Nachdem im Oktober die ersten 15 Glücksspielanbieter eine deutsche Sportwetten-Lizenz erhalten haben, ist knapp ein halbes Jahr lang nichts mehr passiert. Nun wurde bekannt, dass das Regierungspräsidium Darmstadt (Hessen) weiteren Anbietern eine deutsche Sportwetten-Lizenz erteilt hat. Damit verfügen inzwischen 23 Anbieter über die begehrte Lizenz. Doch etliche Anträge befinden sich nach wie vor in der Bearbeitung.

Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) kritisiert die schleppende Lizenzvergabe bereits seit mehreren Monaten. Der Vorwurf: Das für die Lizenzerteilung zuständige Regierungspräsidium im hessischen Darmstadt lässt sich für die Prüfung der Anträge zu viel Zeit. Nun kommt wieder etwas Bewegung in das Lizenzverfahren: Weitere Anbieter haben die begehrte deutsche Wettlizenz erhalten. Doch mehr als 30 Anbieter warten nach wie vor darauf, endlich ihre deutsche Lizenz ausgestellt zu bekommen.

Betkick und Betago erhalten deutsche Lizenz

Zuletzt wurde bekannt, dass die Wettanbieter Betkick und Betago vom hessischen Regierungspräsidium eine Lizenz erhalten haben. Betkick ist ein vor allem in Österreich bekannter Sportwettenanbieter, der seit knapp drei Jahren zu Stoximan gehört. Bei Betago hat man sich neben der Lizenz für Online-Sportwetten auch eine Einzelhandelslizenz gesichert.

Bislang sind damit nun 23 Anbieter im Besitz einer seriösen deutschen Glücksspiellizenz. Zu den Lizenznehmern gehören neben den beiden oben genannten Marken unter anderem auch bwin, JAXX, Ladbrokes, Tipico, bet-at-home, Interwetten, Tipster und Tipwin. Darüber hinaus haben sich Cashpoint (Gauselmann-Gruppe) sowie der britische Glücksspielkonzern GVC Holdings, der jetzt Entain heißt, eine deutsche Lizenz sichern können. Mit Ausnahme des staatlichen Anbieters Oddset haben sich alle bisherigen Antragsteller auch eine Lizenz für Online-Sportwetten gesichert.

Das RP Darmstadt hat auf einer sogenannten „White List“ alle Veranstalter von Sportwetten mit einer gültigen Sportwettkonzession aus Deutschland zusammengefasst. Die Liste wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert.

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33 weitere Anträge noch in der Bearbeitung

Zwar sind inzwischen 23 Lizenzen an seriöse Glücksspielunternehmen ausgestellt worden. Doch weitere 33 Anbieter warten noch nach wie vor auf eine Entscheidung. Und das, obwohl seit der Einführung der Übergangsregelung inzwischen fast ein halbes Jahr vergangen ist. Darüber hinaus sind derzeit über 20 weitere Glücksspielunternehmen interessiert daran, sich um eine deutsche Lizenz zu bewerben. In absehbarer Zeit könnte die Zahl der vom Regierungspräsidium Darmstadt erteilten Lizenzen damit auf über 70 anwachsen.

Das RP Darmstadt durfte nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Darmstadt vom 01.04.20 – Az. L 446/20. DA zunächst über mehrere Monate keine Konzessionen für Sportwetten vergeben. Nachdem der Verwaltungsgerichtshof am 09.10.20 – Az. 8 B 1111/20 diesen Beschluss wieder aufgehoben hat, darf das RP Darmstadt neue Anträge entgegennehmen und endlich Lizenzen vergeben.

Der Branchenverband DSWV kritisiert die langsame Bearbeitung der Anträge und weist darauf hin, dass dieses Vorgehen zu einer Wettbewerbsverzerrung führen kann. Während die wenigen lizenzierten Anbieter nämlich bereits seit Oktober vergangenen Jahres die strengen Vorschriften des neuen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) einhalten, bewegen sich die nicht-lizenzierten Anbieter weitestgehend frei am Markt, ohne die Maßnahmen umzusetzen.

Des Weiteren wirft der DSWV-Präsident Mathias Dahms dem zuständigen Gremium im hessischen Darmstadt vor, weitere eingegangene Anträge seit Monaten unnötig in der Schwebe zu halten. Die Verzögerung könnte seiner Ansicht nach damit zusammenhängen, dass das Gremium zerstritten und das Antragsverfahren dadurch ins Stocken geraten sei. Dahms forderte das RP Darmstadt auf, die ausstehenden Anträge unverzüglich zu bearbeiten.

Unter den DSWV-Mitgliedern betrage der Kundenrückgang seit Einführung der Übergangsregelung im Oktober 2020 im Durchschnitt 54 Prozent. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem bet-at-home, Betano, Cashpoint, Interwetten und Tipico.

Wie können Anbieter eine deutsche Lizenz erhalten?

Die Anforderungen, die ein Antragsteller erfüllen muss, um eine deutsche Lizenz zu erhalten, sind äußerst streng. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat die formalen Anforderungen auf seiner Website veröffentlicht. Hier ist unter anderem nachzulesen, dass die Glücksspielunternehmen folgende Kriterien erfüllen müssen:

  • Allgemeine Antragsunterlagen auf Deutsch
  • Umfassendes Zahlungsabwicklungskonzept
  • IT-Sicherheitskonzept mit eigenem Sicherheitsbeauftragten
  • Sozialkonzept, um Suchtrisiken zu minimieren und Minderjährigen den Zugang zu verwehren
  • Vertriebskonzept (u. a. Auskünfte über geplante Bonusangebote)

 

Greentube bemüht sich um deutsche Casino-Lizenz

Während die Vergabe der deutschen Sportwetten-Lizenzen inzwischen an Fahrt aufnimmt, geht es bei den Lizenzen für Spielautomaten kaum voran. Bereits im November berichteten wir unter anderem darüber, dass die Novomatic-Tochter Greentube zurück auf den deutschen Markt will und sich deshalb um eine entsprechende Lizenz bemüht. Bislang gibt es hierzu unseren Recherchen zufolge jedoch noch keine Neuigkeiten.

Fazit

Spätestens mit dem Inkrafttreten des neuen GlüStV am 1. Juli 2021 sollten alle Anbieter, die rechtzeitig eine deutsche Lizenz beantragt haben, diese auch erhalten haben. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die strengen Anforderungen jeweils erfüllt werden konnten. Erst vor wenigen Tagen berichteten wir übrigens über die bundesweite Glücksspielaufsicht, die zurzeit in Halle (Saale) entsteht. Man darf gespannt sein, ob die Lizenzvergabe in den kommenden Monaten endlich Fahrt aufnehmen wird und welche weiteren Glücksspielunternehmen eine deutsche Lizenz beantragen und letztendlich auch erhalten werden.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/stadion-nationalen-arena-bucuresti-1750100/

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