Um zukünftig besser gegen ausländische Online Casinos ohne eine deutsche Lizenz vorgehen zu können, sind sogenannte Netzsperren schon länger im Gespräch. Hierbei handelt es sich um ein IP-Blocking, infolgedessen Spielerinnen und Spieler aus Deutschland quasi ausgesperrt werden und nicht mehr auf das jeweilige Online Casino zugreifen können. Aber wie sinnvoll ist so eine Netzsperre und wäre sie überhaupt praktisch umsetzbar?

Seit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) am 1. Juli 2021 gelten in Deutschland zahlreiche neue Maßnahmen zum Spielerschutz. So beträgt die Mindestspieldauer fünf Sekunden, es darf höchstens 1 Euro pro Spin eingesetzt werden und es gibt zusätzlich ein Autospin-Verbot. Darüber hinaus wurde ein anbieterübergreifendes monatliches Einzahllimit in Höhe von 1.000 Euro eingeführt. Glücksspielanbieter, die die neuen GlüStV-Maßnahmen nicht umsetzen, werden keine deutsche Glücksspiellizenz erhalten. Interessant ist jedoch, wie mit den Online Casinos ohne deutsche Lizenz umgegangen wird. Aktuell sind wieder Netzsperren im Gespräch, die vermeiden sollten, dass Internetnutzer aus Deutschland überhaupt auf die Webseiten zugreifen können.

Wie funktionieren Netzsperren für Online Casinos?

Teilweise kommen Netzsperren in anderen Ländern wie zum Beispiel der Schweiz bereits zum Einsatz. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Sperrung nicht autorisierter Online-Glücksspiele per IP-Blocking in der Schweiz rechtens ist. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen, nachdem gleich vier auf Malta ansässige Glücksspielbetreiber Beschwerde eingelegt hatten.

In Deutschland hat man das IP-Blocking zumindest für die Online Casinos bisher aber noch nicht angewendet. Grundsätzlich sollen die Netzsperren gewährleisten, dass die Internetseiten der jeweiligen Online Casinos aus Deutschland heraus nicht mehr abrufbar sind. Dazu werden die Telekommunikationsanbieter behördlich angewiesen, die jeweiligen Online Casinos für Besucherinnen und Besucher mit deutscher IP-Adresse zu sperren.

Bereits im April dieses Jahres wurde bekannt, dass die neu gegründete Glücksspielbehörde eine Stellenausschreibung veröffentlicht hat, in der ein Sachbearbeiter für IP-Blocking gesucht wird. Das lässt den Rückschluss zu, dass die Behörde davon ausgeht, dass die Netzsperren im absehbaren Zeitraum eingeführt werden. Erst im Oktober berichteten wir darüber, dass die Glücksspielbehörde in Halle eine Doppelspitze bekommt.

Netzsperren sind einfach zu umgehen

Das Problem an den Netzsperren für Online Casinos ist, dass diese leider sehr einfach zu umgehen sind. Selbst ohne technisches Know-how ist es Nutzern im Handumdrehen möglich, das IP-Blocking zu umgehen. Das funktioniert ganz einfach über VPN, also über ein „Virtual Private Network“ (= virtuelles privates Netzwerk). Ein solches Netzwerk kann innerhalb weniger Minuten eingerichtet werden und macht die Netzsperren komplett wirkungslos. Es ist nämlich so, dass das VPN die IP-Adresse verschleiert, das System also nicht mehr zuordnen kann, aus welchem Land der Nutzer auf die Internetseite zugreifen will. Auf diesem Weg können User aus Deutschland theoretisch also auch weiterhin auf gesperrte Online Casinos zugreifen.

Es ist aber natürlich anzumerken, dass dieses Vorgehen keinesfalls im Sinne des Gesetzgebers ist. Zudem dürfte es deutlich schwieriger werden, in einem gesperrten Online Casino seinen Gewinnanspruch durchzusetzen, sollte der Anbieter eine Auszahlung beispielsweise verweigern.

Ein weiteres Problem der Netzsperren in Deutschland könnte darin bestehen, dass die Liste der geblockten Internetseiten in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden muss. Schließlich kommen immer neue Glücksspielanbieter auf den Markt und schon jetzt gibt es allein am deutschsprachigen Glücksspielmarkt eine gigantische Vielfalt an Online Casinos. In Anbetracht der Tatsache, dass Behörden häufig viel Zeit benötigen, um eine Entscheidung herbeizuführen, dürfte es also schwierig werden, alle nicht-lizenzierten Online Casinos immer direkt zu sperren.

Fazit

Die Netzsperren sind eine gut gemeinte Idee, um zukünftig gegen Online Casinos ohne eine deutsche Lizenz vorzugehen. Doch bei genauerem Hinsehen wird sehr schnell klar, dass es sich bei dieser Methode um ein weitgehend stumpfes Messer handelt. Warum? Ganz einfach: Mit wenigen Klicks und ohne technisches Know-how könnte jeder Spieler mithilfe eines VPN die Netzsperren umgehen und dann weiter wie vorher in den entsprechenden Online Casinos spielen. Des Weiteren müsste die Liste der gesperrten Anbieter in regelmäßigen Abständen aktualisiert und erweitert werden, damit Spieler wirklich keinen Zugriff auf illegale Anbieter haben. Eventuell könnte jedoch im Gegenzug die Hemmschwelle der Spieler erhöht werden, in gesperrten Online Casinos zu spielen (selbst wenn das dank VPN problemlos möglich wäre). Es bleibt also abzuwarten, ob Netzsperren für Online Casinos in Deutschland tatsächlich eingeführt werden.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/spinnennetz-netz-tau-tautropfen-921039/

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