Wer regelmäßig Glücksspiel betreibt, der trifft andere Entscheidungen als jemand, der mit Glücksspiel nichts am Hut hat. Zu dieser Erkenntnis sind die Forscher der Universität zu Köln in einer aktuellen Studie gekommen. Nicht-Glücksspieler sind demnach offener für neue Strategien, während geübte Glücksspieler sich eher an vergangenen Erfolgen orientieren. Welche weiteren interessanten Erkenntnisse die Studie liefert, erklären wir im folgenden Artikel.

Untersucht wurde in der Studie der Universität zu Köln das Belohnungslernen bei regelmäßigen Glücksspielern. Insgesamt haben an der Studie 46 Männer teilgenommen, von denen die Hälfte regelmäßig am Glücksspiel teilnimmt. Die andere Hälfte der Teilnehmer hatte mit dem Thema Glücksspiel noch kaum Berührungspunkte. Veröffentlicht wurde die interessante Studie bereits im März diesen Jahres in der Fachzeitschrift Journal of Neuroscience. Der Titel lautete: „Abgeschwächte zielgerichtete Erkundung während des Belohnungslernens bei Spielsüchtigen“.

Glücksspieler verlassen sich auf bewährte Handlungsoptionen

Die wohl wichtigste Erkenntnis der Kölner Studie ist, dass sich Glücksspieler bei ihrem Streben nach maximaler Belohnung auf bewährte Handlungsoptionen verlassen. Im Umkehrschluss neigen sie dazu, neue Strategien zu vermeiden und immer so zu handeln, wie sie es bereits in der Vergangenheit getan haben. Die Forscher der Universität zu Köln stellen dabei die These auf, dass der Neurotransmitter Dopamin im Gehirn für dieses Verhalten verantwortlich sein könne. Der Leiter der Studie, Prof. Dr. Jan Peters, hält die Glücksspielstörung aus wissenschaftlicher Sicht für äußerst interessant:

„Die Glücksspielstörung ist unter anderem deshalb von großem wissenschaftlichen Interesse, da hier eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt, die nicht mit einer bestimmten Substanz verbunden ist.“

Inhaltlich ging es in der Studie darum, dass die Studienteilnehmer sich entscheiden müssen, ob sie eher bereits erprobte und bekannte Optionen auswählen oder ob sie auch für neue Wege und Strategien offen sind. Das Ziel bestand jeweils darin, im Spiel möglichst viel zu gewinnen. Genauer gesagt mussten sich die ausschließlich männlichen Teilnehmer mehrmals bei der sogenannten „four-armed bandit task“ für eine von vier Auswahlmöglichkeiten entscheiden. Die möglichen Gewinne haben sich dabei jeweils verändert und zur Auswahl standen immer vier farbige Vierecke.

Der Studienteilnehmer hatte die freie Wahl, welche Strategie er anwendet. So konnte er sich nach eigenem Ermessen entweder für die Option entscheiden, bei der ein Gewinn am wahrscheinlichsten ist, oder für die Option, bei der der Gewinn am unwahrscheinlichsten ist. Bei der unsicheren Auswahloption ist der Informationsgewinn für den Teilnehmer jeweils am höchsten gewesen (= zielgerichtete Exploration). In jedem Fall wurden dabei die Gehirnaktivitäten der Studienteilnehmer aufgezeichnet.

Für die Wissenschaft ist das Thema Glücksspielsucht schon immer besonders interessant gewesen. Das liegt daran, dass es sich bei der Glücksspielstörung um eine Abhängigkeitserkrankung handelt, die nicht mit einer bestimmten Substanz verbunden ist.

Auffällig bei der Studie war, dass ein Großteil der „Spieler“ sich auf vergangene Erfolge sowie auf bewährte Handlungsoptionen verlassen hat. Die Gruppe der „Glücksspieler“ war damit weniger offen für die eben beschriebene zielgerichtete Exploration und wählte häufiger den wahrscheinlicheren Ausgang. Das bedeutet auch, dass sich die „Glücksspieler“ weniger der veränderten Umgebung anpassen. Schon vor einiger Zeit berichteten wir davon, dass im US-Bundesstaat Maryland über die Einführung eines Unterrichtsfaches „Gefahren des Glücksspiels“ diskutiert wurde. Auch die Forscher der Universität zu Köln wiesen darauf hin, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung von einer Glücksspielstörung betroffen ist.

Die Kontrollgruppe der „Nicht-Spieler“ sei im Gegensatz dazu offener für neue und potenziell bessere Strategien gewesen. Die Anpassungsfähigkeit und die zielgerichtete Exploration fielen deutlich besser aus. Schon vor mehreren Monaten berichteten wir von einer Studie, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass sich Affen ähnlich wie Menschen vom Glücksspiel angezogen fühlen.

Die Universität zu Köln wurde bereits im Jahr 1388 gegründet und hatte zuletzt im Wintersemester 2019/20 etwas mehr als 51.500 Studierende. Unter anderem kann an der Universität zu Köln in sechs Semestern Psychologie studiert werden. Auch die hier vorgestellte Studie wurde in der Fakultät der Psychologie von Prof. Dr. Jan Peters geleitet.

Fazit

Die aktuelle Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass „Nicht-Spieler“ grundsätzlich offener für neue und potenziell bessere Strategien sind. Erfahrene „Glücksspieler“ hingegen entscheiden sich auffällig häufig für bewährte Handlungsoptionen und verlassen sich damit auf vergangene Erfolge. Die Risikobereitschaft der „Glücksspieler“ ist damit häufig geringer. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die Studie der Universität zu Köln lediglich 46 Studienteilnehmer einbezogen hat. Deshalb wiesen auch die Autoren der Studie im Schlusssatz darauf hin, dass weitere Forschung klären muss, ob „die beobachteten Veränderungen im Entscheidungsverhalten bei Glücksspielern ein Risikofaktor für oder aber eine Konsequenz von regelmäßigem Glücksspiel sind“.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/schach-schachfigur-könig-spiel-1483735/

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