Das Landgericht Osnabrück hat ein in Malta lizenziertes Online Casino bereits im März dieses Jahres dazu verurteilt, die Verluste eines Spielers in Höhe von mehreren tausend Euro zurückzuzahlen. Doch trotz der mittlerweile rechtskräftigen Verurteilung hat das Casino bislang noch keine Rückzahlung geleistet. Aber woran liegt es, dass der Casino-Betreiber das Urteil des Gerichts ignoriert?

Bereits mehrfach berichteten wir hier über die Rückforderung von Casino-Verlusten durch Spieler. Schon vor über einem Jahr haben wir uns dabei in einem Artikel die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, erlittene Casino-Verluste hinterher zurückzufordern. Während in manchen Fällen die Rückforderung durch die Spieler von den Gerichten abgelehnt wurde, erließen andere Gerichte hingegen Urteile zugunsten der Spieler. Doch selbst eine rechtskräftige Verurteilung scheint kein Garant dafür zu sein, dass der Spieler sein Geld letztendlich auf sein Konto zurückerstattet bekommt.

LG Osnabrück verurteilt Casino-Betreiber zur Rückzahlung

Bereits am 4. März 2022 hat das Landgericht Osnabrück einen Casino-Betreiber mit Sitz auf Malta dazu verurteilt, die erlittenen Verluste eines deutschen Spielers zurückzuzahlen (Az. 11 O 1809/21). Das Gericht stellte hierbei fest, dass der Anbieter aufgrund fehlender Genehmigung in Deutschland illegales Online-Glücksspiel betreibt. Bei dem Online Casino soll es sich um den Anbieter Twin handeln, der von der Oring Limited mit Sitz im maltesischen Ort Ta' Xbiex betrieben wird. Seit einiger Zeit hat das Twin Casino sein Angebot in Deutschland eingestellt. Dazu wird auf der Plattform mitgeteilt:

„Wir bedauern, Dir mitteilen zu müssen, dass wir unser Glücksspielangebot in Deiner Wohnsitzgerichtsbarkeit bis auf Weiteres einstellen. Wenn Du noch Guthaben auf Deinem Nutzerkonto hast, kontaktiere unseren Kundendienst, um dieses auszuzahlen!“

Insgesamt hätte die Oring Limited als verantwortliches Unternehmen dem klagenden Spieler also seine Verluste in Höhe von 9.000 Euro zurückzahlen müssen. Außerdem hätte das Online Casino auch für die anfallenden Anwalts- und Gerichtskosten aufkommen müssen, die im Klageverfahren entstanden sind. Dasselbe gilt für die Zinsen. Erst im Juni dieses Jahres berichteten wir darüber, dass sich immer mehr Online Casinos gegen Spielerklagen verteidigen.

Zwangsvollstreckung eingeleitet - ist der Casino-Betreiber zahlungsunfähig?

Trotz der mittlerweile rechtskräftigen Verurteilung hat der Casino-Betreiber dem betreffenden Spieler noch keinen Cent zurückerstattet. Und das, obwohl das Urteil mittlerweile über fünf Monate alt ist. Der klagende Spieler geht inzwischen davon aus, dass das verurteilte Online Casino insolvent ist und deshalb der Zahlungsaufforderung nicht nachkommt.

Aus diesem Grund hat der klagende Spieler nicht nur die Malta Gaming Authority (MGA) als zuständige Glücksspielbehörde in Malta, sondern auch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ins Boot geholt, die seit über einem Jahr für den deutschen Online-Glücksspielmarkt zuständig ist. Des Weiteren wurde bereits die Zwangsvollstreckung gegen das Casino auf Malta eingeleitet. Die Rechtsanwaltskanzlei CLLB, die den klagenden Spieler vertritt, äußert sich dazu wie folgt:

„Es ist in über 1.000 betreuten Casino-Verfahren das erste Mal, dass ein Casino-Betreiber trotz Urteil die Forderungen des Spielers nicht erfüllt. (…) Wir sind zuversichtlich, dass der Urteilsbetrag am Ende des Tages erfolgreich vollstreckt werden kann, sofern die Betreibergesellschaft nicht insolvent ist.“

Fazit

Trotz rechtskräftiger Verurteilung hat der Casino-Betreiber bislang die erlittenen Casino-Verluste eines Spielers in Höhe von 9.000 Euro nicht zurückerstattet. Dieser Fall zeigt, dass selbst eine rechtskräftige Verurteilung keine Garantie dafür ist, dass der Spieler seine Einsätze tatsächlich zurückbekommt. Wenn der Casino-Betreiber nämlich tatsächlich wie befürchtet zahlungsunfähig ist, dann wird der Spieler seine Verluste nicht erstattet bekommen. Unklar ist, ob der Spieler in so einem Fall auf den entstandenen Anwalts- bzw. Gerichtskosten sitzen bleiben wird.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/geld-geldscheine-euro-hand-1005464/

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