Eine schottische Pflegekraft muss 4 Monate lang eine Fußfessel tragen. Sie hatte eine Bankkarte einer Patienten ohne deren Wissen für das Online-Glücksspiel missbraucht. Ein Gericht im schottischen Dunfermline hatte die Strafe angeordnet, nachdem die Pflegerin eingestanden hatte, dass sie rund 6.000 Euro verspielt hat.

Bereits Ende Oktober 2019 hatte der Gerichtsprozess im schottischen Dunfermline Sheriff Court begonnen. Eine 54-jährige Pflegekraft stand vor Gericht, weil sie die Bankkarte einer Patientin benutzt hatte, um ihre eigenen Glücksspieleinsätze zu finanzieren.

Das Opfer hatte vor 12 Jahren einen Schlaganfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Sie braucht täglich Hilfe und hatte dafür die Pflegerin angestellt.

Wie hat die Pflegerin ihre Patientin um Geld fürs Glücksspiel betrogen?

Die 54-jährige Joan M. aus Rosyth (eine Ortschaft an der Ostküste, rund 19 Kilometer nordwestlich von Edinburgh) hatte inzwischen gestanden, dass sie zwischen dem 24. April 2019 und 5. Mai 2019 Betreuerin einer Frau war, die für sich selber nicht mehr sorgen konnte. Sie hatte eine Debitkarte der Frau genutzt, um bei verschiedenen Online Casinos Geld einzuzahlen.

Der Gebrauch der Bankkarte war aber nicht die einzige Verfehlung der Pflegerin. Zusätzlich hatte sie gestanden, dass sie zwischen dem 13. März 2019 und dem 13. Mai 2019 den Schmuck der Frau gestohlen hätte.

Die Patientin hatte im Mai 2019 schließlich das Fehlen des Schmucks festgestellt und es der Polizei gemeldet. Außerdem hatte sie bei Überprüfungen des Kontos Mitte Mai 2019 ebenfalls Unregelmäßigkeiten festgestellt. Anstelle von 4.000 Pfund (etwa 4.690 Euro), hatte sie noch genau 3 Pfund (3,50 Euro) auf dem Konto. Zuvor hatte sie der Angeklagten für Besorgungen die Karte und ihren Pin-Code gegeben. Bei den Vernehmungen gestand Joan M. dann relativ schnell die Taten.

Wofür hat die Pflegerin das Geld verwendet?

Laut Polizeibericht ist die Pflegerin bei den Vernehmungen regelrecht zusammengebrochen. Sie hatte die Taten sehr schnell gestanden und ebenfalls erläutert, dass sie das Geld verwendet hatte, um am Online-Glücksspiel teilzunehmen. Darunter waren viele bekannte Marken wie 32 Red, BetVictor, Betway, Ladbrokes, Jackpot Joy, Pink Casino und Gala Interactive. Sie gab bei den Glücksspielanbietern an, dass sie Inhaberin der Karte gewesen sei.

Über die Kreditkarten habe sie etwa 4.000 Pfund abgehoben. Durch den gesamten Betrug (mit dem Stehlen des Schmucks) hatte sie insgesamt aber etwa 5.180 Pfund (circa 6.073 Euro) erbeuten können. Sie gab an, die sie unter ihrer Spielsucht leidet und diese ihr ganzes Leben zerstört habe.

Insgesamt eher mildes Urteil

Der Fall wurde vor einem Sheriff Court verhandelt. Das sind lokale schottische Zivil- und Strafgerichte. Es werden dort Zivilprozesse bis zu einem Streitwert von 100.000 britischen Pfund verhandelt. Strafanklagen können dort ebenfalls verhandelt werden, wobei Mord, Vergewaltigung und Landesverrat ausgenommen sind.

Die Pflegerin hatte eine 4-monatige Bewährungsstrafe erhalten, für die sie eine elektronische Fußfessel tragen muss. Das Geld, das sie entwendet hat, muss in der Höhe von 4.000 Pfund erstattet werden. Der Vorsitzende Richter, Sheriff Brown, akzeptierte dabei die schwierige Situation der Täterin zum Tatzeitpunkt. Trotzdem reicht ihm die Situation nicht komplett als Entschuldigung. In der Begründung des Urteils hieß es:

Ich erkenne an, dass Sie ein Problem hatten, aber das war ein verabscheuungswürdiges Verhalten. […] Dies war ein sehr schwerwiegender Vertrauensbruch in Bezug auf eine schutzbedürftige Person, die Ihnen vertraut hat.

Die erste Verhandlung zu dem vorliegenden Fall gab es bereits am 13. November 2019. Der Sheriff Macdonald wollte damals eine Haftstrafe nicht ausschließen. Für ihn war der Vertrauensbruch zwischen Pflegerin und Patientin einfach zu groß. Allerdings vertagte damals der Richter das Urteil. Er wollte dabei der Täterin noch die Chance geben, ihren Fehler gutzumachen und das Geld zurückzuzahlen.

Durch die Entscheidung zur Verschiebung der Verhandlung erkannte der Richter die schwierige Situation der Täterin an. In seiner Begründung betonte er, wie schwer ihm das Aussprechen einer gerechten Strafe fällt. Die familiäre Situation der Täterin sei erdrückend. Sie habe einen Sohn, für den ihre Anwesenheit wichtig sei. Trotzdem müsse sie sich für die sehr ernste Tat verantworten. Das ist jetzt Anfang Januar 2020 auch geschehen.

Die 54-jährige Pflegerin hatte vor Gericht ebenfalls angegeben, dass sie inzwischen das Geld zurückzahlen kann. Die Rückzahlung der 4.000 Pfund ist inzwischen erfolgt. Leider gibt es keinerlei Informationen, ob sie sich ihrer Spielsucht inzwischen gestellt und eine Therapie begonnen hat.

Bildquelle: AdobeStock 291649954; Elderly female hand holding hand of young caregiver at nursing home.Geriatric doctor or geriatrician concept. Doctor physician hand on happy elderly senior patient to comfort in hospital examination ©Khunatorn

Wie gefällt dir der Artikel?