In Gera steht ein 39-jähriger Mann aus der Umgebung von Eisenach vor Gericht. Er soll 2015 einen Überfall auf eine Spielothek, in der er arbeitete, vorgetäuscht haben. 71.677 Euro wurden dabei unterschlagen.

Es ist bekannt, dass Spielhallen immer wieder Opfer von Überfällen werden können. Da große Mengen von Bargeld in den Spielotheken den Besitzer wechseln, wittern einige Verbrecher bei Diebstählen das große Geld. Das Spielhallenmitarbeiter dabei beteiligt sind, ist aber eher die Ausnahme.

Der 39-jährige Mann soll kurz vor Weihnachten 2015 ganz normal die 36 Spielautomaten einer Spielhalle in der Umgebung von Gera entleert haben. Dann erfolgte wohl ein Überfall und das Geld wurde gestohlen. Zumindest war das damals die grobe Erklärung des Mannes. Die Polizei hat jedoch in den Untersuchungen, verschiedene Versionen des Mannes zu hören bekommen und zweifelt an den Erzählungen des 39-jährigen Mitarbeiters der Spielhalle. Aus dem Grund muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Was wird dem Angestellten vorgeworfen?

Er soll am Anfang seiner Schicht auf das Dach des Dienstwagens gestiegen sein, um die Überwachungskameras für den Hintereingang zu verstellen. Dann habe er wohl die 36 Spielautomaten entleert, wie es seine Aufgabe war. Am Nachmittag des Tages brachte er das Geld in einer Stapelkiste nach draußen. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er es dort einem unbekannten Komplizen übergeben haben. In der Folge hatte er einen Raub vorgetäuscht, eine Mitarbeiterin in der Spielhalle verständigte durch ihn Polizei und Rettungsdienst.

Angeklagter widerspricht allen Vorwürfen

Der Angeklagte habe kein Geld unterschlagen. Er wäre von Pfefferspray im Gesicht getroffen. Er gab an, dass er ungern auf Leitern steht und deswegen die Kameras nicht verdreht haben kann. Er bezweifelt außerdem, dass er vom Dach seines PKWs an die Kameras herangekommen wäre. Der Vorsitzende Richter Siegfried Christ fragte daraufhin, warum die Polizei Dellen auf dem Dach des Dienstwagens gefunden habe. Seine Antwort war:

Am Morgen musste ich bei mir daheim einen Ast aus der Dachrinne holen und bin über die Motorhaube aufs Dach gestiegen.

Bei der Polizei hatte der Angeklagte ausgesagt, dass ein Ast auf das Dach seines Wagens gefallen ist. Er wäre hinaufgestiegen, um die Schäden zu sichten. Er hätte nicht gedacht, dass seine 80 Kilogramm am Wagen Schäden verursachen würden.

Angeklagte gibt immer wieder verschiedene Versionen des Tages an

Im Prozess habe er immer wieder verschiedene Versionen des Tagesablaufs und Überfalls erzählt. Zuerst hat er morgens Unbekannte am Hintereingang beobachtet und mit ihnen gesprochen. Bei der Polizei hatte er nichts von dem Vorfall erwähnt. Den Überfall selbst gab es auch in mehreren Versionen. Der 39-jährige Mann begründete recht schlicht:

Ist ja auch schon vier Jahre her.

Die Spielhallenangestellte, die an dem Tag vor Ort war, berichtete ebenfalls von Unregelmäßigkeiten und verschiedenen Versionen des Angeklagten. Trotzdem blieb der Mann bei seinen Aussagen und bestritt die Beteiligung an einem Diebstahl oder die Unterschlagung des Geldes:

Ich habe noch immer keinen Porsche vor der Tür stehen, schön wäre es.

Gründe für die Tat

Der Mann ist IT-Systemelektroniker, alleinerziehender Vater und wegen Diebstahls vorbestraft. Im Jahr 2015 befand er sich in einem Insolvenzverfahren. Er hatte eine Ich-AG als IT-Berater. Mit der Firma ging er Pleite. Das Insolvenzverfahren ist inzwischen beendet, aber das Geld könnte für ihn damals wohl hilfreich gewesen sein.

Der Mann wurde inzwischen von dem Betreiber der Spielhallen-Kette gekündigt. Gegen die Kündigung hatte der Angeklagte selbst geklagt, er beteuert auch dort, dass er kein Geld unterschlagen hat.

Prozess geht in die nächste Runde

Derzeit belasten den Angeklagten lediglich Indizien. Ein Geständnis gibt es nicht, der Mann besteht auf seine Unschuld. Am 19. September wird der Prozess fortgesetzt. Das Überwachungsvideo der Kamera wird dann vor Gericht ausgewertet. Sobald es neue Informationen oder eine Verurteilung gibt, werde ich darüber berichten.

Man weiß nichts über den angeblichen Komplizen oder den Verbleib des Geldes. Zumindest die recht hohe 5-stellige Summe spricht dafür, dass die Täter genau wussten, wann genügend Geld in der Spielhalle geraubt werden kann. In anderen Fällen wurden bisher nur kleine 4-stellige Beträge gestohlen. Es handelt sich hier also um einen größeren und interessanteren Coup – der hoffentlich auch endlich nach 4 Jahren aufgeklärt wird.

Bildquelle: Foto Amtsgericht Gera, Michael Sander [CC BY-SA 3.0]

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