In einem Interview mit dem SPIEGEL spricht der renommierte Medienpädagoge Daniel Heinz über die Gefahren von sogenannten Free2Play-Games. Charakteristisch für diese Games ist, dass sie zunächst kostenlos heruntergeladen und auch gespielt werden können. Früher oder später sind jedoch In-Game-Käufe erforderlich, um weiter im Level aufzusteigen und mit der Konkurrenz mithalten zu können.

Wer kein Geld ausgeben will, bleibt als Spieler oft auf der Strecke und bekommt das Gefühl, zu versagen. Der Medienpädagoge sieht dabei Parallelen zwischen dem Free2Play-Konzept und dem Glücksspiel. Da viele Free2Play-Spiele Kinder und Jugendliche als ihre Zielgruppe definiert haben, sollte mit Blick auf eine mögliche Spielsucht besonders sensibel umgegangen werden. Aber ist diese Art von Spielen tatsächlich darauf angelegt, süchtig zu machen und ist ein solches Geschäftskonzept verwerflich? In diesen Tagen hat der SPIEGEL ein Interview mit dem erfahrenen Medienpädagogen Daniel Heinz veröffentlicht. Es ging dabei um die Gefahren von Free2Play-Games. Hierunter sind beispielsweise Smartphone-Apps zu verstehen, die vom Nutzer zunächst kostenlos heruntergeladen und gespielt werden können. Im weiteren Verlauf wird dem Nutzer allerdings angeboten, bestimmte Zusatzfeatures käuflich zu erwerben. Nicht wenige Kinder und Jugendliche geben inzwischen hierfür ihr Taschengeld aus. Über Suchtrisiken und Kontrollmechanismen bei diesen Spielkonzepten wurde bislang kaum gesprochen.

Free2Play-Konzept ist überaus erfolgreich  

Es steht außer Frage, dass das Free2Play-Konzept bereits seit längerer Zeit nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen außerordentlich erfolgreich ist. Potenzielle Spielerinnen und Spieler haben hier die Möglichkeit, das Game tatsächlich kostenlos herunterzuladen und auch zu spielen. Allerdings versuchen die Entwickler früher oder später verschiedene Bezahlinhalte zu vermarkten, um die Leistung des Spielers zu erhöhen. Hierbei kann es sich beispielsweise um ein bestimmtes Schwert, ein extravagantes Outfit oder andere nützliche Gegenstände handeln, die andere Spieler nicht besitzen.

Das Free2Play-Konzept ist wahrscheinlich deshalb so erfolgreich, weil zunächst einmal eine große Nutzergruppe angesprochen wird. Schließlich ist das eigentliche Spiel komplett kostenlos. Erst später bieten die Entwickler die Möglichkeit an, für bestimmte Features zu bezahlen. Da bei jedem Spiel schnell ein Konkurrenzkampf entsteht und jeder Nutzer der Beste sein will, ist die Verlockung groß, sich durch eine Investition von einigen Euros einen signifikanten Vorteil zu verschaffen. Der Medienpädagoge weist im SPIEGEL-Interview allerdings darauf hin, dass nur ein geringer Teil der Spieler bei den Free2Play-Games tatsächlich Geld ausgibt:

„Als Erstes muss man sich klarmachen, dass fünf Prozent der Spielerinnen und Spieler von Free2Play-Titeln die restlichen 95 % mitbezahlen“.

Parallelen zum Glücksspiel erkennbar

Der Experte Heinz weist im SPIEGEL-Interview darauf hin, dass die Konzepte der Free2Play-Games Parallelen zum klassischen Glücksspiel aufweisen. In der Mehrheit der Fälle sind nämlich die sogenannten Drop-Rates nicht bekannt, sodass nicht immer klar ist, welchen Mehrwert man nun für welchen Preis kaufen kann. Des Weiteren kritisiert der Pädagoge, dass ein erfolgter In-App-Kauf meist aufwendig und optisch ansprechend dargestellt werde – ähnlich wie ein Gewinn am Spielautomaten. Heinz gibt zu bedenken, dass eine solche Aufmachung den Reiz verstärken könne, noch mehr zu kaufen.

Experten-Tipp: In-Game-Käufe in den Handy-Einstellungen standardmäßig abschalten und bei Konsolen keine Zahlungsdaten (z. B. Kreditkarte) hinterlegen.

Suchtgefahren von Free2Play-Games

In der Tat ist es so, dass Free2Play-Games ähnlich wie Spielautomaten süchtig machen können. Vor allem Kinder und Jugendliche sind oftmals zu wenig über die Risiken aufgeklärt, was die Suchtgefahr deutlich erhöht. Natürlich spricht nichts gegen einen verantwortungsvollen Umgang mit Free2Play-Games. Selbst gegen einen gelegentlichen In-Game-Kauf gibt es im Grunde genommen keine überzeugenden Argumente. Allerdings sollten insbesondere junge Spielerinnen und Spieler ihr Budget im Blick behalten, um nicht immer mehr Geld in das virtuelle Game zu investieren, nur um noch ein weiteres entbehrliches Zusatzfeature freizuschalten. Wer feststellt, dass er in einem Free2Play-Game nicht mehr weiter aufsteigen kann, ohne dass er für Geld einen In-Game-Kauf durchführen muss, sollte sich möglichst bald vom Spiel verabschieden. Fakt ist nämlich, dass man bei Spiel-Apps auf dem Handy nur echtes Geld ausgeben kann und nichts gewinnen kann.

Fazit

Zweifellos gibt es inzwischen eine große Auswahl an interessanten Free2Play-Games. Unstrittig ist auch, dass die Entwickler die Entwicklungskosten wieder einspielen wollen. Von daher ist grundsätzlich erst einmal nichts gegen das Free2Play-Konzept einzuwenden. Die Entwickler müssen sich jedoch unbedingt ihrer Verantwortung bewusst sein und dafür sorgen, dass die Spielerinnen und Spieler auch ohne teure In-Game-Käufe langfristig Spaß am Spiel haben können. Um zu vermeiden, für Free2Play-Games Geld auszugeben, können Nutzerinnen und Nutzer in den Smartphone-Einstellungen In-Game-Käufe komplett deaktivieren. Bei Spielkonsolen sollte in diesem Fall darauf verzichtet werden, Zahlungsdaten zu hinterlegen. Dann kann es nicht einmal zu einem versehentlichen Kauf von Bezahlinhalten kommen.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/kreditkarte-master-card-visa-karte-851506/

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