Mit Beginn des Jahres 2019 trat in der Schweiz des neuen Geldspielgesetz in Kraft. Dadurch wurden die Bestimmungen für Online Casinos in der Schweiz verändert. Ausländische Internetglücksspielanbieter ohne Glücksspielkonzession sollten eigentlich ab 1. Juli blockiert werden. Teilweise zeigt sich jetzt, dass die Casino Blacklist noch nicht greift.

Knapp 192.000 Schweizer sollen ein problematisches Spielverhalten aufweisen, rund 15.000 Schweizer gelten als spielsüchtig. In einer neuen Studie mit Umfrageergebnissen von 2017 ist aufgefallen, dass unter den Problemspielern rund die Hälfte der Einsätze beim Online Glücksspiel getätigt wird.

Die permanente Verfügbarkeit, fehlende Limits und die fehlende soziale Kontrolle würden für eine höhere Risikobereitschaft sorgen und das Suchtverhalten begünstigen.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass das neue Geldspielgesetz auch für eine Regulierung der Online Casinos sorgen sollte. In der Schweiz dürfen Glücksspielbetreiber lediglich Online Casinospiele anbieten, wenn die Unternehmen eine Spielbank in dem Land betreiben. Viele Spielbanken arbeiten daher mit Unternehmen der iGaming-Branche zusammen, um seit 1. Juli 2019 den Spielern seriöse Online Casinos mit Schweizer Glücksspiellizenz bieten zu können.  

Trotz Blacklist sind viele ausländische Webseiten zugänglich

Das neue Geldspielgesetz sieht Netzsperren für ausländische Online Glücksspielanbieter vor, die keine Schweizer Glücksspiellizenz besitzen. Für allen anderen illegalen Glücksspielanbieter führt die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) eine Liste mit Internetadressen, welche durch die Internetanbieter gesperrt werden müssen. Mittlerweile umfasst diese Blacklist fast 60 Internetseiten, allerdings ist bei der letzten Prüfung aufgefallen, dass immer noch mindestens 33% der Liste weiterhin zugänglich sind für Schweizer Spieler.

Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet, dass derzeit die ESKB versucht abzuklären, warum ein Teil der Glücksspielanbieter noch nicht gesperrt wurde. Es solle für die Zugänglichkeit dabei verschiedene Gründe geben. Beispielsweise wäre es denkbar, dass ein Telekomanbieter mehrere Server betreibt, die Sperren aber nicht automatisch auf allen Servern übernommen werden.

Außerdem könnten einige Firmen selbst regeln, welche Sperren übernommen werden sollen. Aus dem Grund kann es sein, dass man von dem Computer eines Betriebes vielleicht noch auf die Webseiten gelangt, während sie auf dem privaten PC oder dem Smartphone gesperrt sind.

Ferner gibt es wohl eine „White List“, die die Blacklist übergehen kann. Webseiten mit hohen Klickzahlen könnten so von der Blacklist verschwinden. Normalerweise handle es sich hier um Webseiten wie Google oder Facebook, mittlerweile würde es aber in der Praxis auch Blacklist Glücksspielseiten betreffen.

Die Blacklist wächst kontinuierlich

Die erste Blacklist mit 40 Webseiten wurde am 3. September 2019 veröffentlicht. 3 Wochen später gab es ein Update um 20 weitere Internetadressen. Laut Angaben der Eidgenössische Spielbankenkommission würden vor allem Online Glücksspielanbieter gemeldet werden, wenn Spieler Probleme haben, Gewinne zu erhalten. Die Schweizer Casinos würden ebenfalls Unternehmen und Webseiten melden. Natürlich betreibt die ESBK auch eigene Recherche zu dem Thema.

Neues Programm "Spielen ohne Sucht"

Mit dem internationalen Programm "Spielen ohne Sucht" versuchen 16 Deutschschweizer Kantone eine neue Sensibilisierungskampagne für Online Spielsucht zu starten. Sie soll dabei helfen, dass Spieler ihr eigenes Verhalten kritisch hinterfragen.

Der Kontrollverlust setze spätestens beim Spielen ein, wenn man sich dabei nicht mehr amüsiere. Die Initiatoren wollen daher das Thema der Anzeichen von Spielsucht in den Fokus der Bevölkerung rücken. Daher betont man auch die Spielerschutzmechanismen wie Zeit- oder Geldlimits sowie ausreichende Auszeiten – die man in den Schweizer Online Casinos festlegen kann.

Negativbeispiel des Spielers Lorenz A.

In diversen Schweizer Medien kann man auch die Spielerkariere von Lorenz A. nachlesen. Der Name wurde im Übrigen geändert, da der Spieler anonym bleiben möchte. Er hatte seine Spielsuchtgeschichte der Presse geschildert. 2016 habe seine Kariere im Schweizer Casino begonnen.

Er ist mit 2.300 Franken (rund 2.000 Euro) in eine Spielbank, hat alles bis auf 600 Franken (etwa 550 Euro) verspielt. Dann landete er einen großen Gewinn von 50.000 Franken (rund 45.000 Euro). Die Freude war sehr groß, er malte sich sogar aus, wie das Leben wäre, wenn man wöchentlich so viel Geld beim Glücksspiel gewinnen würde.

Er besuchte dann regelmäßiger die Spielbanken. Dann stieg er aus Zeitmangel auf Online Casinos um und zockte dort teilweise den ganzen Abend hindurch bis 2 Uhr in der Nacht. Er spielte immer einen Slot – Book of Ra – der Novoline Klassiker ließ ihn nicht mehr los.

Anfang 2017 war sein Gewinn von 50.000 Franken aufgebraucht und er lieh sich Geld von einer Bank, um weiter zu spielen können. Er hatte dabei immer wieder gute Gewinne, aber er schilderte sein Problem mit den Gewinnen wie folgt:

Man verliert ja nicht nur. Ich habe online auch mal 8000 Franken mit nur einer Drehung gewonnen. Dann sagt man sich jeden Morgen: „Komm, heute schaffe ich das nochmals!“ Hinzu kommt, dass die Online-Casinos einen laufend anstacheln, um weiterzuspielen.

Seine Frau und die Tochter hatte er über verschiedene Kredite belogen. Er merkte zwar, dass er in einem Teufelskreis war, kam aber nicht mehr heraus. Er hatte am Ende 150.000 Franken (rund 136.000 Euro) Schulden, die Frau dachte, er hätte eine Affäre und irgendwann viel auch auf, wohin das Geld aus den Krediten eigentlich geflossen ist. Den Zeitpunkt der Entscheidung gegen das Glücksspiel beschrieb er dabei wie folgt:

Das war Ende Mai. Da war alles zu Ende, ich konnte nicht mehr. Meine 14-jährige Tochter wollte mit einer Kollegin in die Stadt und brauchte etwas Geld von mir. Aber ich hatte nichts mehr, keinen Rappen. Da wusste ich, es muss sich etwas ändern.

In dem Interview gibt der Spieler dabei dem britischen Glücksspielanbieter, den er genutzt hatte, eine Teilschuld. Sie hätten ihn durch Gratisspins und Boni zum Weiterspielen animiert. Außerdem verstand er nicht, warum er so einfach an Kredite und Kreditkarten mit mehreren Tausend Franken Limits gekommen ist. Am Ende plädiert er für ein Totalverbot von Glücksspiel, Spielbanken und Online Casinos.

Ich wünsche mir eigentlich, auch wenn das kaum passieren wird, dass Casinos verboten würden. Da wird das Volk bestohlen, das ist reine Gaunerei. Aber das versteht man erst, wenn man nichts mehr in der Tasche hat. 

Für Lorenz A. scheint es kein „Spielen ohne Sucht“ geben zu können. Es wäre auch unverständlich, wenn man es komplett verbieten würde. Immerhin hatte auch das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass der Spieltrieb zur Natur des Menschen gehöre. Daher wird es wohl immer Spielbanken, Online Casinos oder andere Glücksspielanbieter geben – es fragt sich nur, wie man die Gefahr an Spielsucht zu erkranken durch regulatorische Maßnahmen minimieren kann.

Bildquelle: AdobeStock 31301139, Illegale Webinhalte ©M. Johannsen

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