Durch Jan Böhmermann und seinen Beitrag zur Coin Master-App in seiner TV-Sendung „NEO Magazin Royale“ beschäftigt sich die Bundesprüfstelle mit der Indizierung der Coin Master App. Das Verfahren ist immer noch nicht beendet. Eine mündliche Verhandlung soll im 1. Quartal 2020 erfolgen.

Coin Master hatte ich als eine neue Form des Social-Gamblings vorgestellt. Kernstück der App ist eine Slot-Machine, welche benötigt wird, um Gewinne zu erhalten und mit den Gewinnen Aktionen durchzuführen. Durch In-App-Käufe kann man zusätzliche Drehungen an dem Slot kaufen. Vorgestellt hatte ich die Coin Master App lange bevor Böhmermann das Thema aufgegriffen hat.

Durch seine Berichterstattung wurde die Aufmerksamkeit auf die App gerichtet. Es wurden derzeit geprüft, ob die App indiziert werden muss. Coin Master würde so auf eine Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen.

Was ist das Problem mit der Coin-Master App?

Böhmermann berichtet über die Coin Master App, Bilquelle: Screenshot von YouTubeGlücksspiel ist ein wesentlicher Bestandteil der App. Es handelt sich um einen Spielautomaten, an dem man immer gewinnt, aber die Anzahl der Drehungen begrenzt ist. Die Experten nennen das System „simuliertem Glücksspiel“. Man kann zwar Geld einzahlen und spielen, erhält aber keine Auszahlung. Vor allem Kinder würden zum Glücksspiel animiert werden. Problematisch war dabei, dass Prominente wie Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Pietro Lombardi und die YouTuberin Bibi für die Coin-Master Apps im TV und auf Youtube geworben haben.

Die Diskussionen um die Frage nach dem Glücksspielcharakter solcher Apps sind nicht neu. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) berücksichtigt solche Mechanismen nicht bei der Altersfreigabe. Hier gilt das gleiche wie für Lootboxen. Das standardisierte Checklistenverfahren „International Age Rating Coalition“ (IARC) wird zur Überprüfung angewandt.

Für den Jugendschutz wäre die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zuständig. Sie können Spiele indizieren. Für indizierte Spiele greifen weitreichende Vertriebs- und Werbeverbote. Sie dürfen Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden.

Böhmermann hatte am Ende der 20-minütigen Berichterstattung mit einem Aufruf an Jugendämter, Pädagogen, Kindergärten und Schulen geendet, welche die Indizierung anstoßen könnten. Das ZDF ist nicht berechtigt eine solche Indizierung zu fordern. Die zuständige Behörde hat daraufhin bekannt gegeben, dass es eine Vielzahl an Anträgen und Anregungen zur Indizierung des Spiels gab.

Wie erfolgt eine Indizierung durch das BPjM?

Die Indizierung erfolgt in einem gerichtsähnlichen Verfahren. Es gibt ein Gremium aus 12 Personen, welches über die Coin Master App entscheiden muss. In dem Verfahren müssen die Grundrechte (beispielsweise Kunst- und Meinungsfreiheit) mit den Belangen des Jugendschutzes, welche durch die Grundrechte festgeschrieben sind, abgewogen werden.

Bei jedem Antrag handelt es sich um einen Einzelfall. Die Behörde stellte jedoch bereits vorher klar, dass man hier neues Land betrete. Es geht in dem Fall weniger um den Inhalt des Spiels, sondern um die Spielanlage und Spielmechanik. Man muss demnach über das „simulierte Glücksspiel“ entscheiden.

Wenn wenigstens zwei Drittel des Gremiums nach Anhörung der Beteiligten und geheimer Beratung für eine Indizierung entscheiden, wird die Coin Master App indiziert. Das BPjM möchte das Ergebnis der Entscheidung auf der Webseite veröffentlichen. Es ist ein eher ungewöhnlicher Vorgang, der durch das große öffentliche Interesse erklärt wird.

Wer steckt hinter Coin-Master?

Coin Master ist seit 2015 auf dem Markt. Es handelt sich um die bisher einzige App des israelischen Unternehmens Moon Active. Investoren der Firma sind der ehemalige Chef des Online Casino Betreibers 888 Holdings, Gigi Levy-Weiss und der Gründer des Wettanbieters bwin, Norbert Teufelberger. Ein Unternehmen von Evan Hoff, das normalerweise in Glücksspiel-Automaten investiert, ist ebenfalls finanziell beteiligt. Moon Active weist aber darauf hin, dass die genannten Personen lediglich 15% der Anteile besitzen.

SensorTower hat bekannt gegeben, dass Coin Master Anfang 2019 einen monatlicher Umsatz von 11 Millionen US-Dollar weltweit gemacht hat.

Wie geht das Verfahren jetzt weiter?

Die Behörde in Bonn weist daraufhin, dass man in diesem Fall die Rechte der Verfahrensbeteiligten (also Moon Active) berücksichtigen muss. Eine mündliche Verhandlung soll im 1. Quartal 2020 erfolgen. Februar oder März bleiben nur noch, ein konkretes Datum gibt es bisher nicht. 

Das Indizierungsverfahren wird von Beobachtern mit Spannung betrachtet, da sie Folgen für Nachahmerprodukte haben können. Außerdem hätte es auch eine Signalwirkung auf die Diskussion um die Lootboxen.

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