Die aus dem italienischen Kalabrien stammende Mafia-Organisation ’Ndrangheta betreibt ein Kontrollgremium in Deutschland. Zweck dieser Instanz ist, dass diese für die Aufrechterhaltung von Frieden zwischen den verschiedenen Clans sorgen soll. Das sogenannte Crimine di Germania ist zum aktuellen Wissensstandpunkt das einzige Gremium von 'Ndrangheta außerhalb von Italien. Das in Deutschland basierte ’Ndrangheta-Gremium befindet sich in Duisburg.

Das entscheidende Ereignis, das zu der Gründung der Crimine die Germania dem ’Ndrangheta-Gremium in Deutschland geführt hat, war das Duisburg-Massaker im August 2007. Da wurden nämlich sechs Mitglieder von ’Ndrangheta in einem Kugelhagel in Duisburg getötet. Man nimmt an, dass die Morde das Resultat eines jahrzehntelangen Streits zwischen zwei Familien, die in Verbindung mit der aus dem kalabrischen Ort San Luca stammenden ’Ndrangheta standen, waren. Die genauen Motive dieses Kriminalfalls sind bis heute nicht zur Gänze geklärt. Seit den Morden scheint aber Frieden zwischen den 'Ndrangheta-Verbündeten in Deutschland zu herrschen. 

’Ndrangheta ist die Vereinigung der Mafia aus Kalabrien mit Ursprung aus den Gemeinden Plati und San Luca und gilt als eine der einflussreichsten Mafia-Gruppen Europas seit Mitte der 1990er-Jahre. Die ’Ndrangheta-Mafia basiert auf Familienkonstellationen: Das heißt, dass ein Clan meist einer Blutsfamilie entspricht. So eine Gruppierung wird Ndrina genannt. Mehrere Ndrinas werden unter dem Begriff Locali zusammengefasst. Locali gibt es in Kalabrien, im Norden Italiens und auch im Ausland.
Der ’Ndrangheta-Handlungsspannraum erstreckt sich von Europa über Nord- und Südamerika bis nach Russland und auch Australien. Der Jahresumsatz aus mafiösen Operationen liegt bei geschätzten 54 Milliarden Euro. Dieser gigantische Umsatz setzt sich vor allem aus Einnahmen des Drogenhandels, illegalem Glücksspiel und illegaler Müllentsorgung (Giftmüll) zusammen. Zusätzliche Ertragsquellen sind aber auch Waffenhandel, Erpressungen und Geldwäsche. ’Ndrangheta gilt auch als einer der größten Kokain-Importeure Europas. 

Kontroll-Instanz blieb völlig unentdeckt

Schockierend ist, dass bis jetzt nicht bekannt war, dass die ’Ndrangheta, die sich zwar nach und nach immer mehr in den Norden Italiens ausgebreitet hat, auch ihre Kontrollgremien nach Deutschland expandiert hat. Diese Art Mafia-Kommissionen haben den Zweck, die Mafia-Geschäfte ohne Bluttaten über die Bühne gehen zu lassen, eben für ein friedliches Handeln zu sorgen und eine Kontrollfunktion innezuhaben. Deshalb wird diese Mafia-Instanz, wie im Fall der Einheit in Duisburg, auch “Camera di Controllo” genannt. Und genau dieses Ziel verfolgt auch die kürzlich entdeckte Duisburger Instanz, die anscheinend unmittelbar nach den Mordfällen ins Leben gerufen wurde.

Wie die Ermittlungen der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gemeinsam mit MDR gezeigt haben, soll die Crimine di Germania bereits seit über 10 Jahren bestehen.

Die Akteure dieser ’Ndrangheta-Instanz sind insgesamt neun aus verschiedenen Regionen Kalabriens stammende Männer, die über ganz Deutschland verteilt und alle von ihnen in der italienischen Gastronomie in Deutschland tätig waren. Einmal pro Jahr reisten die Mitglieder des Mafia-Gremiums nach Duisburg, um dort quasi zu tagen und ihren Funktionen nachzugehen. Wichtig zu wissen ist, dass diese Personen in keinerlei operativen kriminellen Handlungen involviert waren. Ihre Aufgabe bestand rein darin, für die Regeleinhaltung und den Erhalt des Friedens zu sorgen. 

Warum Deutschland so wichtig für ’Ndrangheta ist 

An der Spitze des Mafia-Gremiums Deutschlands steht der so genannte “Capo Crimine”, der wie angenommen wird, von den einflussreichsten Mitgliedern der ’Ndrangheta in sein Amt gewählt wird. Die Crimine di Germania soll ja das einzige Gremium dieser Art in Europa sein. Deutschland scheint also eine besondere Bedeutung für ’Ndrangheta zu haben. Laut Mafia-Spezialisten soll Deutschland gleich nach Italien das wichtigste Land für ’Ndrangheta sein. Kein Wunder also, dass da gleich ein Außenposten etabliert wurde. Die politische und ökonomische Stabilität der Bundesrepublik und auch eine eher nicht so stark ausgeprägte Wahrnehmung des Themas italienische Mafia sind wohl die Hauptgründe dafür. Somit hat sich Deutschland als ideal geeigneten Sitz für kriminelle Handlungen der ’Ndrangheta-Instanz herausgestellt.  

Kommt der Glücksspielvertrag ’Ndrangheta zugute? 

Absolut außer Frage steht, dass das Online-Glücksspiel für Mafia-Organisationen wegen Geldwäsche immer wieder eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Derzeit bereitet Sorge, dass der Glücksspielstaatsvertrag 2021 möglicherweise der Mafia das Einschmuggeln illegal gewonnener Gelder in den Kreislauf vereinfachen könnte. Aufgrund der strengen Regulierungen, die mit dem neuen Glücksspielvertrag einhergehen könnten, wird auch vermutet, dass eine Abwanderung vieler Spieler auf den Schwarzmarkt, auf dem die Mafia agiert, stattfinden wird. Mafia-Organisationen aus Italien nutzen eher selten Online-Casinos mit einer offiziellen Lizenz für Geldwäsche-Aktionen. Vielmehr tendieren sie dazu, selbst Glücksspiel-Unternehmen zu gründen und diese lizenzieren zu lassen. So wurden erst voriges Jahr mehr als fünf illegale Glücksspiel-Webseiten und einige Wettbüros, die auf keiner rechtlichen Grundlage basierten und von dem italienischen Mafia-Clan Casalesi betrieben wurden, beschlagnahmt. Zu diesen illegalen Webseiten gehörten europagrancasino.com, jogobrasil.com, dollarocasino.com, granbett.com und dollarobett.com. Alle Webseiten waren in Rumänien angemeldet, mittlerweile aber von der Polizei außer Betrieb genommen und aus dem Netz entfernt. 

Wie die Entwicklungen zum Thema Crimine di Germania weitergehen werden, bleibt abzuwarten. 

Italiens Mafia-Organisationen

Die Mafia-Gruppierungen Italiens waren in der Vergangenheit vor allem für Drogenhandel bekannt. Heutzutage operiert die italienische Mafia aber zunehmend im Bereich des illegalen Glücksspiels und eher weniger in der Drogenszene. Das hat natürlich finanzielle Gründe: Mit unerlaubten Sportwetten kann einfach viel mehr Geld erwirtschaftet werden. Speziell im Süden Italiens ist diese Art des mafiösen Handelns verbreitet. Camorra aus Neapel, die kalabrische ’Ndrangheta, die apulische Sacra Corona Unita und die Cosa Nostra aus Sizilien sind Mafia-Organisationen, die alle illegales Glücksspiel betreiben.

Viele dieser Mafia-Organisationen handeln auch “undercover” im legalen Glücksspielsektor, um der Polizei die Ermittlungen zu erschweren und möglichst lange unentdeckt agieren zu können. Ebenso vermeiden sie deshalb die “üblichen” kriminellen Handlungen, zu denen körperliche Gewalt und Drogenhandel zählen. 

Quelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/composing-gangster-mafia-d%C3%BCster-5121666/

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