Jessica Teusl ist 28 Jahre alt und zweimalige Europameisterin im Bereich Poker. In einem Interview hat die Niederösterreicherin Einblicke in ihr Leben gegeben und wie sie zum Spielen gekommen ist. Außerdem erklärt sie, warum sie lieber gegen Männer Poker spielt.

Als Studentin hat Jessica Teusl zum ersten Mal Kontakt mit dem Glücksspiel um Geld. Vor einem Besuch in einem Club mit Freundinnen war sie zum ersten Mal im Casino. Eine Nacht mit Folgen – das Pokern wurde für sie zu mehr als einem Hobby. Sicherlich hätte sich die heute 28-jährige damals noch nicht erträumt, dass sie irgendwann an internationalen Profi-Turnieren teilnimmt und sogar zweifache Europameisterin wird.

2017 hatte Jesica Teusl zum ersten Mal die Ladies European Poker Championship in Velden gewonnen. Ihr Preis betrug damals 3.340€. Ein Jahr später konnte sie den Titel wiederum verteidigen und erhielt ein Preisgeld von mehr als 4.500€. Ihre Poker-Gewinne sollen mittlerweile 59,874 Dollar betragen, wobei ihr bestes Einzelergebnis 20.000 Euro bei einem 10K High Roller Turnier in Innsbruck war. Sie hatte dort den dritten Platz gemacht.

Der Vater brachte ihr das Spiel näher

Der Vater habe ihr das Pokern beigebracht. Sie war als Kind von Zahlen und der Mathematik fasziniert, zur Forderung der Tochter hatte er ihr die Poker-Regeln nähergebracht. An der Fachhochschule in Wien hat Teusl nach der Schulzeit Wirtschaftsberatung mit Marketing studiert. In Salzburg schloss sie Eventmanagement als Studium an.

Ihr Studium hat gefruchtet, sie hat eine eigene Werbeagentur und ist für den Vertrieb sowie das Personal beim Reiseanbieter „Splashline“ verantwortlich.

Splashline ist ein Party-Reisenanbieter, der es 2008 mit dem Spring Break Europe gelang, die amerikanische Partykultur über den Ozean zu bringen. Ansonsten ist man für das Sound Everest und die Brass Palmas verantwortlich. Man verspricht den Besuchern große Emotionen und unvergessliche Erlebnisse.

Was braucht ein guter Pokerspieler?

Teusl am PokertischAls erstes muss er mit Geld umgehen können, damit er sich nicht verzockt. Ansonsten sind es Geduld, Disziplin und Konzentration laut ihrer Auffassung. Immerhin geht ein Turnier über mehrere Tage, man muss sich seine Kräfte und das Geld gut einteilen können. Weiterhin muss man akzeptieren können, dass man nicht immer gewinnen kann.

Ansonsten legt sie viel Wert auf die Beobachtung der Spieler. Aus der Körpersprache der Spieler könnte man viel entnehmen und dann die besten Spielweisen für sich ableiten. Allerdings muss man die Gestik richtig deuten können. Sicherlich kann man das Pokerface in gewisser Weise antrainieren, Teusl ist aber der Meinung, dass sie eigentlich nicht mehr so viel trainiert:

Ich schaue zwar Videos, lese Bücher und spiele viel online. Manchmal tausche ich mich mit anderen Spielern aus, aber das war’s auch schon. Es ist vielmehr ein Lernprozess.

Besondere Rituale hat die Europameisterin vor einem Turnier nicht. Sie trägt während des Pokerns nur zwei Armbänder, eines von den Großeltern und eines vom Vater. Sie sollen ihr angeblich Glück bringen, allerdings gab sie es der Presse mit einem breiten Grinsen bekannt.

Poker: Reines Glücksspiel oder doch Denksport?

Seit Jahren wird die Diskussion international geführt, ob Poker als reines Glücksspiel gelten kann. In Österreich gilt es als reines Glücksspiel, in anderen europäischen Ländern sieht man es ein wenig anders, da beim Poker das eigene Geschick eine große Rolle spielt. Martin Sturc ist Sportwissenschaftler und Pokerspieler aus Wien. In seiner Diplomarbeit „Skill Beats Luck“ vertrat er die Meinung, dass es als Geschicklichkeitsspiel anerkannt werden sollte – eine Analyse der spieltheoretischen Aspekte würde es nahelegen.

Teusl ist da anderer Meinung. Zwar könne man den Glücksfaktor durch viele Berechnungen minimieren, aber am Ende ist das Glück des Öfteren entscheidend.

Poker sollte salonfähig werden

Die Europameisterin hat immer noch Probleme mit dem schlechten Ruf des Pokerspiels. Viele Leute in ihrem Umfeld denken immer noch, dass Poker in verrauchten Hinterzimmern gespielt wird. Die Karten in der Hand, eine Zigarre in der anderen und ein Whiskey-Glas vor dem Spieler. Dem ist natürlich nicht mehr so. Sie gibt zwar im Interview an, dass sie heute mutiger zu ihrem Hobby steht, dennoch wird sie manchmal schief angesehen:

Früher habe ich mein Hobby verdeckt gehalten, weil ich Angst vor den Reaktionen hatte. Von einigen wurde ich schief angeschaut. Die dachten dann, ich verspiele Haus und Hof. Dabei läuft das alles seriös ab. Ich spiele auch viele Turniere mit wenig Einsatz. Natürlich kann man Geld verspielen, aber man muss das immer in Relation sehen. Mittlerweile nehme ich es gelassen, wenn mich jemand dafür kritisiert.

Spiel gegen Männer ist einfacher

Teusl nach dem Sieg der zweiten EMZwar gibt es in der Pokerszene immer mehr Frauen, die auch selbstbewusst auftreten, dennoch dominieren Männer das Spiel. Ich hatte bereits über Liv Boeree einer bekannten britischen Pokerspielerin berichtet. Deutlich mehr hat Vanessa Selbst aus den USA erreicht. Sie gilt als erfolgreichste Pokerspielerin, hat insgesamt zwölf Millionen US-Dollar an Preisgeld erspielt und bei der World Series of Poker 3 Braclets erhalten.

Teusl meinte, dass sie meist gegen Männer spielen musste. Anfangs gab es immer blöde Kommentare. Sie wurde am Tisch nicht ernst genommen, aber sie meinte, dass man es auch zum eigenen Vorteil verwenden kann.

Bei der ersten Frauen-Poker-EM 2017 gab es rund 60 Teilnehmerinnen. Für sie war großes Umdenken nötig. Frauen spielen passiver, das kann beim Pokern ein Nachteil sein. Insgesamt ist allein unter Frauen wohl der Konkurrenzkampf deutlich größer und das Spielen härter – daher spiele sie lieber gegen Männer.

Welche Pläne gibt es für 2019?

Zunächst ist erst einmal die Casinos Austria Poker Tour (CAPT) in Seefeld, dort wird sie auch an einigen Turnieren teilnehmen. Im Februar folgt ein weiteres Event in Bregenz. Mittlerweile könnte Teusl von den Poker einnahmen gut leben. Für „win2day“ arbeitet sie seit 2017 als Testimonial. Vor zwei Monaten hatte sie an der Blackjack WM in Innsbruck teilgenommen und dort 20.000€ Preisgeld gewonnen. Dennoch möchte sie ihren eigentlichen Job nicht aufgeben:

Ich mag meinen Berufsalltag. Ich brauche diese Abwechslung. Aber wer weiß, was in fünf oder zehn Jahren mal sein wird. Ich träume schon davon, bei den großen internationalen Turnieren mitzuspielen.

Die World Series of Poker hat dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Sie würde wohl gerne in Amerika dabei sein. Vielleicht wird sie also bei der WSOP in Las Vegas spielen, abgeneigt gegen ein goldenes Braclet am Handgelenk wäre sie nicht.

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