Das Nachrichtenportal Workpoint News hat von einem Thailänder berichtet, der die Polizei um Hilfe bat, weil er die Einsätze aus dem Online Glücksspiel zurückholen wollte. Glücksspiel in Form von Casinospielen ist in Thailand komplett verboten. Der Mann hoffte durch eine Anzeige wegen Betruges, dass er den Verlust von 600.000 Baht (rund 16.841 Euro) zurückbekommt.

Seit 1935 gibt es den sogenannten Glücksspielakt 2478 in Thailand, der die meisten Glücksspielarten in dem asiatischen Land verbietet. Trotzdem gibt es immer wieder illegale Casinos in Thailand und unter den Einwohner wird das Online Glücksspiel beliebter.

Am Freitag, dem 26. April 2019, hatte sich ein Thailänder in der Polizeiwache Chang Puek in der Stadt Chiang Mai eingefunden. Die Stadt liegt im Nordwesten Thailands. Er hatte in einer Nacht 600.000 Baht (rund 16.841 Euro) beim Baccarat auf einer Online Casino Seite verloren. Die Polizei sollte ein Teil des überwiesenen Geldes beim Empfänger einfrieren, damit er es zurückbekommen kann.

Ist Glücksspiel in Thailand erlaubt?

Glücksspiel ist in Thailand größtenteils verboten. Es gibt eine staatliche Lotterie, an der man problemlos teilnehmen kann. Außerdem kann man auf den dortigen Pferderennbahnen Wetten auf die Sieger abgeben. Alle anderen Glücksspielarten sind seit 1935 durch den Glücksspielakt 2478 verboten. Wer dennoch in einem illegalen Automatencasino in dem Land spielt, muss mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafen rechnen.

Online Casinos sind zwar nicht erlaubt, aber da sich die Casinos physisch nicht auf thailändischen Boden befinden, können dort Spieler zumeist straffrei spielen. Es ist also nicht vollständig verboten, sondern wird lediglich aus Mangel an rechtlichen Grundlagen toleriert.

Wie versuchte der Mann die Polizei vom Strafbestand zu überzeugen?

Der Mann hatte sich auf die Anzeige gut vorbereitet. Vom Online Glücksspielbetreiber hatte er eine genaue Übersicht der Einsätze ausgedruckt. Aus ihr ging hervor, welche Einsätze er in der Nacht des 18. April 2019 getätigt hatte. Außerdem hatte er einen Kontoauszug, sodass er beweisen konnte, dass er 600.000 Baht (circa 16.841 Euro) bei der Baccarat-Glücksspielwebseite eingezahlt hatte. Insgesamt hatte er elf Einzahlungen getätigt:

  • 1x 2.000 Baht (rund 56 Euro)
  • 9x 50.000 Baht (etwa 1.403 Euro)
  • 1x 100.000 Baht (circa 2.806 Euro)

Trotz der Aufstellung hatte ihm die Polizei darüber aufgeklärt, dass sie ihm nicht helfen könne. Er habe schließlich die mehr als 600.000 Baht völlig freiwillig und ohne Zwang auf das Bankkonto des Empfängers transferiert.

Hat die Glücksspielwebseite den Mann zum Spielen verführt?

Laut Polizeiprotokoll hat der Mann angegeben, dass die Webseite ihn zum Spielen verführt hätte. In der Nacht des 18. April sei er durch eine Anzeige bei Facebook auf die Webseite aufmerksam geworden. In der Anzeige hatte man behauptet, dass man mit Online Glücksspiel sehr leicht, reich werden könne. Weil er zum Glücksspiel verführt worden sei, bat er die Polizei um Hilfe. Sie sollten die transferierten Gelder einfrieren lassen, damit er sie zurückbekommen kann.

Während er die Webseite ansah, konnte er mitverfolgen, dass tausende anderer Menschen sich die Homepage ebenfalls ansahen. Alle Kommentare zu dem Baccarat-Spiel und der Webseite selbst waren positiv. Es standen mehrere Games zur Auswahl, er habe sich aber für Baccarat entschieden. Daher hat er zunächst 2.000 Baht (etwa 56 Euro) als Einsatz für Baccarat eingezahlt.

Eskalation nach erstem Verlust

Gleich bei der ersten Runde verspielte er den gesamten Betrag. Daraufhin habe er laut eigenen Angaben den Verstand verloren und zahlte 9-mal 50.000 Baht (circa 1403 Euro) und 1-mal 100.000 Baht (etwa 2.806 Euro) ein.

Als er sein Geld verloren hatte, erkannte er das Online Glücksspiel als Betrug und musste feststellen, dass das Geld von seinem Konto bereits abgebucht worden war. Somit konnte er die Zahlung selbst nicht mehr stoppen.

Problematischer ist jedoch, dass ihm die 600.000 Baht (rund 16.841 Euro) gar nicht gehörten. Das Geld hatte ihm sein Vater eigentlich für die Führung des Familienbauunternehmens zur Verfügung gestellt.

Zuerst wollte der Mann niemanden von der Geschichte erzählen, beichtete dennoch der Familie von der Geschichte. Der Familienrat schickte ihn zur Polizei, damit er dort Anzeige wegen Betruges einreicht. Sein Onkel war zu diesem Zweck mitgekommen.

Der Onkel erklärte, dass es sich bei den Online Casinospielen um einen Verstoß gegen das Cybergesetz handelte. Die Veranstaltung des Online Glücksspiel könnte somit als betrügerische Handlung angesehen werden.

Das Cybergesetz sollte die Sicherheit im Internet erhöhen. Es sollte Regierungsbehörden mit umfassenden Such- und Beschlagnahmungsbefugnissen ausstatten, wenn Handlungen einer Person oder Cybersicherheit bedrohen würden. Das Gesetz sollte vor allem Hackerangriffe auf Regierungsstellen verhindern. Es stand aber immer wieder in der Kritik, da nicht definiert war, was als „Bedrohung für die Cybersicherheit“ angesehen wird. Es gibt in Thailand übrigens ebenfalls ein „Computerkriminalitätsgesetz“, was für die Verbreitung von „Fake News“ 5 Jahre Haft vorsieht.

Folgte die thailändische Polizei der Argumentation zum Online Glücksspiel?

Die Polizei stellte klar, dass es sich bei der Webseite keinesfalls um Betrug gehandelt hat. Der Mann sei auch nicht betrogen worden. Er habe schließlich freiwillig das Geld eingezahlt und selbst entschieden, dass er am Baccarat teilnehmen wollte. Er musste beim Zeitpunkt der Teilnahme erkannt haben, dass er ein großes Risiko einging und vielleicht alles verlieren würde.

Die Polizisten konnten die Anzeige nicht akzeptieren, da das Online Baccarat Spiel dem Offline Glücksspiel ähnelt. Als er sich zur Teilnahme entschied, wusste er, dass es sich um ein Spiel handelt, bei dem man gewinnen oder verlieren kann.

Nach den ganzen Diskussionen zum Rückbuchen von Glücksspieleinsätzen in Deutschland und den rechtlichen Überlegungen dazu, ist es vielleicht interessant auch von ähnlichen Geschichten in anderen Länder der Welt zu hören. In Thailand versuchen Spieler ebenfalls Verluste zurückzubekommen, obwohl sie wissen, dass Glücksspiel in ihrem Land eigentlich verboten ist.

Bildquelle: Fotolia 220901200 - Police officer on traffic control security duty in Thailand. ©Korn V.

Bewerte den Artikelinhalt