt. Alle 30 befragten Personen kamen dabei aus der Region Friaul-Julisch Venetien in Italien. Im Rahmen der Auswertung wurden die Formulierungen der Teilnehmenden unter Zuhilfenahme einer speziellen Sprachsoftware analysiert. Die Ergebnisse der Pilotstudie, die in diesen Tagen veröffentlicht wurden, sind erstaunlich.

Spielsüchtige vermeiden das Futur

Auffällig in der Auswertung war die Tatsache, dass alle Probanden durchweg das Futur in ihren Antworten gemieden haben. Das bedeutet, dass sich alle Äußerungen der Spielsüchtigen auf die Gegenwart beschränkt haben. Kein Teilnehmer wagte in seinen Antworten einen Blick in die Zukunft. Die italienischen Forscher der Universität Roma Tre und der SISSA ziehen hieraus die Konsequenz, dass pathologische Spieler während ihrer „Spielphasen“ die Zukunft weitgehend versuchen zu verdrängen. Sie versuchen um jeden Preis die Augen vor den langfristigen Konsequenzen ihrer Spielsucht zu verschließen.

Aktive und passive Satzstrukturen im Mix

Aber es gab noch ein weiteres sprachliches Phänomen, welches im Rahmen der Auswertung aufgefallen ist. Viele Probanden wechselten in ihren schriftlichen Ausführungen nämlich auffällig häufig zwischen aktiven und passiven Sätzen. Angesichts des Fragenkatalogs und der Kernaufgabe, von seinen eigenen Erfahrungen zu erzählen, ist dieser sprachliche Modus jedoch unüblich. Die Wissenschaftler haben aber auch hierfür eine Erklärung: Es sei zu erkennen, dass die Teilnehmenden sich einerseits verantwortlich für ihre Spielsucht fühlen. Auf der anderen Seite sehen sie sich jedoch gewissermaßen als fremdbestimmt, da sie ihre eigenen Handlungen während der Sucht nur bedingt steuern können.  

Sprache gibt tiefen Einblick in die Psyche

Nicht nur die Mimik und Gestik, sondern auch die sprachliche Ausdrucksweise gibt Auskunft über die Psychologie eines Menschen. Auch der Forschungsleiter Stefano Canali unterstreicht in seinem Statement nochmal die Wichtigkeit linguistischer Untersuchungen in Bezug auf Suchterkrankungen. Mithilfe einer komplexen Sprachsoftware ist es unter Umständen nicht nur möglich, die Krankheit der Spielsucht frühzeitig zu identifizieren. Es könnte sogar möglich sein, über die sprachliche Ausdrucksweise nun auf einen neuen Therapieansatz zugreifen zu können. Canali jedenfalls äußerte sich diesbezüglich optimistisch:

„Sie (sprachliche Marker, Anm. d. Reaktion) eben den Weg für den Einsatz von Techniken zur Verbesserung der generellen Erzählfähigkeit (…) ähnlich wie sie bereits experimentell bei Patienten mit Autismus angewandt werden“.

 

Fazit

Abschließend sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der aktuellen Untersuchung aus Italien um eine Pilotstudie mit einem begrenzten Teilnehmerkreis handelt. Das bedeutet, dass zunächst weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssen, ehe die Linguistik in den kommenden Jahren eventuell tatsächlich ein Teil der Spielsuchttherapie werden kann. Fakt ist jedoch, dass die beiden geschilderten sprachlichen Phänomene sich bereits jetzt zumindest als Indiz für eine (sich entwickelnde) Spielsucht festmachen lassen.

Quelle des Bidles: https://pixabay.com/de/photos/schrift-bleisatz-buchdruck-705667/

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