Es gibt eine neue Studie mit dem Titel „Werbemarktanalyse Glücksspiel 2019“ von Research Tools. Die Autoren haben festgestellt, dass es 2019 eine neue Rekordmarke innerhalb der letzten 5 Jahre bei den Ausgaben der Glücksspielanbieter für Werbung gibt. Online wie Offline Glücksspielbetreiber haben weiter kontinuierlich das Werbevolumen vergrößert.

Onlinecasino.de-FernsehwerbungEine neue Studie von Research Tools hat die Werbeausgaben von Glücksspielanbietern in Deutschland untersucht. Insgesamt wurden 9 verschiedene Produktkategorien betrachtet, darunter waren die Bereiche Deutscher Lottoblock, Online-Casino, Klassenlotterien. Auf 153 Seiten wurden die Ergebnisse zusammengefasst. Es werden die Entwicklungen für 100 Marken festgehalten und daraus Fünf-Jahres-Trends erstellt. Außerdem werden die Kommunikationsstrategien der 10 wichtigsten Werbetreibenden untersucht. Man möchte dabei die speziellen Werbemotive erkennen.

Insgesamt lässt sich laut Auswertung der Studie eine kontinuierliches Anwachsen der Werbeausgaben von Glücksspielunternehmen in Deutschland festhalten. In den letzten 5 Jahren haben sich die Ausgaben für Werbung der Glücksspielbranche insgesamt verdreifacht. Derzeit werden fast 401 Millionen Euro in diesem Bereich ausgegeben. Es handelt sich um einen Anstieg von 14% gegenüber dem Vorjahr.

Größtes Wachstum bei Online Casinos

Das größte Wachstum der Ausgaben in Sachen Werbung lässt sich dabei bei Online Casinos verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr sind die Ausgaben in dem Online Glücksspielsektor um 70 Millionen Euro gestiegen. Die Marken bwin, DrückGlück, Pokerstars, Tipico, Unibet und Wunderino hätten 2018/19 besonders in Werbung investiert. Werbung für Sportwetten wird ebenfalls immer wichtiger. Knapp 20% des gesamten Volumens der Werbeausgaben entfällt auf Sportwetten.

Der Deutsche Lottoblock und die Fernsehlotterien würden nur 10% des gesamten Werbebudgets der Branche ausmachen. Die Klassenlotterien sollen sogar bei unter 5% des Anteils am Gesamtwerbevolumen liegen. Das hört sich zwar nach relativ wenig an, dennoch sehen die Autoren der Studie auch beim Lotto, dass die Werbeausgaben in den letzten Jahren zugenommen haben.

Gleichzeitig konnte man feststellen, dass die Anzahl der Werbetreibenden um 35% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Teilweise gibt es im Durchschnitt 2019 rund 64 Werbetreibende pro Monat.

Wo und wie werben Glücksspielunternehmen vor allem?

Katharina Witt bei der Postcode LotterieDie größten Ausgaben entfallen von privaten Anbietern auf die TV-Werbung. 80% der Ausgaben für Werbemaßnahmen entfielen auf Fernseh-Spots. Öffentliche Anbieter würden vor allem über Internetbanner oder Printmedien Werbung schalten. Teilweise sieht man, dass bekannte Persönlichkeiten für einzelne Anbieter Werbung machen.

Maradona, Stefan Effenberg, Franziska van Almsick, Cafu (eigentlich Marcos Evangelista de Moraes) und Vicente del Bosque haben beispielsweise für bwin posiert. Katharina Witt zeigte sich bei der deutschen Postcode Lotterie. Oliver Kahn wirbt immer noch für Tipico und der Handballer Stefan Kretzschmar für LeoVegas. Bastian Schweinsteiger hat Werbung für deutsche Spielhallen gemacht.

Thematisiert werden vor allem das Spiel, der Spaß und die Spannung, aber auch die Gewinnchancen und ein Stück weit die Attraktivität der Gewinne.

Hamburg kritisiert derzeit die Werbung von Glücksspielanbietern

Die Hamburger Glücksspielaufsicht hat das Innenministerium Schleswig-Holsteins und die Landesmedienanstalt aufgefordert, die Werbeverbote für Online-Casinos endlich durchzusetzen. Der NDR hatte berichtet, dass ihm mehrere Schreiben vorliegen. In den heißt es unter anderem:

Werbeaktivitäten der schleswig-holsteinischen Erlaubnisnehmer haben (…) im Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg zu unterbleiben

Die Glücksspielaufsichtsbehörde Schleswig-Holsteins solle laut Ansicht Hamburgs dem "Territorialprinzip hinreichend Rechnung tragen". Es könne nicht sein, dass durch die Gesetze Schleswig-Holsteins eine klare Gesetzeslage in Hamburg untergraben wird.

Das Innenministerium in Schleswig-Holstein hat angegeben, dass man die Briefe "mit Verwunderung zur Kenntnis" genommen hat. Man hatte in einer Antwort argumentiert, dass man Gesetze und Maßnahmen erlassen hat, um andere Bundesländer zu schützen. Diese werden auch umgesetzt. Dennoch möchte die Medienanstalt Hamburg mit anderen Bundesländern noch einmal diskutieren, inwiefern man gegen offensichtliche Verstöße direkt medienrechtlich eingreifen kann.

Hohe Ausgaben von eher wenigen Marken

In der Auswertung ist ebenfalls aufgefallen, dass die stärksten 5 Marken der Branche ungefähr die Hälfte des gesamten Werbevolumens ausgemacht haben. Im Vergleich zum Vorjahr hätten Marken wie Unibet und Wunderino die höchsten Ausgabenzuwächse im Bereich Werbung erreicht. Außerdem strömte die neue Bildungschancen-Lotterie auf den Markt, die ebenfalls ein großes Werbebudget aufwies.

Sicherlich ist es nicht verwunderlich, dass die Ausgaben im Bereich Werbung gestiegen sind, immerhin ist die Branche der privaten Glücksspielanbieter auch hart umkämpft. Dennoch rechnet man sicher nicht mit einem Betrag von insgesamt 400 Millionen Euro, selbst wenn man die Sportwetten-Werbeverträge der Glücksspielanbieter im Kopf hat.

Anfang des Jahres gab es zwar viele Diskussionen um die Online Casino Werbung und auch um Sportwettenanbieter, welche Dachwerbung bei Sportevents machen und dennoch Casinospiele auf ihren Seiten anbieten. Dieser Sturm hat sich aber gelegt. Online Casinos machen wieder Werbung im TV, diesmal mit großem Hinweis, dass auf den .de-Domains nur Spieler aus Schleswig-Holstein erlaubt sind.

In Deutschland bedarf es endlich einer vernünftigen Regulierung, damit der Werbung in Sachen Glücksspiel bei Sportereignissen wie der Formel 1, Boxen oder auch dem Fußball endlich Einhalt geboten werden kann. Nur mit klaren Regeln wird sich an der Fülle der TV-Spots endlich etwas ändern – vielleicht sollte man auch das Werben für „kostenlose Spielen“-Seiten unterbinden.

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