In wenigen Wochen tritt der umstrittene Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) in Kraft. Die meisten Online-Spieler ärgern sich über das neue Regelwerk, da die neuen Spielbedingungen deutlich unattraktiver sind. Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) kritisiert den GlüStV ebenfalls – allerdings aus einem anderen Grund. Hier ist man der Auffassung, dass die Ausweitung des Angebotes mehr Menschen in die Spielsucht ziehen könnte.

Bislang lag der Fokus bei der Berichterstattung über den GlüStV auf den strengen Maßnahmen zum Spielerschutz. So müssen die Online Spielotheken unter anderem sicherstellen, dass jeder Spin mindestens fünf Sekunden dauert und dass die Autospin-Funktion deaktiviert ist. Zudem gilt ein anbieterübergreifendes monatliches Einzahllimit von 1.000 Euro pro Spieler. Weitestgehend unerwähnt blieben jedoch ganz andere Vorschriften, die sich im GlüStV bzw. im Hessischen Glücksspielgesetz finden.  

Lotto-Annahmestellen in der Gaststätte erlaubt

Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, dass mit dem Inkrafttreten des neuen Hessischen Glücksspielgesetzes zukünftig auch Lotto-Annahmestellen in Kneipen des Landes errichtet werden dürfen. Auch in Wettbüros, Spielhallen und Gaststätten dürfen schon bald Lotto-Tippscheine ausgefüllt werden. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem aktuellen Artikel. Das Vorhaben kritisiert die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Geschäftsführerin Susanne Schmitt äußerte sich zum Thema wie folgt:

„Es ist damit zu rechnen, dass das Suchtrisiko durch die Ausweitung des Angebots steigen wird. (…) Glücksspiel ist riskant und darf nicht verharmlost werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass es zum Lebensalltag hinzugehört“.

Neben dem klassischen Lotto „6 aus 49“ werden auch andere „Lotto-Produkte“ für Kneipen, Wettbüros und Spielhallen freigegeben. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Rubbellose, Zahlenlotterien und Sportwetten. Erst vor einigen Wochen beantworteten wir in einem Artikel die Frage, wohin das Geld der Tipper beim Lotto genau fließt.  

In der Tat scheint das Vorhaben, Lotto-Annahmestellen in Gaststätten zu erlauben, widersprüchlich zu sein. Schließlich wird in solchen Lokalitäten für gewöhnlich Alkohol ausgeschenkt. Alkohol ist dafür bekannt, zu enthemmen und Spieler erhöhen dadurch die Gefahr, die Kontrolle über ihr Spielverhalten zu verlieren. Genau aus diesem Grund ist der Ausschank von alkoholischen Getränken in Spielotheken und Wettbüros schließlich bereits seit längerer Zeit verboten. Vor wenigen Tagen berichteten wir über einen vereitelten Überfall auf eine Lotto-Annahmestelle in Bayern.

HLS kritisiert auch Regelwerk für das Online-Glücksspiel

Die HLS sorgt sich nicht nur über die Möglichkeit, dass in Kneipen schon bald Lotto-Annahmestellen entstehen könnten. Darüber hinaus geht es der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen auch um die Gefahren des Online-Glücksspiels. So wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Online-Glücksspiel rund um die Uhr verfügbar ist und dass hier die soziale Kontrolle völlig entfalle, da der Gang in die Spielhalle entfalle. Zudem fordert die HLS ein komplettes Werbeverbot für Online-Glücksspiele. Zuletzt berichteten wir in diesem Zusammenhang über die EU-Beschwerde gegen die geplante Online-Steuer.

Fazit

In Anbetracht der strengen, neuen Spielerschutzvorschriften im Internet hört es sich schon relativ kurios an, dass parallel dazu bald Lotto-Scheine in Kneipen abgegeben werden können. Und das, obwohl hier bekanntermaßen Alkohol konsumiert wird, der wiederum enthemmend wirkt. Zusätzlich sollen in Gaststätten, Wettannahmestellen und Spielotheken ab Juli auch Rubbellose gekauft werden können und es kann an Zahlenlotterien teilgenommen werden. Man darf gespannt sein, ob sich viele Wirte ab Juli tatsächlich dafür entscheiden werden, Lotto-Produkte in ihren Gasträumen anzubieten.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/pub-guiness-irland-kilkenny-kneipe-2271549/

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