Der 51-jährige Finanzberater, der von Investoren 15 Millionen Pfund gestohlen hat, erschien in der letzten Woche nicht bei einem Gerichtstermin. Sein Anwalt behauptete, er habe Angst vor nicht koscherem Essen, das er sich in einem anderen Gefängnis vielleicht nicht zu bereiten kann.

Der 51-jährige Finanzberater, Freddy David, hatte seinen guten Ruf genutzt, um in einer jüdischen Gemeinde als Geschäftsführer von HBFS Wealth Management Anlageprodukte an seine Kunden zu verkaufen. Die verkauften Anlageprodukte existierten jedoch nicht, sodass das Geld komplett zur Finanzierung der Spielsucht des angeklagten Investmentberaters geflossen ist.

Wie betrügt man eine Gemeinde um 15 Millionen Pfund?

Über einen Zeitraum von 10 Jahren hat der Vermögensberater 14.545.594 Pfund (rund 16.687.000 Euro) von 55 Kunden gestohlen. Der Mann hatte dafür seinen guten Ruf in der jüdischen Gemeinde von London ausgenutzt.

Der Plan von David begann mit einem gefälschten Anlageprodukt auf einem „imaginären Konto der Bank of Scotland“. Eigentlich hatte David seine Karriere bei der Bank Barclays begonnen. Daraufhin hat er die HBFS Wealth Management gegründet. Es handelte sich um eine „maßgeschneiderte Vermögensverwaltungs- und Finanzberatungsfirma“. Er hielt 75% der Unternehmensanteile, bei seiner Frau Hannah David waren es 25%. Das Unternehmen wird von der Financial Conduct Authority reguliert.

Er schuf zur Finanzierung ein Anlageprodukt, welches nie existiert hat. Dafür habe er Dokumente gefälscht. Außerdem habe er im Jahr 2018, in den letzten Monaten seines Betrugs, alte Investoren mit dem Geld neuer Investoren ausgezahlt. Es handelt sich demnach um ein Pyramiden-System, welches er aufgebaut hat, was einem Ponzi-System gleicht.

Er hat demnach das Geld von den Investoren genommen und für sich Geld abgezweigt. Er hat Dokumente über die Profite der Anleger gefälscht und mit neuen Geldern alte Investoren teilweise ausgezahlt. Im Unterschied zu einem klassischen Schneeball-System war den Anlegern der Investmentmanager jedoch sehr gut bekannt.

Es soll sich um 55 ältere oder teilweise behinderte Menschen handeln. Die Mehrheit der Opfer kannte David persönlich. Er habe sie in ihren Häusern besucht und die einzelnen Investitionen erklärt. Insgesamt konnte er rund 14,5 Millionen Pfund einnehmen, was teilweise die ganzen Ersparnisse der Kunden darstellte.

Sind Details von den Opfern bekannt?

Vor dem Gericht hatten 2018 im Prozess fünf Opfer ausgesagt. Leon W. aus Wembley hatte rund 300.000 Pfund (345.000 Euro) investiert. Es handelte sich um seine ganzen Ersparnisse nach 52 Jahren Arbeit. Laut eigenen Angaben wurde das Geld sehr streng angespart. Die Familie hat sich nur zwei Mahlzeiten am Tag geleistet. An kalten Tagen wurden Mäntel in der Wohnung getragen, da man sich keine zu hohe Stromrechnung leisten konnte. Der Familienvater Leon beschrieb seine derzeitige Situation damals so:

Er hat meine Familie zerstört. Wir sind mittellos geblieben und ich habe darüber nachgedacht, Selbstmord zu begehen. Ich wollte vor einen Zug springen, aber ich wollte mich Freddy David vor Gericht stellen.

Shiri K. gab im Namen der Eltern eine Erklärung ab. Sie hatten im Jahr 2017 noch in das gefälschte System investiert.  Sie gab an, dass ihr Leben in einen Albtraum verwandelt wurde. Der Manager sei "hinterhältig, arrogant und gerissen". Selbst als der Vater gefragt hatte, ob er das Geld aus der Investition nehmen sollte, habe ihm David davon abgeraten. Shiri erzählte den Nachrichten ebenfalls, dass es wenigstens ein Opfer in Israel gegeben hatte, welches sein Altersheim verlassen musste, da es die Kosten nicht tragen konnte.

Auriol W. ist 82 Jahre alt und hatte ebenfalls investiert. Es sei nicht nur ihr Geld, sondern ebenfalls der Seelenfrieden gestohlen worden. Ihr Ehemann Sam nannte den Investmentberater den „verabscheuungswürdigsten Menschen, den er je getroffen habe“.

Wie ist der Schwindel aufgefallen?

Im November 2017 begann die Financial Conduct Authority mit der Untersuchung von HBFS. Zu diesem Zeitpunkt überwies David 176.000 Pfund (200.000 Euro) des gestohlenen Geldes auf das Konto seiner Mutter. Laut Gericht wurde ebenfalls versucht, HBFS zu verkaufen. Das Unternehmen wurde schließlich im März 2018 liquidiert.

Nach Beginn der Untersuchungen wurde er mehrere Male verhaftet und interviewt. Zunächst wollte er nichts von einem Betrug wissen. Den verängstigten Anlegern versicherte er die Sicherheit des Geldes. Im Februar 2018 stellte sich David dann auf einem Polizeirevier, gab den Betrug zu und überließ ihnen eine Liste mit 48 Personen, von denen er Gelder genommen hatte. Während der Zeit führte er jedoch die Geschäfte seines Unternehmens rechtmäßig weiter.

Was passierte mit dem Geld?

Während der Ermittlungen, die 2017 begonnen wurden, hatte er rund 176.000 Pfund an seine Mutter überweisen. Außerdem hat er im Laufe der Zeit von dem Geld Reisen nach Griechenland oder Israel finanziert. Die Schulgebühren von seinen drei Kinder hat er ebenfalls mit dem gestohlenen Geld bezahlt. In das Restaurant "Let's Meat" in Borehamwood investierte er rund 80.000 Pfund (rund 92.000 Euro) gestohlenes Geld.

Zur Finanzierung seiner Spielsucht hat er jedoch das meiste Geld ausgegeben. Pro Tag soll er teilweise bis zu 10.000 Pfund im Durchschnitt in den Casinos verspielt haben. Das Gericht, der Southwark Crown Court, führte ebenfalls an, dass er einige Tage vor der endgültigen Verhaftung 36.000 Pfund verspielt hatte.

Welches Urteil wurde vor Gericht gesprochen?

Vor dem Gericht hat er wohl wenigstens Reue für seine Tat gezeigt. Es wird immer wieder der folgende Ausspruch von David zitiert, um es zu verdeutlichen:

Ich bin verständlicherweise der Staatsfeind Nummer eins in der jüdischen Gemeinde. Ich habe nur noch sehr wenige Freunde und verstehe, warum.

Durch die Betrugsvorwürfe kam er 2018 für sechs Jahre ins Gefängnis. Außerdem wurde er für 10 Jahre als Direktor eines Unternehmens gesperrt. Am Southwark Crown Court wurde das Urteil gesprochen.

Entschädigung der Opfer durch neues Gerichtsverfahren

Derzeit versucht man im Rahmen einer Beschlagnahmungsverhandlung das Geld der Opfer zurückzugewinnen. Die Staatsanwaltschaft untersucht derzeit das Vermögen des verurteilten Betrügers, um die fehlenden Millionen Pfund zurückzuerhalten. Unter anderem wird geprüft, ob beispielsweise das Haus versteigert werden kann.

David weigerte sich jedoch vom Ford Prison in West Sussex zum HMP Wandsworth verlegt zu werden. Es sei bekannt, dass Menschen, die für zwei Tage an den Southwark Crown Court kommen, erst einmal nach Wandsworth zurückkehren. Der Häftling sei besorgt, dass der nicht in das Ford Prison zurückkomme. Die Verteidigung erklärte den Schritt wie folgt:

Er ist besorgt, nicht nach Ford zurückkehren zu können. Ford erlaubt es ihm, aufgrund der offenen Einrichtungen seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten, und indem er sein Essen zubereitet, kann er an seinem Glauben festhalten. Er ging ihm nicht darum, heute nicht teilnehmen zu wollen.

Die zuständige Richterin war von dem speziellen Problem teilweise entsetzt und kommentierte lediglich:

Dieses Gericht hat sich mit vielen orthodoxen jüdischen Angeklagten befasst und es war noch nie ein Thema.

Die neue Anhörung wurde auf Donnerstag (11. März 2020) verschoben. Dann wird sich eventuell zeigen, ob die Opfer noch eine Chance haben, einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Der Betrugsfall hat damals wegen der Höhe viele Menschen entsetzt und bewegt immer noch die Gemüter. Vielleicht erhalten die Investoren zumindest einen Teil der gezahlten Gelder zurück.

Bildquelle: AdobeStock 215066341, Senior couple planning their investments with financial advisor ©vectorfusionart 

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