In den letzten Wochen wurden gleich zwei interessante Dokumentationen über das Thema Glücksspiel veröffentlicht. Beim Streaming-Anbieter Netflix geht es im vierten Teil der Doku-Miniserie „Explained: Geld“ um das Thema Glücksspiel. Darüber hinaus wurde kürzlich die ARD-Dokumentation „Gefährliche Sportwetten“ veröffentlicht. Wir haben uns beide Dokumentationen angesehen und wollen heute darüber berichten, ob es sich lohnt, hier einzuschalten.

In den einzelnen Episoden der Doku-Miniserie „Explained: Geld“ geht es um die Themen Reichtum, Kreditkarten, Studienkredite, Altersvorsorge und Glücksspiel. Wir haben uns die vierte Episode mit dem Titel „Glücksspiel“ beim Streaming-Anbieter Netflix angesehen.

„Explained: Geld“ bei Netflix – lohnt es sich?

In der vierten Episode der Miniserie „Explained: Geld“ geht es um die erfolgreichste Unterhaltungsbranche der Welt. Zu finden ist die „Glücksspiel“-Episode bei Netflix, wenn in der Suchfunktion „Explained – Kollektion“ eingegeben wird. Als Nächstes muss nach ganz rechts auf „Explained – Geld“ geklickt werden. Unter „Folgen und mehr“ kann nun die vierte Episode mit dem Titel „Glücksspiel“ ausgewählt und angeschaut werden.

Im Jahr 2019 sind weltweit mehr als 460 Milliarden US-Dollar in der Glücksspielbranche umgesetzt worden – deutlich mehr als in anderen Unterhaltungsbranchen. In der gesamten Gaming-Industrie waren es im selben Jahr nur rund 152 Milliarden US-Dollar. In der Filmbranche sogar nur 101 Milliarden US-Dollar.

Inhaltlich geht es in der Netflix-Doku vor allem um die von der Glücksspielbranche angewendeten Methoden, um Spielerinnen und Spieler dazu zu animieren, möglichst lange zu spielen. In der Netflix-Doku werden unter anderem verschiedene Spielerirrtümer wie der Spielerfehlschluss thematisiert.

„Wer seine Glückssträhne nicht ausreizt, kann womöglich mit einem Plus aus der Sache herausgehen. Doch je länger man spielt, desto weniger kann man den Wahrscheinlichkeiten entkommen.“

Explained:Geld – Episode 4 – Netflix  

Weiterhin beschreibt die Doku die interessante Entwicklung der Spielautomaten von der Entstehung als „einarmiger Bandit“ bis zum heutigen innovativen Online-Slot. Zudem geht es in der Netflix-Doku um sogenannte Social Casinos. Allein dieser Teilbereich der Glücksspielindustrie erwirtschaftet weltweit einen höheren Umsatz als alle Casinos auf dem Las Vegas Strip zusammen. Und das, obwohl man in Social Casinos überhaupt kein Echtgeld gewinnen kann. Erst vor einiger Zeit berichteten wir über die beeindruckende Entwicklung der Social Casinos.

„Die Glücksspielbranche ist von Verlierern abhängig“

Ein weiterer interessanter Aspekt der Glücksspiel-Doku ist, dass manche Spielertypen für ein pathologisches Spielverhalten besonders gefährdet sind. So wird beispielsweise erwähnt, dass etwa drei von vier Spielsüchtigen in ihrem Leben schon mal eine Angststörung gehabt haben. Ähnlich viele Spielsüchtige hatten schon mal eine Depression oder waren etwa von Drogen, Alkohol oder Medikamenten abhängig. Dabei kommen in der Dokumentation auch ehemalige Spielsüchtige zu Wort, die von ihren Erfahrungen berichten. Insgesamt ist die 20-minütige Episode zum Thema Glücksspiel aus unserer Sicht auf jeden Fall sehenswert.

Fakten im Überblick:

  • Titel: Explained: Geld – Episode 4 „Glücksspiel”
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Verfügbar bei: Netflix

 

ARD-Doku „Gefährliche Sportwetten“ – ist der TV-Bericht zu einseitig?

Erst vor etwa einer Woche zeigte die ARD in „Die Story im Ersten“ eine rund 40-minütige Dokumentation, die sich mit dem Thema Sportwetten beschäftigt. Auch hier schildern Spielsüchtige ihre Erfahrungen und Experten warnen vor den Gefahren von Sportwetten und anderen Glücksspielprodukten. In der ARD-Doku ist von einem „nie da gewesenen Boom“ die Rede, die die „Sportwetten-Branche erlebt“. Demnach habe die Branche allein in Deutschland einen Betrag von rund 9,3 Millionen Euro umgesetzt. Mitverantwortlich für diesen beeindruckenden Erfolg ist vor allem die omnipräsente Werbung, wo bekannte Fußballstars wie Lothar Matthäus oder Oliver Kahn auftreten.

Natürlich ist auch der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) ein zentraler Bestandteil der Dokumentation. Erst vor einigen Wochen berichteten wir über die sechsmonatige Duldungsphase des GlüStV.  

In einem Fall berichtet ein Spielsüchtiger darüber, dass er beim Glücksspielanbieter Betano seit Mitte Februar 2021 einen Betrag von über 5.000 Euro einzahlen konnte. Und das, obwohl der Spieler seit 2008 über die zentrale Sperrdatei deutschlandweit gesperrt ist. Da das Betreiberunternehmen ebenfalls seit Mitte Februar eine deutsche Lizenz besitzt, müsste bereits ein Anschluss an die Sperrdatei OASIS gewährleistet sein. Erst im April berichteten wir darüber, dass auch Spielautomaten in Kneipen bald nur noch mit Alterskontrolle und Sperrabgleich verfügbar sein könnten.

Darüber hinaus kommt in der ARD-Doku „Gefährliche Sportwetten“ auch der amtierende Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) zu Wort. Kubicki, der damals noch im Landesparlament in Schleswig-Holstein tätig war, gehörte bereits vor zehn Jahren zu den treibenden Kräften beim Vorhaben, Online-Glücksspiel und Sportwetten in Deutschland unter strengen Bedingungen zu legalisieren. Das Ergebnis: Schleswig-Holstein erlaubte damals Online-Glücksspiel im Alleingang.

Im weiteren Verlauf der Doku wird Kubicki mehr und mehr kritisiert – unter anderem für sein Auftreten in einem Imagefilm des Deutschen Sportwettenverbandes DSWV. Zusätzlich wird dem FDP-Vizechef vorgeworfen, dass er sich für die Glücksspielbranche starkgemacht habe.

Zum Schluss ging es in der ARD-Dokumentation auch noch um die Rückforderung von erlittenen Casino-Verlusten. Dazu wurde der Rechtsanwalt Istvan Cocron interviewt, der sich bereits seit längerer Zeit darauf spezialisiert hat, Casino-Verluste von ausländischen Glücksspielanbietern zurückzufordern. Unser Artikel zum Thema „Casino-Verluste hinterher wieder zurückfordern – eine gute Idee?“ hat bereits vor einigen Monaten viele emotionale Reaktionen hervorgerufen. Zuletzt berichteten wir Mitte Juni 2021 darüber, dass das Amtsgericht Euskirchen eine Rückerstattung von Casino-Verlusten abgelehnt hat.

Weitere Fragen, die in der ARD-Dokumentation geklärt werden, sind, wie transparent der Gesetzgebungsprozess beim GlüStV war und wer am Ende tatsächlich vom neuen Gesetz profitiert. Die Dokumentation begleitet Spieler, Politiker und prominente Werbepartner wie Stefan Effenberg. Insgesamt ist auch diese ARD-Dokumentation durchaus sehenswert. Aus unserer Sicht ist dieser Bericht jedoch etwas zu einseitig.

Fakten im Überblick:

  • Titel: „Gefährliche Sportwetten”
  • Dauer: ca. 40 Minuten
  • Verfügbar: in der ARD-Mediathek (kostenlos)

 

Fazit

Wir haben heute zwei interessante Glücksspiel-Dokus vorgestellt, die insgesamt rund eine Stunde dauern. Aus unserer Sicht sind beide Dokumentationen vor allem für Glücksspiel-Fans sehenswert. Aber auch Menschen, die bisher noch kaum Berührungspunkte mit dem Thema Glücksspiel hatten, werden die ARD- und die Netflix-Doku wahrscheinlich interessant finden. Während die ARD-Doku in der Online-Mediathek noch rund ein Jahr kostenlos abgerufen werden kann, benötigt man für die „Explained“-Doku ein aktives Netflix-Abonnement.  

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/netflix-filme-youtube-digital-3733812/

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