In der Nähe von Zerbst sollen sehr hohe Einsätze bei der Oddset-Sportwette den Verdacht auf Geldwäsche angeregt haben. Der Lotto-Untersuchungsausschuss des Landtages Sachsen-Anhalts beschäftigt sich mit dem Problem. Das erste Mal seien solche hohen Einsätze 2017 aufgefallen.

Innerhalb des letzten halben Jahres sind neun verschiedene Spieler beobachtet worden, die zusammen mehr als 100.000 Euro bei den Oddset-Sportwetten eingesetzt hätten. Sie seien alle um die Stadt Zerbst in Sachsen-Anhalt aktiv gewesen. Zerbst ist die flächenmäßig fünftgrößte Gemeinde im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und umfasst rund 22.000 Einwohner.

Oddset ist ein Nischenprodukt der Lottoanbieter. Es handelt sich um ein Sportwettenprodukt, bei dem man auf die Ergebnisse von Fußballspielen setzen kann. Am Freitag wurde die Abteilungsleiterin für Spielbetrieb und Prokuristin von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt befragt. Sie gaben an, dass man ähnliche Konstellationen seit 2017 erkennt. Laut eigener Aussage habe man wie folgt gehandelt:

Wir haben es ganz akribisch beobachtet und weitergeleitet.

Geldwäsche-Verdachtsfälle wurden weitergeleitet

Die Verdachtsfälle, welche man erkannt habe, wurden an die deutsche Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen gemeldet. Bisher habe man aber keine Rückmeldung von der Behörde erhalten, obwohl man wiederholt nachgefragt hat. Lotto-Toto Sachsen-Anhalt hat das Spielverhalten der neun identifizierten Spieler weiter beobachtet. Man wollte aber nicht eingreifen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Außerdem kam die Lotterie-Gesellschaft zu dem Schluss:

Es ist nicht belegt, dass es kriminelles Verhalten ist.

Man hat wohl ein detailliertes Monitoring für das Spielverhalten und die Umsätze der neun Spieler erstellt. Man kann aber nicht erklären, woher das Geld für die Einsätze bei den Oddset-Wetten kommt.

Eine Lotto-Annahmestelle besonders auffällig

Man konnte weiterhin feststellen, dass bei einer Verkaufsstelle für Lottolose die Umsatzzahlen erheblich angestiegen sind. Nach einem Inhaberwechsel sind die Einsätze beim Lotto bei einer Annahmestelle in Zerbst von ursprünglich 200 Euro auf 10.000 Euro pro Woche gestiegen. Das Limit der für Lotto-Verkäufe in Annahmestellen in Sachsen-Anhalt liegt bei 10.000 Euro. Es wurde in der Folge auf 15.000 Euro erhöht.

Der Vertriebsleiter von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt musste bereits vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Der Vertriebsleiter erklärte aber lediglich, dass die wöchentlichen Limits für die Einsätze beim Lotto bei der einen Verkaufsstelle durch einen Antrag hochgesetzt wurden.

Zur Inhaberin wurden ebenfalls Fragen an die Beteiligten gestellt. Die Abteilungsleiterin für Spielbetrieb bestätigte dabei, dass der Ehemann der Inhaberin Softwareentwickler bei einer Firma ist, die Lösungen für Sportwetten bereitstellen.

Untersuchungsausschuss kann Aufklärung nicht leisten

Der Ausschussvorsitzende ist Andreas Steppuhn von der SPD. Er ist der Meinung, dass der Untersuchungsausschuss die komplette Aufklärung nicht leisten kann. Daher hat er die Hoffnung:

Ich setze jetzt drauf, dass das Innenministerium als Aufsichtsbehörde und die Staatsanwaltschaft von sich aus aktiv werden. 

Guido Henke von der Linken sieht ein Anfangsverdacht für die weitere Strafverfolgung auf jeden Fall gegeben. Die nächste Sitzung des Untersuchungsausschusses soll im Februar stattfinden. Dort soll geklärt werden, warum die genannte Filiale in Zerbst bevorzugt wurde.

Welche Auffälligkeiten wurden beim Spielverhalten festgestellt?

Einer der Spieler soll beispielsweise 1,35 Millionen Euro im Jahr 2018 für Oddset eingesetzt haben. Dem gegenüber steht ein Gewinn von 1,53 Millionen Euro.

Die Mitteldeutsche Zeitung hatte letzte Woche zudem von einem weiteren Fall berichtet. 2017 soll in einer kurzen Zeitspanne, die bereits erwähnte Inhaberin einer Verkaufsstelle, 23 hohe Gewinne von mehr als 258.000 Euro gemacht haben. Da der Mann Softwareentwickler für Sportwettsysteme ist, steht der Verdacht auf Nutzung von Insider-Wissen im Raum. Ferner ist durch die hohen Bargeldabhebungen des Paares der Verdacht auf Geldwäsche geweckt worden. Aufgefallen ist, dass auf Sieg, Unentschieden und Niederlage zugleich gesetzt wurde, sodass es sich um ein Systemspiel gehandelt haben könnte.

Zoll und LKA München sollen bereits Untersuchungen wegen Geldwäsche aufgenommen haben. Ein Mann in Bayern habe rund 30.000 Euro von einer Sportwetten-Gruppe aus Sachsen-Anhalt Anfang 2018 erhalten. Das LKA München hat daraufhin bei der Hauptzentrale der Lotto-Gesellschaft in Magdeburg nachgefragt. Ronald Thom wurde als Betriebschef befragt, sah damals aber keine verdächtigen Entwicklungen. Bei seiner erneuten Befragung vor dem Ausschuss räumte er jedoch verschiedene Unregelmäßigkeiten, wie Aktivitäten von Großspielern ein, die er ein Jahr zuvor noch bestritten hatte.

Zur Vollständigkeit sollte erwähnt werden, dass die AfD die Einrichtung des Untersuchungsausschusses als ihren Erfolg verbucht. Für die Partei steht Maren Sieb als Geschäftsführerin der Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt in der Verantwortung. In der Vergangenheit hatte die Partei gegen sie eine Strafanzeige angestoßen.

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