Am internationalen Frauentag sollte man sich vergegenwärtigen, dass mittlerweile Glücksspiel keine reine Männerdomäne mehr ist. Vor allem in Online Casinos sollen deutlich mehr Frauen spielen, als in Spielotheken und Spielbanken. Ein kurzer Bericht über die aktuelle Situation in Deutschland.

Letztes Jahr zum Frauentag hatte ich mich versucht, dem Game-Design zu nähern. Es gibt zwar Slots, die speziell Frauen ansprechen sollten, aber selbst die Softwareentwickler mussten bisher feststellen, dass sie nicht die Ergebnisse erzielten, die sie erwarteten. Heute versuche ich einmal zu beschreiben, was die wichtigsten Unterschiede beim Glücksspiel zwischen Frauen und Männer sind. Dabei geht es zunächst um die Teilnahme, dann ums Spielverhalten und zuletzt auch um die Absichten beim Glücksspiel.

Spielen wirklich mehr Männer als Frauen?

Im letzten Bericht zum Glücksspielverhalten und der Glücksspielsucht in Deutschland 2018 konnte man feststellen, dass 77,8% der befragten Männer und 72,2% der Befragten Frauen schon einmal an irgendeiner Art von Glücksspiel teilgenommen haben. Größtes Zugpferd waren dabei die verschiedenen Lotterien. Im Bereich der Casinospiele im Internet waren die Unterschiede relativ groß. 7,1% der Männer gaben an, sie einmal genutzt zu haben, bei den Frauen waren es nur 2,5%. Dabei wurde das Spielen mit Echtgeld und mit Coins oder Punkten einberechnet. Beim Spielen in der Spielbank oder an Geldspielgeräten zeigt sich ein ähnliches Bild. Lediglich der Bereich der Fernsehlotterie war bei Frauen beliebter. 13,3% der Frauen, aber nur 9,4% der Männer gaben an, einmal daran teilgenommen zu haben.

Genauer fragte man auch nach der Teilnahme am Glücksspiel in den letzten 12 Monaten. 41,4% der Männer und 33,0% der Frauen hatten in den letzten 12 Monaten irgendein Glücksspiel gespielt.

Wie oft spielen Frauen und Männer im Monat

Auffallend ist, dass von den Befragten, die in den letzten 12 Monaten gespielt haben, 16,7% der Männer und Frauen angaben, selten (weniger als 1-mal im Monat) gespielt zu haben. Ansonsten spielten 5% der Männer und 3,1% der Frauen einmal im Monat. 2- bis 3-mal im Monat spielten 5,8% der Männer und 2,0% der Frauen. 7,5% der Männer, aber nur 4,7% der Frauen spielten 1-mal pro Woche. Mehrmals in der Woche nahmen 1,8% der weiblichen und 4,0% der männlichen Spieler teil.

Die Geldeinsätze sehen dabei folgendermaßen zwischen den Geschlechtern aus:

Geldeinsätze Männer Frauen
Bis 10 Euro 13,5% 12,8%
10 bis 20 Euro 7,5% 5,7%
20 bis 50 Euro 8,3% 6,6%
50 bis 100 Euro 5,4% 3,5%
Mehr als 100 Euro 5,7% 2,8%

Frauen setzen ihr Geld in der Regel vorsichtiger ein. Teilweise tendieren sie beim gleichen Vermögen dazu, nur die Hälfte des Geldes einsetzen zu wollen, die Männer unter gleichen Bedingungen einsetzen würden.

Gibt es Unterschiede bei den Motiven für das Glücksspiel?

Es wurde auch nach den Gründen fürs Glücksspiel gefragt. Es kam heraus, dass der Geldgewinn die hauptsächliche Triebfeder ist. An zweiter Stelle steht die Aufregung, bei beiden Geschlechtern. Die Geselligkeit ist für Männer mehr von Bedeutung, da Frauen kaum in Spielbanken, Spielhallen oder anderen Geldspielgeräte gehen, ist es nicht weiter verwunderlich. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse von 2017 im Detail:

Grund Männer Frauen
Geldgewinn 68,1% 68%
Aufregung 30,8% 21,4%
Geselligkeit 18% 8,7%
Entspannung 11,9% 4,3%
Ablenkung 7,4% 4,8%
Eigene Kenntnis 7,5% 1,3%
Ungestörtheit 2,0% 1,4%

In vielen Umfragen ist bisher aufgefallen, dass Männer mehr Gründe für das Spielen angeben, als Frauen.

Laut einigen Umfragen spielen Frauen eher, weil sie aus dem stressigen Leben entfliehen möchten. Sie bevorzugen deshalb einfache Glücksspiele wie Spielautomaten. Teilweise spielen sie daran aber relativ selten, weil sie eher denken, dass das Ergebnis das Risiko nicht wert ist. Männer dagegen suchen nach einer Strategie und vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten statt aufs Glück. Aufregung ist einer der Hauptgründe für das Spielen, weiterhin konkurrieren sie gern gegen andere Spieler in Turnieren.

Frauen bevorzugen reine Glücksspiele, Männer wollen sich beweisen

Studien der Universität Hohenheim kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen eher reine Glücksspiele bevorzugen. Männer dagegen neigen zu Geschicklichkeitsspielen, weil sie eher auf das Können oder das Wissen vertrauen. An Sportwetten nehmen daher wahrscheinlich 4-mal mehr Männer als Frauen teil. Dementsprechend finden sich auch mehr Männer in Wettbüros. Sportwetten gelten für Forscher teilweise als Geschicklichkeits-Glücksspiele, da man durch sein Wissen über die Mannschaften oder den Sport zumindest zu einem kleinen Prozentsatz das Ergebnis beeinfluss kann. Wobei auch hier ein großer Trugschluss entstehen kann, wie einige Studie zeigen.

Im Poker zeigt sich ein ähnliches Bild – das Kartenspiel gilt immer noch als Männerdomäne. Dennoch drängen immer mehr Spielerinnen an die Tische. Liv Boeree und Jessica Teusl sind gute Beispiele für erfolgreiche Pokerspielerinnen, die sich bereits gegen Männer bewiesen haben. Cheung Yin “Kelly” Sun, die Partnerin von Phil Ivey, hat zudem ihre Kenntnisse und Fähigkeiten beim Finden von Strategien zum Schlagen von Casinos bewiesen. Ausnahmen bestätigen bekannterweise die Regeln!

Fun-Facts: Wie treu sind spielende Männer und Frauen?

Das Online Casino Royal Vegas hatte im Juni 2018 seine Nutzer zum Spielverhalten befragt und diese Ergebnisse Geschlechterspezifisch ausgewertet. Es kam heraus, dass 29% der Männer nur eine Webseite zum Spielen nutzen und dem Casino die treue halten. Bei den weiblichen Nutzern sind immerhin 35% treu gewesen. 33% der Männer nutzten dagegen 2 oder mehr Webseiten, bei den Frauen waren es 31%.

Im Durchschnitt haben weibliche Spieler 2,5 Casinokonten, bei den männlichen Spielern sind es 3,5.

Wo spielen die unterschiedlichen Geschlechter?

8% der Frauen und Männer spielen beim Autofahren, laut der Umfrage von Royal Vegas. 12,6% der Männer, aber nur 8,4% der Frauen spielen bei Familientreffen. Auf dem Weg zur Arbeit nutzten 13% der Männer und 10% der Frauen Online Casinos.

97% der befragten Frauen und Männer des Online Casinos spielen am liebsten Zuhause am PC. Dennoch spielen ebenfalls 32% der Männer und 25% der Frauen regelmäßig am Smartphone. Das richtet sich teilweise aber auch nach den Nationalitäten, die von den jeweiligen Casinos beworben werden. Die Suprplay Limited (VoodooDreams und Co.) hatte bereits angegeben, dass mehr als zwei Drittel der User vom Mobilgerät bei ihnen spielen. Die Ergebnisse einer solchen Umfrage schwanken stark von Online Casino zu Online Casino.

Laut Google Analytics haben wir auf GambleJoe 68,2% männliche und sogar 31,8% weibliche User. Ansonsten ist die Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren bei uns am stärksten vertreten – die User in dem Alter machen fast 40% der Gesamtnutzer aus. 65,8% der Nutzer surfen auf dem Smartphone, 4% auf dem Tablet und nur noch 30,22% auf einem Desktop-PC beziehungsweise auf einem Laptop.

Spielsucht bei den Geschlechtern

Laut der Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung waren 1,31% der Männer pathologische Glücksspieler, während bei den Frauen 0,31% als spielsüchtig galten. Auffällig ist laut der Universität Hohenheim, dass Männer eher in jüngeren Jahren spielsüchtig werden. Der Altersgipfel bei den therapiesuchenden Herren liegt daher zwischen 30 und 39 Jahren, die Damen sind im Schnitt 10 Jahre älter.

Frauen fangen später an zu spielen, gleiten auch seltener in die Spielsucht ab, wenn es aber geschieht, geht es schneller als bei Männern. In kürzerer Zeit gibt es dann meist schwerwiegendere Folgeprobleme wie Überschuldung, Entfremdung vom sozialen Umfeld und Problemen mit ihrem Selbstbild.

Außerdem hat man festgestellt, dass von 100 weiblichen und 100 männlichen Spielern, die in der AHG Klinik Münchwies stationär behandelt wurden, mehr Frauen von traumatischen Erlebnissen in der Kindheit berichteten. 70% der Frauen, aber nur 36% berichteten von Traumata aus der Kindheit in Form von körperlicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch.

Gender-Aspekte im Glücksspiel nur wenig gefragt

Bisher hat sich nur eine Tagung der Universität Hohenheim im Jahr 2014 mit den Gender-Aspekten im Glücksspiel intensiver beschäftigt. Das kann auch daran liegen, dass immer noch recht wenige Frauen insgesamt am Glücksspiel teilnehmen (mit der Ausnahme von Lotto).

In Großbritannien gibt es ein anderes Bild. Bereits seit 2011 ist bekannt, dass 48,8% der Frauen regelmäßig in Online Casinos spielen. Slots wie Chippendales, Taboo oder andere Spielautomaten zeugen davon. Trotzdem ist vielen Softwareentwicklern immer noch nicht klar, was weibliche Spieler von den Online Casinos erwarten. An einem weiblichen Touch mit Einhörnern und süßen Symbolen sind scheinbar nur wenige Frauen interessiert.

Bildquelle: 185508269 - Pretty girl playing in a slot machine ©AntonioDiaz

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