Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt hat eine neue Spielbank erhalten. Nach 5 Jahren Pause hat die Gauselmann-Gruppe als Betreiber das neue Casino dort Ende Februar 2019 offiziell eröffnet. Zur Eröffnung kam der Automaten-König selbst vorbei und hielt eine Rede.

Am 17. Dezember 2018 hatte die Spielbank Halle die Tore mit einem Soft Opening geöffnet. Es wurde sofort nach der Freigabe der entsprechenden Ministerien geöffnet. Am 23. Februar 2019 um 15 Uhr folgte die offizielle Eröffnungsfeier. Am Samstag hatte man ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm und bot Stargäste wie Oli.P und Marc Terenzi.

Die Spielbanken in Sachsen-Anhalt gehörten eigentlich dem Land, waren aber nicht mehr rentabel. Sie wurden daraufhin 2010 an einen privaten Investor verkauft, der jedoch in eine finanzielle Schieflage geriet. Die Spielbanken in Magdeburg, Halle und Wernigerode mussten im Mai 2011 geschlossen werden. 2013 wurden neue Konzessionen an de Gauselmann-Gruppe vergeben. Man nahm daraufhin im Dezember 2014 in Magdeburg und Leuna-Güthersdorf den Spielbetrieb auf.

Die Spielbank wird von der Merkur Spielbank Sachsen-Anhalt GmbH & Co. KG und der schweizerischen Stadtcasino Baden AG betrieben. Bei ersterem Unternehmen handelt es sich um ein Tochterunternehmen der Gauselmann-Gruppe aus Espelkamp. Die Spielbank hatte bereits Mitte Dezember ohne größeres Aufsehen geöffnet. Das sogenannte Soft Opening habe man gewählt, damit sich die neuen Mitarbeiter langsam einarbeiten konnten. Der riesen Ansturm sollte nicht sofort auf sie zukommen.

Erst jetzt beginnt die eigentliche Werbekampagne, um die neue Spielbank in Halle in der Franckestraße 1 publik zu machen.

Was bietet die neue Spielbank in Halle?

Die Highlights des Spielangebots der Spielbank in HalleDas neue Casino umfasst 800 Quadratmeter an Gesamtfläche, von denen 340 Quadratmeter für den Spielbetrieb vorgesehen sind. Auf der Spielfläche bietet man 84 Spielautomaten der neuesten Generation. Es handelt sich um ein reines Automaten-Casino. Klassische Spielautomaten, Bingo und Videopoker sind vorhanden. Außerdem bietet man Jackpot-Systeme von Merkur. Im Mystery Jackpot kann man Autos, Geldgewinne oder weitere Preise bekommen. Insgesamt wurden 4,5 Millionen Euro in den neuen Standort investiert.

Ansonsten bietet man Multi-Roulette Tische, sodass man zumindest das automatische Kesselspiel genießen kann. Ein paar Blackjack-Automaten hat man ebenfalls. Es gibt keine Tische mit Croupiers für Roulette, Blackjack oder Poker.

Geöffnet ist die neue Spielbank von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 4 Uhr. Am Freitag und Samstag hat man von 10 bis 4 Uhr geöffnet. Einen kleinen Bar- und Gastronomie-Bereich bietet man in Halle ebenfalls. Ansonsten ist der Eintritt frei und es gibt auch keine besonderen Kleiderregeln – Smart Casual ist also ausreichend.

In den vergangenen 10 Jahren hat die Gauselmann-Gruppe laut eigenen Angaben 10 Spielbanken eröffnet, darunter 4 in Berlin, 3 in Rheinland-Pfalz und 3 in Sachsen-Anhalt. Neben Halle gibt es noch Güthersdorf und Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Im Gegensatz zu Halle gibt es in den anderen beiden Standorten in Sachsen-Anhalt Poker und Blackjack mit echten Croupiers. Die Tische werden in der Regel ab 19 Uhr geöffnet.

Eröffnungsreden waren recht ungewöhnlich

Paul Gauselmann war vor Ort und hielt auch eine Rede zur Eröffnung. Sein Unternehmen ist heute international aktiv, hat einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro pro Jahr und einen Marktanteil von 40% in Deutschland. So zumindest beschrieb es der 84-Jährige in seiner Rede.

Am Ende redete Gauselmann jedoch mehr über das Glücksspiel an sich, als über die neue Spielbank in Halle, die er nur sehr kurz vorstellte.

Oberbürgermeister zeigte versteckte Kritik

Auslöser für diese Wendung könnte das Grußwort des Oberbürgermeisters von Halle gewesen sein. Bernd Wiegand (parteilos) durfte mit seiner Rede beginnen. Insgesamt freute er sich über die neue Spielbank, da es zur positiven Entwicklung der Stadt passe. In seiner Rede kommentierte er dennoch kurz:

Ich will aber auch das Thema Sucht nicht in meinem Grußwort verschweigen, das Wort Spielbank hat auch einen negativen Touch.

Um dennoch halbwegs versöhnliche Töne anklingen zu lassen, würdigte er das soziale Engagement des Gauselmann-Gruppe und bestätigte die Ambitionen beim Spielerschutz.

Gauselmann wirkte etwas aufgebracht

Eigentlich hätte der Firmengründer Gauselmann die Angelegenheit dabei bewenden lassen können. Trotzdem ging er noch einmal darauf ein und sagte in seiner Rede:

Wir lenken die Spielfreude der Menschen in geordnete Bahnen, damit sie eben nicht bei Glücksspiel auf dem Handy ihr Geld loswerden. Bei uns wird jeder Betrag über 2.000 Euro dokumentiert. Bei einer Übertreibung wird eingegriffen, die Leute brauchen nicht in die Illegalität zu gehen.

Es wird ihm von einigen Kritikern vorgeworfen, dass er im weiteren Verlauf der Rede die Auswirkungen von Spielsucht zunehmend verharmlost hat, was aber eigentlich nichts Neues darstellt. Es bleibt abzuwarten, ob Mitarbeiter wirklich bei übertriebenem Spielverhalten eingreifen. In den Berliner Spielbanken, die ebenfalls zum Teil von der Gauselmann-Gruppe betrieben werden, habe ich noch nie gesehen, dass ein Spieler vom Spielen abgehalten wurde. Eine Ausnahme wurde gemacht, wenn die Mitarbeiter den Laden schließen wollten.

Ausblick auf die Besucherzahlen

Die Spielbank in Halle befindet sich an dem Ort in der Innenstadt, wo auch vor 5 Jahren die Spielbank war. Sie ist in unmittelbarer Nähre des Leipziger Turms. Es werden in Halle wenigstens 60.000 Gäste jährlich erwartet. Für den Spielbetrieb sind erst einmal 20 Mitarbeiter vorgesehen.

Das Bundesland erhält durch die Spielbankabgabe ordentliche Einnahmen aus den Glücksspiel. 2018 waren es mit nur 2 Standorten rund 2,5 Millionen Euro an Spielbankabgaben gewesen. Einen Teil davon haben auch die beiden Gemeinden bekommen, in denen die Spielbanken stehen – es sollen immerhin 324.000 Euro gewesen sein. Insgesamt zeigte der Automaten-König für Sachsen-Anhalt ein recht positives Bild:

Wir sind sehr dankbar, dass wir damals den Zuschlag für den Betrieb von Spielbanken in Sachsen-Anhalt erhalten haben. Wir sind uns ganz sicher, dass wir uns auch in Halle – genauso wie in Leuna-Günthersdorf und Magdeburg – so präsentieren, dass die Menschen, die zu uns kommen, Freude haben werden. [...] Innerhalb von vier Jahren haben wir die Besucherzahlen ebenso wie die Verweildauer jeweils mehr als verdoppelt.

Gauselmann hat weitere Pläne für Sachsen-Anhalt

Es wird nicht die letzte neue Spielbank in Sachsen-Anhalt gewesen sein. Man hat nur zwei Lizenzen für das große Spiel (Roulette, Blackjack oder Poker) erhalten, die in Magdeburg und Leuna-Güthersdorf genutzt werden. Aber das Unternehmen hat neben Halle noch drei weitere Konzessionen für Automaten-Casinos in dem Bundesland – es wird folglich demnächst noch mehr Möglichkeiten zum Spielen in Sachsen-Anhalt geben. Es bleibt abzuwarten, ob das Bundesland so viele Spielbanken wirklich benötigt.

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