Durch die Diskussionen um die App Coin Master, gerät das Glücksspiel unter Jugendlichen immer mehr in den Fokus der Beobachtungen. Auf Facebook und Co. erhält man auch Werbung für Social Casinos, viele Spielsucht-Experten befürchten, dass Kinder heute deutlicher früher mit dem Thema Glücksspiel in Kontakt treten.

Coin Master SlotIn der letzten Woche hatte ich Coin Master, die Spiele App mit Slot Machine, einmal ausprobiert. Inzwischen regt sich immer größerer Widerstand gegen solche und ähnliche Social Casino Apps. Zu denen einige Menschen ebenfalls Loot-Boxen zählen, die man in diversen Spielen erwerben kann.

Zwar handelt es sich streng genommen um kein echtes Glücksspiel, da man kein Geld gewinnen kann. Dennoch nutzt man Glücksspielelemente, um eine jüngere Zielgruppe an das Glücksspiel heranzuführen. Zumindest ist das der Vorwurf einiger Experten.

Sollen Social Casinos junge Menschen zum Spielen verleiten?

Angelina Krüger ist Leiterin des Präventionsprojekts „Glücksspiel in Berlin“. Sie sieht die Gefahr in Social Casinos, dass junge Menschen besonders früh ans Spielen herangeführt werden. Für Jugendliche sei es besonders reizvoll in der Welt der erwachsenen unterwegs zu sein. Diese werden durch Social Casinos oder Apps mit Glücksspielelementen imitiert.

Weiterhin kritisierte die Expertin, dass viele Idole junger Menschen Glücksspiel bewerben. Ihren Erfahrungen nach beginnen jungen Menschen vor allem durch Sportwetten oder Online Angebote mit dem Glücksspiel. Sie kritisiert daher:

Früher mussten dann Jugendliche, wenn sie in diese Welt eintauchen wollten, erst mal das Haus verlassen. Sie mussten eventuell die Eltern um Geld fragen, sie mussten auch noch einen passenden Ausweis parat haben, in dem hoffentlich die Volljährigkeit stand.

Durch das Smartphone und falsche Alterseingaben würde man schneller zu dem Glücksspiel Zugang haben. Für sie steht fest, dass durch die neuen Medien die soziale Kontrolle wegfällt. Jugendliche können alleine auf den Smartphone spielen, die Kontrolle durch Eltern oder Freunde entfällt.

Sollen Glücksspiel-Apps oder Social Casino Spiele verboten werden?

Die Expertin wiederspricht dem Komplettverbot. Ohnehin ist sie nicht der Meinung, dass man Spiele einfach in ungefährlichen Spaß und süchtig machendes Glücksspiel unterteilen kann. Ihr sei es wichtiger, dass die Spieler solcher Spiele mit ihnen umgehen können, ihr Spielverhalten demnach auch reflektiert hinterfragen.

Staatliche Kontrollen in allen Bereichen zu lasch

Die Expertin kritisiert, dass durch den Glücksspielstaatsvertrag zwar Minderjährige nicht am Glücksspiel teilnehmen können, aber die Kontrollen zu lasch sind. Das Mindestalter werden sowohl in Online Portalen sowie Offline an Geldspielgeräten oder in Wettbüros nicht ausreichend kontrolliert. 

Außerdem ist laut Glücksspielstaatsvertrag Werbung verboten, die sich an Minderjährige richtet oder zu hohe Gewinnchancen verspricht. Das Gesetz werde ebenfalls zu lasch durchgesetzt, wie man an Social Casinos, der Coin Master App oder Sportwetten sehen können. Sie kritisierte gegenüber dem MDR:

Es muss meiner Meinung nach nicht sein, dass ein Herr Schweinsteiger und ein Herr Bohlen für Glücksspiele werben, obwohl damit einhergehend Risiken zu nennen sind, die man an der Stelle verschweigt.

Bastian Schweinsteiger wurde Werbe-Ikone des Spielhallenverbandes und hat dort für Fairplay beworben. Welche Kritik seine Spots hervorgerufen haben, hatte ich bereits in einem anderen Artikel thematisiert.

Spielsucht unter Jugendlichen kein Geheimnis

Das ein großer Teil der Jugendlichen unter einer Spielsucht in Sachen Computer leidet, ist bekannt. Sechs Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren in Deutschland sollen laut aktuellen Statistiken computerspielsüchtig sein. Die WHO hatte „Gaming Disorder“ (Computerspielsucht) als Suchterkrankung jüngst im Mai 2019 anerkannt. Jugendliche mit so einer Sucht sollen sich im realen Leben kaum noch zurecht finden. Sie leben im Cyberspace von "Fortnite", "PUBG", "Call of Duty". 

Durch Social Casinos, Social Casino Apps oder auch Lootboxen werden die Welten um eine Glücksspielkomponente erweitert. Weltweit regt sich immer mehr Widerstand gegen solche Features und die damit einhergehenden Risiken.

Was unternehmen andere Länder gegen Lootboxen und Co.? 

In Deutschland hat man sich um das gesamte Thema Lootboxen und Social Casino kaum gekümmert. Es handelt sich laut Glücksspielstaatsvertrag nicht um Glücksspiel, da kein Geld gewonnen werden kann.

In den Niederlanden und Belgien wurden Lootboxen beispielsweise als Glücksspiel deklariert. In Belgien wurden dabei beispielsweise Star Wars Battlefront 2, FIFA 18, Overwatch und Counter-Strike: Global Offensive, lediglich Star Wars Battlefront 2 wurde nicht als Glücksspiel angesehen. Bei allen anderen Games müssen die Lootboxen entfernt werden, sonst würden Strafen bis 800.000 Euro folgen können. Der Justizminister von Belgien, Koen Geens, gab im April 2019 eine Stellungnahme zu dem Thema ab, wo er mit Publishern, Entwicklern und der Glücksspielkommission klären wollte, wer in einem solche Falle dafür die Verantwortung übernimmt.  

In den USA hatte die Federal Trade Commission (die Bundeshandelskommission der USA) zu dem Thema einen umfangreichen Workshop abgehalten. Dort wurde das Verhalten der Verbraucher in Bezug auf die Lootboxen ebenfalls untersucht.

In der Folge hatte die Entertainment Software Association eine Stellungnahme veröffentlicht. Die Unternehmen Sony, Microsoft und Nintendo werden zukünftig von den Publishern verlangen, dass die Gewinnchancen von kostenpflichtigen Lootboxen angegeben werden müssen. So soll einfach erkenntlich sein, wie hoch die Chance ist, einen speziellen Gegenstand zu erhalten. Einige Hersteller sind bereits dabei die Gewinnchancen der Inhalte von Lootboxen offenzulegen. Darunter finden sich unter anderem: Bandai Namco, Bungie, Activision Blizzard, Bethesda, EA, Epic, Microsoft sowie Nintendo, Sony, Take-Two Interactive und Ubisoft.

Am Ende wird das Thema der Glücksspielelemente in Videospielen noch lange für Diskussionen sorgen. Es bleibt zu hoffen, dass es irgendwann endlich vernünftige Lösungen und Regulierungsansätze gibt.

Bildquelle: AdobeStock 75825359,Dad don't allow using his laptop, ©Photographee.eu 

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