Die britische Glücksspielbehörde UK Gambling Commission (UKGC) ist dafür bekannt, seine Lizenznehmer bei Verstößen hart zu bestrafen. Auch viele deutschsprachige Online Casinos haben in der Vergangenheit häufig mit dieser Glücksspiellizenz geworben. Das oberste Ziel der Behörde ist es, online und offline hohe Sicherheitsstandards zu setzen und sich für faires und verantwortungsvolles Glücksspiel einzusetzen.

Vor wenigen Tagen hat die UKGC nun den jährlichen Compliance- bzw. Vollstreckungsbericht veröffentlicht. Demnach gab es im zurückliegenden Geschäftsjahr insgesamt 350 sogenannte Compliance-Prüfungen, die auf den Online-Bereich sowie auf die landbasierten Casinos verteilt waren. Aber welchen Einzelfällen ist die britische Glücksspielbehörde nachgegangen und welche Konsequenzen mussten die verantwortlichen Anbieter dafür akzeptieren?

In einigen Fällen kritisieren Spieler in Online Casinos, dass sie sich von den zuständigen Aufsichtsbehörden im Stich gelassen fühlen. Grundsätzlich ist die Idee, dass Spieler, die sich in irgendeiner Weise ungerecht behandelt fühlen oder Betrug wittern, vertrauensvoll an die Glücksspielaufsicht wenden können und damit eine neutrale Partei den Fall untersucht. Ob dieses System funktioniert, hängt dabei primär von der jeweiligen Glücksspielbehörde ab. Innerhalb der Branche sind vor allem die britische UK Gambling Commission sowie die Malta Gaming Authority (MGA) für ihr vergleichsweise hartes Durchgreifen bekannt. Nun veröffentlichte die UKGC ihren Geschäftsbericht für 2019.

30 Millionen GBP als Geldstrafe gefordert

Insgesamt seien im Jahr 2019 durch die UKGC 350 Compliance-Prüfungen durchgeführt wurden. Daraus ergaben sich zwölf Geldstrafen mit einer Gesamtsumme von 30 Millionen GBP. Beim heutigen Umrechnungskurs entspricht das etwa 33,48 Millionen Euro. Zudem teilte die britische UKGC mit, dass fünf Anbietern die Lizenz vorübergehend entzogen wurde. Weiteren zwölf Anbietern sei sogar dauerhaft die Erlaubnis entzogen worden, mit der begehrten UKGC-Lizenz zu werben.

Der Behördenleiter Neil McArthur wies in seinem Statement nochmal darauf hin, dass sich die Anbieter an die geltenden Lizenzvorschriften halten sollen. Wer das nicht kann oder will, riskiert harte Geldstrafen und muss damit rechnen, die begehrte Lizenz wieder zu verlieren. Konkret äußerte McArthur:

„Eine gewerbliche oder private Glücksspiellizenz zu haben, ist ein Privileg und kein Recht. (…) Unser jüngster Bericht zeigt, dass wir sehr hart vorgehen, wenn ein Lizenznehmer die von uns erwarteten Standards nicht erfüllt und sogar Lizenzen pausieren oder entziehen“.

 

Welche Fälle wurden von der UKGC bestraft?

In seinem Jahresbericht beschreibt die UKGC unter anderem auch die schwerwiegendsten Verstöße aus 2019. Damit will die Aufsichtsbehörde aufzeigen, wie verantwortungslos so manch ein Glücksspielanbieter am Markt agiert.

Fall 1: 187.000 GBP innerhalb von zwei Tagen verloren
In einem Online Casino wurde es einem Spieler ermöglicht, innerhalb von nur zwei Tagen insgesamt etwa 187.000 GBP einzuzahlen. Umgerechnet sind das knapp 209.000 Euro. Der Spieler verlor den gesamten Einzahlungsbetrag und es wurde im Vorfeld vom Online Casino nicht geklärt, ob der Spieler sich einen Verlust in diesen Dimensionen überhaupt leisten kann.
Fall 2: Glücksspielanbieter interessiert sich nicht für die Geldquelle
In einem weiteren Fall hat sich ein Anbieter nicht dafür interessiert, aus welchen Quellen die Gelder seiner Kunden stammen. Dies ist insbesondere bei höheren Einzahlungen erforderlich, um sicherzustellen, dass damit keine Geldwäsche betrieben wird.
Fall 3: Trotz Hinweis auf Kredit verliert Spielerin mehrere Tausend GBP
Ein Gast eines landbasierten Casinos hat innerhalb eines Jahres etwa 18.000 GBP verloren. Und das, obwohl die Frau die Mitarbeiter des Casinos bereits zu Beginn darauf hingewiesen hat, dass sie nicht mit ihrem eigenen, sondern mit geliehenem Geld spielt.

UKGC – Gründung und Aufgabe

Die Gambling Commission wurde bereits im September 2007 gegründet und hat seinen Sitz in Birmingham. Die Behörde ist in Großbritannien unter anderem dafür zuständig, landbasierte Casinos, Spielautomaten, Lotterien und Wetten zu überprüfen. Des Weiteren ist die UKGC dafür verantwortlich, das Online-Glücksspiel zu überwachen. Sämtliche Lizenznehmer sind dazu verpflichtet, dass sie überwachen, ob ihre Spieler mit Geldern spielen, die auch ihnen gehören. Ebenso müssen die Spieler der Lizenznehmer bei Verdachtsgründen nachweisen können, dass die Spielgelder nicht etwa aus Bankkrediten herrühren.

Darüber hinaus sollen die Lizenznehmer sicherstellen, dass keine Minderjährigen die Casino-Angebote nutzen können. Insbesondere beim Online-Glücksspiel ist das eine nicht immer ganz einfache Aufgabe. Außerdem sollen die Spieler mit dem Glücksspiel keine Geldwäsche betreiben. Um eine britische Glücksspiellizenz zu erhalten, müssen die Casinos zudem nachweisen, dass die Firmen- und Spielergelder getrennt voneinander aufbewahrt werden.

Um eine begehrte Lizenz der UKGC zu erhalten, müssen die jeweiligen Online Casinos einen umfangreichen Antrag ausfüllen und hierfür mindestens 5.000 GBP bezahlen. Außerdem dauert es mindestens 16 Wochen, bis die Lizenz zugeteilt (oder abgelehnt) wird. Auf die Gewinne der Casinos wird zudem in Großbritannien ein Steuersatz in Höhe von 15 % fällig. Das ist deutlich mehr als beispielsweise in Gibraltar, wo die Unternehmen nur 1 % bezahlen müssen.

Voraussetzungen für eine UKGC-Lizenz:

  • Antragskosten: ca. 5.000 GBP
  • Bearbeitungsdauer: ca. 16 Wochen
  • Steuersatz: 15 % auf alle Gewinne
  • Minderjährige müssen vom Angebot ausgeschlossen werden
  • Spielergelder müssen getrennt vom übrigen Firmenvermögen gelagert werden
  • Lizenznehmer muss sicherstellen, dass Spieler nur mit eigenem Geld spielen
  • Geldwäsche und andere kriminellen Aktivitäten müssen aktiv unterbunden werden

 

Britische Glücksspielaufsicht fordert stärkere Zusammenarbeit mit Banken

Bereits vor mehreren Wochen hat der Behördenleiter der UKGC von der Finanzbranche gefordert, stärker mit den Glücksspielbehörden zu kooperieren. McArthur hat den Banken im zurückliegenden Oktober explizit eine Zusammenarbeit angeboten, um dadurch den Spielerschutz zu optimieren. Einige Kreditinstitute stimmten in der jüngeren Vergangenheit bereits zu, eine Sperre für Geldtransaktionen an Glücksspielfirmen einzuführen. Inzwischen beteiligen sich zumindest in Großbritannien Barclays, Bank of Scotland, HSBC sowie die Onlinebank Starling. Wenn Transaktionen an virtuelle Glücksspielanbieter stärker überwacht bzw. limitiert werden, dann könnte dies Millionen Briten dabei helfen, ihr Spielverhalten im Griff zu behalten und die negativen Folgen abzuschwächen.

Fazit

Fakt ist, dass die britische Glücksspielbehörde als besonders streng und daher als spielerfreundlich gilt. Um eine begehrte Lizenz zu bekommen, müssen die Antragsteller ein umfassendes Anforderungsprofil erfüllen und riskieren bei eklatanten Verstößen Strafen in Millionenhöhe. Der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht der UKGC zeigt, dass sich die Aufsichtsbehörde ihrer Verantwortung bewusst ist und im Fall der Fälle hart durchgreift. Schließlich wurden allein im Jahr 2019 insgesamt zwölf Geldstrafen in Höhe von 30 Millionen GBP eingefordert und elf Anbietern sei komplett die angesehene Lizenz wieder entzogen worden. Die britische Behörde ruft ihre Lizenznehmer nun dazu auf, ihre eigene Compliance zu überprüfen und selbsterkannte Mängel in eigener Regie zu beheben, um den Spielern eine noch sicherere Spielumgebung bieten zu können.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/illustrations/london-westminster-wahrzeichen-2164680/

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