Das australische Glücksspielunternehmen Tabcorp Holdings präsentierte Ende Februar auf der THINK Conference 2019 in New York eine intelligente Software zur Erkennung problematischen Spielverhaltens und krimineller Aktivität von Spielern. Die Software trägt den Namen IBM i2 Analyst’s Notebook.

Tabcorp hat derzeit 3 große Geschäftsfelder: Sportwetten, Berichterstattung über die Medien mit TAB und Sky, sowie Glücksspiele wie Keno oder Lotto. John Graham der Sicherheitsmanager von Tabcorp stellte das neue Produkt auf der Messe in den USA vor und beschrieb, was bisher die Probleme bei der Erkennung von problematischen Spielern sowie kriminellen Aktivitäten derselben war.

Tabcorp gehört zu den größten australischen Glückspielunternehmen. Das Unternehmen entstand 1994 durch die Privatisierung von Victorian Totalisator Agency Board. Derzeit hat man 9.000 verschieden Glücksspielwebseiten online. 2.900 Wettbüros hat man in den australischen Bundesländern Victoria und New South Wales. Außerdem bietet man rund 3.600 Spielstätten für Keno. Traurige Berühmtheit erreichte Tabcorp mit dem „Pie-Gate“-Skandal, der zeigte, dass man manchmal die Grenzen von Sportwetten stark überschreitet.

Die Schwierigkeiten bei der Erkennung von Problemspielern

Tabcorp hat die Software in Zusammenarbeit mit dem IT-Unternehmen IBM entwickelt und bei der THINK Conference 2019 vorgestellt.

Graham führte aus, dass ein großes Problem bei der Nutzung der Datensätze die Unterschiede bei der Speicherung waren. Tabcorp betreibt verschiedene Glücksspielplattformen, die allesamt halbwegs eigenständig agieren können. Erstes Problem waren die unterschiedliche Formate. In seinem Vortrag hieß es deshalb:

Wir hatten drei Abteilungen, die alle ihre eigenen alten Systeme nutzten. Die Datensätze sind uneinheitlich und die Daten werden in unterschiedlichen Formaten gespeichert.

Ferner gab es Kundendatensätze, die außerhalb des Unternehmens gespeichert wurden. Die neue Software schafft zunächst eine Vereinheitlichung der Datensätze, sodass ein Gesamtbild des einzelnen Kunden über die verschiedenen Plattformen hinweg entstehen kann. In 18 Monaten hat man die Software entwickelt und möchte nun bessere Ergebnisse in Sachen Spielerschutz erreichen.

Untersuchungen waren in der Vergangenheit ineffizient

Tabcorp hatte solche Systeme bereits vor der neuen Software, aber sie waren nicht sehr leistungsfähig. Teilweise wurden die Daten als normale Exceltabellen gespeichert, was die Suche und den Abgleich dann erschwerte. Die Untersuchung eines Kreditkartenbetrugs kann so intern bis zu 3 Monate in Anspruch genommen haben. Die Strafverfolgung im Anschluss ist hier nicht mit eingerechnet.

Über die neue Software sollen die Aktivitäten der Webseite und der Buchmacher vor Ort besser miteinander verknüpft werden. So können systematische Risiken besser erkannt werden, als es bei der herkömmlichen Methode der Fall war.

Schnelligkeit ein großer Vorteil

Der Chef der Sicherheit von Tabcorp unterstrich, dass die Schnelligkeit bei der Überprüfung von Personen ein großer Vorteil der Software sei. In seinem Vortrag hieß es:

Wir haben die Daten [des Falls der normal 3 Monate Untersuchungszeit hatte] in das Tool geworfen und in weniger als 30 Minuten haben wir das gleiche Ergebnis erhalten. Außerdem konnten wir auch Personen identifizieren, von denen wir bislang gar nichts wussten.

Das Tool solle ebenfalls geringfügige Variationen bei Namen ausfindig machen. Wenn verschiedene Spieler unterschiedliche Plattformen zum Spielen nutzen, sollen sie schneller ausfindig gemacht werden. So sollte man Verhaltensweise analysieren können, die dann Aufschlüsse über ein problematisches Spielverhalten geben können.

Man verbindet ebenfalls das neue Tool mit der australischen Software SNAPD (Social Network Analytics by Point Duty). Diese Software kann die sozialen Medien auf veröffentlichte Informationen untersuchen. Es soll ebenfalls dazu beitragen, eine konkrete Risikobewertung des Spielers vorzunehmen. Das Vorgehen wird im Vortrag wie folgt gerechtfertigt:

Manchmal sind Menschen über ihre Profile in den sozialen Medien mit Gangs verbunden, sodass man versteht, wo Verbindungen liegen könnten und welche Risiken von den Organisationen ausgehen könnten.

Minimierung des Risikos steht beim Online Glücksspiel im Fokus

Es gebe aber weitere Herausforderungen für das Unternehmen. Bei einigen Portalen sei es möglich, dass Wetten um Echtgeld ohne Registrierung abgeschlossen werden. In diesem Bereich müssten die Systeme und Vorgehensweisen noch optimiert werden. Hier müssen man erst einmal die Kunden und die damit verbundenen Risiken besser verstehen. In dem Vortrag sagte Graham:

Wir haben Kunden, die effektiv anonym wetten können, weil sie dies mit Bargeld erledigen können. Eine der großen Veränderungen für uns ist es, zu versuchen, wie wir unsere Methoden verbessern können, um diese Kunden und die Risiken zu verstehen, die sie uns bieten könnten.

Das Problem ist, dass bei Wetten ohne Registrierung nicht nur Gefahr in Bezug auf die Nichterkennung von problematischen Spielverhalten besteht, sondern auch kriminelles Verhalten durch illegale Absprachen, Geldwäsche oder andere Betrugsarten möglich ist.

So könne ein nicht registrierter Spieler eine Reihe von Wetten mit niedrigen Quoten platzieren und bekommt die Gewinne ausgezahlt. Durch die Ausstellung der Quittung für den Gewinn ist das Geld legitim gewonnen und somit gewaschen.

Für dieses Problem hat das Unternehmen Tabcorp nun ein eigenes Team gebildet, was für die Minimierung der Risiken zuständig sei. Es ist wohl eine große Herausforderung, da die Personen hinter den eigentlichen Aktivitäten und die Verbindungen zwischen ihnen, nur schwer ausgemacht werden können.

Das australische Unternehmen ist in jedem australischen Bundesstaat aktiv. Man steht vor dem Problem, dass man Bezüge zwischen auffälligen Begebenheiten über mehrere 100 Kilometer feststellen müsste – die Feststellung von Absprachen der Spieler untereinander ist hier eines der größten Probleme.

Spielerschutz für staatliche Behörden wichtig

Spielerschutz und Schutz vor Geldwäsche sind auch in Australien große Themen. Tabcorp möchte mit der Software zeigen, dass man den Zielen der Glücksspiellizenzen nachkommt. Graham sagte dazu:

Wir müssen unseren Regulierungsbehörden zeigen können, dass wir unsere Compliance-Verpflichtungen ernst nehmen, denn ohne unsere Lizenzen haben wir kein Geschäft.

Das Unternehmen ist mittlerweile der Ansicht, dass man Kunden mit hohem Risiko auf einem sehr hohen Niveau verfolgen kann. Es sei wichtig den australischen Regulierungsbehörden das vor Augen zu führen. Man arbeitet derzeit an einer neuen Version, die intensivere Echtzeit- und ständige Überwachung ermöglichen soll. Dabei werden wohl kommende Versionen für unterschiedliche Benutzergruppen zugeschnitten sein. Auf der einen Seite Ermittler und Analytiker, die tiefere Einblicke in Zusammenhänge haben wollen. Auf der anderen Seite Nutzer, die einfach die Datenbank durchsuchen wollen.

Sicherlich ist Spielerschutz und die Geldwäscheprävention immer ein großes Thema. Solange die Daten gut verwahrt und nur den zuständigen Mitarbeitern zugänglich sind, mag es auch keine Probleme geben. Aber was geschieht bei Daten-Leaks, hier ist die Verbindung mit social Media Posts besonders kritisch. Es zeigt einmal mehr, dass der Datenschutz zumindest in australischen Casinos eher eine untergeordnete Rolle spielt. Hauptsächlich wird das Tool erst einmal in Australien getestet, für das Glücksspiel in Europa hat es noch keine große Bewandtnis.

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