Die Zeitungen „The Times“ und „The Guardian“ berichten, dass die britische Glücksspielbehörde eine Empfehlung ausgesprochen hat, Kreditkartenzahlungen beim Online-Glücksspiel zu verbieten. Das Verbot soll ab 14. April 2020 in Kraft treten.

Seit November 2019 gibt es eine Untersuchung zur Nutzung von Kreditkarten beim Online-Glücksspiel. Das Verbot von Kreditkartenzahlungen im Bereich des Glücksspiels im Internet ist in Großbritannien lange erwartet worden. Die Glücksspielbranche hatte lange dagegen gekämpft und wollte mit besseren Selbstlimits für den Spieler einem Verbot entgegenwirken. Jetzt wurde aber bekannt, dass es ein Gesetz für ein Verbot von Kreditkartenzahlungen im Glücksspielbereich in Großbritannien geben soll. Am 14. April soll das Verbot umgesetzt werden.

Was spricht für ein Verbot von Kreditkarteneinzahlungen im Glücksspielbereich?

In Großbritannien spielen laut aktuellen Angaben rund 24 Millionen Briten. 10,5 Millionen nutzen dafür Online-Glücksspielbetreiber. Ungefähr 800.000 Briten sollen zur Einzahlung Kreditkarten nutzen. Untersuchungen der britischen Glücksspielbehörde ergaben, dass rund 22% der Spieler, die Kreditkarten zur Einzahlung nutzen, als Problemspieler eingestuft werden müssen.

Neil McArthur ist der amtierende Geschäftsführer der britischen UK Gambling Commission und begründete den Schritt wie folgt:

Das Glücksspiel mit Kreditkarten kann zu erheblichen finanziellen Schäden führen. Das heute angekündigte Verbot sollte das Risiko minimieren, dass Verbraucher durch das Spielen mit nicht vorhandenem Geld Schaden nehmen.

In seiner Begründung führt der Geschäftsführer aus, dass der UK Gambling Commission Fälle bekannt sind, bei denen ein Spieler nur durch die Verfügbarkeit von Kreditkarten mehrere Zehntausende Pfund Schulden angehäuft hat. Es gibt auch Hinweise, dass die Gebühren, welche bei Kreditkartenzahlungen anfallen können, die Situation der Spieler eventuell verschärfen. Die Verluste seien höher durch die Gebühren und die Risikobereitschaft bei einigen Spielern würde steigen, um das verlorene Geld zurückzugewinnen.

Neil McArthur beschreibt ebenfalls einen Zwiespalt bei der Entscheidung:

Wir sind uns bewusst, dass diese Änderung den Verbrauchern, die verantwortungsbewusst mit Kreditkarten umgehen, Unannehmlichkeiten bereiten wird. Wir sind jedoch überzeugt, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Risiko von Schäden für andere Verbraucher zu verringern.

Kulturministerin für die Entscheidung zum Verbot

Die britische Kulturministerin Helen Whately hat sich zur Entscheidung zu Wort gemeldet. Sie ist sich bewusst, dass Millionen Briten verantwortungsbewusst spielen. Sie habe aber ebenfalls auch Menschen getroffen, deren Leben durch die Spielsucht auf den Kopf gestellt wurde.

Für sie steht fest, dass es immer zu Problemen kommt, wenn Spieler mit Geld wetten, was sie eigentlich nicht besitzen. Whately findet es daher angebracht, dass alles unternommen wird, um die Briten davor zu bewahren. Sie verspricht sogar:

Wir werden nicht zögern, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Menschen vor Schäden durch Spielsucht zu schützen.

Für welche Glücksspielarten gilt das Kreditkartenverbot?

Das Verbot von Kreditkartenzahlungen wurde für Online- und Offline-Glücksspielprodukte mit Ausnahme von Lotterien, die für einen guten Zweck sammeln, beschlossen. Die britische Glücksspielkommission teilte mit, dass Tickets für diese besonderen Lotterien und die Nationale Lotterie weiter in Supermärkten und an Zeitungsgeschäften mit Kreditkarte gekauft werden können, solange sie mit anderen Nicht-Glücksspiel-Produkten gekauft werden.

Diese Regelung gäbe es, da es eine "unverhältnismäßige Belastung für Einzelhändler" sei, Kreditkartenzahlungen zu stoppen, wenn Lotterietickets ein Teil eines größeren Einkaufs sind. Man weißt gesondert daraufhin, dass Lotterien die niedrigste Rate an Problemspielern aufweisen.

Keine Neuerung ohne Kritik

Einigen Politikern geht das Verbot noch nicht weit genug. Die Labour-Abgeordnete Carolyn Harris ist die Vorsitzende der Allparteien-Fraktion für Glücksspielschäden. Sie hat sich für ein strikteres Verbot in Sachen Zahlungsverkehr ausgesprochen:

Es geht darum, dass Leute mit Geld spielen, das sie nicht haben. Ich würde auch gern sehen, dass die Banken es ablehnen, wenn Kunden ihren Dispositionskredit nutzen, um zu spielen.

Kritiker sehen in dem Verbot jedoch die Gefahr, dass Problemspieler auf Glücksspielangebote zurückgreifen, welche keine britische Glücksspiellizenz aufweisen. Außerdem könnten sie sich Geld zu überhöhten Zinsen leihen wollen, damit sie weiterspielen können. Das würde die finanzielle Situation eines Betroffenen noch einmal verschärfen.

Weitere Neuerung: Ab März 2020 müssen GamStop alle Glücksspielanbieter nutzen!

Eine weitere Neuerung tritt am 31. März 2020 in Kraft. Das britische Selbstausschlusssystem GamStop, welches bereits von vielen britischen Online Casinos und Buchmachern genutzt wird, wird zur Pflicht.

Brigid Simmonds ist Vorsitzende des Branchengremiums Betting and Gaming Council (BGC). Aus Sicht des Gremiums ist man erfreut über die Entscheidung der Branche für Gamstop:

Die BGC hat sich dazu verpflichtet, die Standards zu erhöhen, das Glücksspiel sicherer zu machen und Änderungen vorzunehmen. Wir begrüßen daher nachdrücklich die Forderung aller Unternehmen, GamStop beizutreten, um weiterhin entschlossen zu sein Standards in der Industrie zu erhöhen.

In Bezug auf das Kreditkartenverbot hat man sich ebenfalls ehrgeizig gezeigt. Die Vorsitzende kommentierte die Neuerung wie folgt:

Wir werden ein Kreditkartenverbot einführen, das Maßnahmen wie Altersüberprüfung, Schadensmarker und Erschwinglichkeitsprüfung, zusätzliche Mittel für Forschung, Ausbildung und Behandlung sowie neue Verhaltensregeln zum Schutz der Verbraucher beinhaltet.

In Großbritannien scheint wieder einmal Bewegung in die Branche zu kommen. Die UK Gambling Commission möchte die Glücksspielbranche immer besser regulieren. Es bleibt wohl abzuwarten, was mit den VIP-Programmen geschieht, die seit einiger Zeit in der Kritik stehen.

Bildquelle: AdobeStock 292301670; Closed access to credit cards, blocked, lock. A stack of credit cards and a padlock with a chain on a laptop keyboard; ©adragan 

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