In Australien soll der Jugendschutz bei Angeboten im Internet verbessert werden. Wie die Nachrichtenagentur Australian Associated Press (AAP) berichtet, gibt es auch Überlegungen, Gesichtserkennungssoftware zu nutzen. Die Gesichtsscans sollen sicherstellen, dass keine Minderjährige mehr Online Casinos und Pornoseiten nutzen können.

Einige Regierungsstellen denken derzeit über die Nutzung von Software zur Gesichtserkennung nach, die den Zugang zu bestimmten Internetseite beschränken sollen. Derzeit wird eine solche Zugangskontrolle für Online Glücksspielseiten und Webseiten mit pornografischen Inhalten diskutiert.

Der Vorschlag wurde dabei von der australischen Sicherheitsbehörde eingebracht. Daraufhin hat das Innenministerium eine Parlamentskommission einberufen.

Wie soll der Prozess der Gesichtsscans im Internet ablaufen?

Vor dem Betreten von Webseiten mit den entsprechenden Glücksspiel- oder Porno-Inhalten sollen Besucher ein Foto von sich via Webcam oder Smartphone-Kamera aufnehmen müssen. Diese Gesichtsscans könnten dann mit offiziellen Fotos der Personen abgeglichen werden.

Aufnahmen von Ausweisen und Führerscheinen, welche die entsprechenden Behörden bereits in digitaler Form hätten, würde sich für den Abgleich am ehesten eignen. Seit 2016 gibt es in Australien den Face Verification Service (FVS). Es ist dadurch eine Datenbank mit biometrischen Daten vieler Australier entstanden, welche zu diesem Zweck genutzt werden können.

Bisher gibt es nur einen Entwurf für den Identity-matching Services Bill von 2019. Er würde diesen Abgleich regeln und erlauben. Das Innenministerium beschrieb den Vorteil der Technik folgendermaßen:

Dies könnte die Altersverifikation unterstützen, beispielsweise indem Minderjährige daran gehindert werden, zur Umgehung der Kontrollen zur Altersverifikation die Führerscheine ihrer Eltern zu benutzen.

Neben dem erhöhten Jugendschutz, könnte man so auch sicherstellen, ob die Angaben der angemeldeten Person wirklich stimmen. Durch die Gesichtserkennung wäre es auch einfacher, Sperren für Online Casinos oder Wettanbieter unabhängig von der jeweiligen Glücksspielwebseite zu gewährleisten. Durch die Gesichtsscans lassen sich solche Zutrittsbeschränkungen nicht mehr überlisten.

Kritiker führen Datenmissbrauch an

Von der Idee wurden viele Kritiker angezogen, die bemängeln, dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Es gäbe die Angst, dass Nachrichtendienste oder Hacker die sensiblen biometrischen Daten abgreifen und nutzen können.

Die Kritiker führen an, dass es weniger aufdringliche Ansätze gäbe, mit denen Identitäten verifiziert werden könnten. Glücksspielbetriebe könnten beispielsweise die Erlaubnis erhalten auf Kreditunterlagen zuzugreifen. Durch eine Reihe von Fragen könnte dann die Identität des Spielers bestätigt werden. Skype Konferenzen mit Identitätsprüfungen wären ebenfalls denkbar.

Trotzdem schätzen die meisten Experten in Australien die datenschutzrechtlichen Probleme für eher gering ein. Immerhin würden sich die Spieler für die Nutzung von Online Casinos entscheiden. Wenn sie ihre Daten nicht preisgeben wollen, könnten sie die Webseite ebenfalls verlassen. Ähnliches Vorgehen wäre auch von Spielbanken und Spielhallen in Australien bekannt. Seit Jahrzehnten werden Videoüberwachungen für Strafverfolgungs- und Sicherheitszwecke eingesetzt.

Anthony Cabot, Distinguished Fellow of Gaming Law an der UNLV Boyd School of Law, welche zur University of Nevada in Las Vegas gehört, kommentierte das Thema wie folgt:

Jegliche Daten, die von einem kommerziellen Unternehmen gespeichert werden, könnten kompromittiert werden, wenn keine wirksamen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Dies ist ein wichtiges Anliegen, unabhängig von der Art des Geschäfts, ob es sich um Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Rechtsberatung oder eine Vielzahl anderer Unternehmen handelt.

In anderen Ländern wird ebenfalls die Nutzung von Gesichtserkennungssoftware diskutiert. In Japan wurde der Einsatz beispielsweise diskutiert, da man spielsüchtige Einwohner von Pferderennstrecken und Pachinkohallen abhalten möchte. In Großbritannien hatte man ebenfalls diskutiert, ob man Porno-Seiten erst nach erfolgreicher Gesichtserkennung betreten könnte. Mitte Oktober 2019 hatte man jedoch bekannt gegeben, dass man die Ideen nicht weiter verfolgt.

In China führt man hingegen ab 1. Dezember 2019 ein zwingendes Gesichtserkennung-System ein, bei allen Einwohnern ein, die einen neuen Internetzugang oder eine neue Handynummer beantragen. Die Verifikation der gemachten Angaben soll der Gesichtsabgleich gewährleisten – Datenschützer des Landes denken jedoch, dass die Bevölkerung weiter überwacht werden soll.

Was machen Casinos mit den biometrischen Daten?

Nicht nur das Abgreifen der Daten besorgt Experten auf diesem Gebiet. Ungewiss ist ebenfalls, was Casinos mit den Daten machen könnten. Es wäre denkbar, dass die Casinos Profile von Spielern anlegen und ihnen so bessere Boni offerieren, damit sie länger oder auch öfter spielen.

In Macau hatte man vor wenigen Wochen ein ähnliches Vorhaben aufgehalten. Der Zutritt zu den Casinos, sollte dort ebenfalls an die Gesichtserkennung gekoppelt werden. Die Kontrollbehörden nahmen aber Abstand, da Casinos bereits Pläne hatten, Besucher personalisierte Angebote zu unterbreiten und so höhere Einsätze zu erzielen.

2018 war PornHub in Australien die Webseite mit dem neunthöchsten Traffic. Im Durchschnitt verweilen die Nutzer 10 Minuten und 4 Sekunden auf der Webseite. Justin Warren von der Internetmarketingfirma PivotNine tech nannte die Idee nur „dumm“. Es würde niemals funktionieren.

Marc Rotenberg ist Präsident des Electronic Privacy Information Center, einer Interessensgruppe für den Schutz der Privatsphäre . Er kommentierte:

Die Verwendung von Gesichts-Scans wird mit ziemlicher Sicherheit Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre von Kunden und Compliance-Fragen für Casinos aufwerfen. Eine bessere Technik würde eine Bestätigung des Alters liefern, ohne die tatsächliche Identität preiszugeben.

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die Kommission erzielt. Datenschutzprobleme müssen gegenüber dem Spielerschutz abgewogen werden. Auf jeden Fall wird das Thema Gesichtserkennung in Australien noch für Diskussionen sorgen.

Bildquelle:  AdobeStock 276493042; Young Man Identified by Biometric Facial Recognition Scanning Process from His Smartphone. Futuristic Concept: Projector Identifies Individual by Illuminating Face by Dots and Scanning with Laser; ©Gorodenkoff 

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