Macau ist heute als Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China und Zockerparadies für Chinesen und Leute aus Hongkong bekannt. Im Jahr 2019 konnte die Sonderverwaltungszone einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Beim Glücksspiel verzeichnete man aber eher Umsatzeinbußen.

Seit mehreren Jahrzehnten steht Macau für Glücksspiel in Asien. Es gibt Casino-Resorts nach dem Vorbild von Las Vegas und Touristen aus aller Welt, die nur zum Zocken kommen. Mehr als 39 Millionen Besucher soll Macau laut offiziellen Statistiken im Jahr 2019 verzeichnet haben. Es entspricht einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr, über den sich vor allem die Offiziellen der Sonderverwaltungsfirma freuen werden.

Macau kann dabei auf eine recht bewegte Geschichte zurückblicken. Was als großer Handelsstützpunkt den Europäern in der Vergangenheit diente, wurde zu einem großen Zockerparadies. In dem Artikel möchte ich versuchen ein paar Details für die Zocker-Metropole Macau zu geben.

Die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte Macaus

St. Pauls Kathedrale in MacauMacau liegt an der südöstlichen Küste von China. Die Sonderverwaltungszone ist knapp 60 Kilometer westlich von Hongkong gelegen. Macau kann auf rund 6.000 Jahre der Besiedlung zurückschauen, wobei das Land einstmals Bauern und Fischern gehörte.

Der erste Europäer in Macau war der portugiesische Seefahrer Jorge Alvarez im Jahr 1513. Portugal war am Handel mit China interessiert. Das Kaiserreich war aber gegen Einflüsse von außen. 1557 musste die Insel Macau dennoch an Portugal abgetreten werden, da die Portugiesen China militärisch überlegen waren. Macau wurde fortan europäischer Handelsstützpunkt. Portugal versuchte auch die europäische Kultur zu etablieren und baute dort Kirchen, Festungen und weitere administrative Gebäude. In den folgenden Jahrzehnten florierte der Handel mit Tee, Seide und Gewürzen.

Mit dem wirtschaftlichen Niedergang Portugals im 17. Jahrhundert beginnen auch die wirtschaftlichen Probleme für Macau. Niederländer und Briten entdecken Asien für ihre Handelsbeziehungen. Zudem wird der Opiumhandel immer wichtiger, der hauptsächlich über Macau stattfand. 1842 waren die Chinesen den Briten im Opiumkrieg unterlegen, fortan gewinnt Hongkong als britischer Hafen und Exporteur von Opium an Bedeutung. Macau steht Anfang der 1850er Jahre vor der Bedeutungslosigkeit.

Glücksspiel als neuer Wirtschaftsmotor im 19. Jahrhundert

Der portugiesische Gouverneur Isidoro Francisco Guimarães hatte nach 1851 die Idee, das Glücksspiel und die Wetten in Macau zu legalisieren. Zwar hatte er zu seiner Zeit nur bescheidenen Erfolg mit dieser Idee, aber seine Vorstellungen hatten große Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert in der portugiesischen Kolonie.

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist in Macau relativ ruhig. Im 2. Weltkrieg ist Macau (wie Portugal) neutral. Die Briten aus Hongkong suchen teilweise in Macau vor den Japanern Schutz. Diese greifen die Insel nicht an, da es die Neutralität Portugals gefährden könnte.

In Portugal endete 1974 die Diktatur von António de Oliveira Salazar, der Estado Novo zerfiel durch die Nelkenrevolution. Die neue demokratische Regierung ist bestrebt, die eher kostspieligen Kolonien loszuwerden. Portugal bietet China Macau an, die Volksrepublik lehnt jedoch ab. Daraufhin zieht Portugal alle Truppen ab und erklärt Macau zum „chinesischen Territorium unter portugiesischer Verwaltung mit vollständiger innerer Autonomie“.

1987 wird in den Hongkong-Verhandlungen ebenfalls über Macau entschieden. Es wird daraufhin am 20. Dezember 1999 zu den gleichen Bedingungen wie Hongkong an China zurückgegeben und ist seitdem eine Sonderverwaltungszone. 

Im Jahr 2005 wurde Macau als ein "herausragendes Beispiel für ein erfolgreiches Neben- und Miteinander östlicher und westlicher Kulturen" gewürdigt. Das historische Zentrum mit einer durch die traditionelle chinesische Kultur geprägten Altstadt und die portugiesischen Bauwerke aus der Kolonialzeit wurden zum Weltkulturerbe erklärt. Vor der Bauwut der ausländischen Investoren sind sie so geschützt.

Trotz Übernahme Chinas keine neue politische Ausrichtung

China ändert wirtschaftlich nichts an der Ausrichtung von Hongkong oder Macau. In Hongkong bleibt Glücksspiel streng verboten. In Macau tastet man die Casinos nicht an. Im Gegenteil, der Glücksspielsektor wird weiter ausgebaut.

Bis 2002 gab es dabei ein Glücksspielmonopol, welches von der Sociedade de Turismo e Diversões de Macau gewährleistet wurde. Erst 2002 konnten sich mehrere Investoren am Glücksspielsektor beteiligen. Damals wurden drei Lizenzen vergeben. Der chinesische Magnat Stanley Ho und zwei amerikanische Unternehmen erhielten die ersten Glücksspielkonzessionen.

In den folgenden Jahren gibt es neue Investitionen durch ausländische Unternehmen. Es entstehen Hotelkomplexe, Shoppingmeilen und Event-Locations. Durch Landaufschüttungen wird zudem die Fläche der Insel vergrößert. Derzeit leben rund 600.000 Menschen auf einer Fläche von 115 Quadratkilometern.

Macau 2019: Ein boomendes Glücksspielparadies?

Die offiziellen Polizeistatistiken zeigen, dass die Zahl der Besucher auf 39,4 Millionen Touristen im Jahr 2019 gestiegen ist, was einer Steigerung um 10% gegenüber 2018 entspricht. 28 Millionen Chinesen kamen dabei vom Festland. Alle anderen Touristen kamen vor allem aus Hongkong, Singapur, Indonesien, den Vereinigten Staaten, Südkorea, Taiwan, Japan, Australien, den Philippinen, Indien, Australien und Thailand.

Insgesamt muss aber gleichzeitig vermerkt werden, dass die Anzahl der Übernachtungen von Touristen in Hotels um 1,7% gegenüber den Vorjahr zurückgegangen ist. Macau hat schätzungsweise 38.700 Hotelzimmer für Übernachtungen. Dennoch befinden sich 18 Hotelprojekte derzeit im Bau und 24 Bauprojekte sollen für die Zukunft noch in diesem Jahr begonnen werden. So sollen noch einmal 11.000 neue Betten in verschiedenen Hotels entstehen.

Insgesamt blieb Macau hinter den eigenen Prognosen zurück, da man mit 40 Millionen Touristen für 2019 gerechnet hatte. Als Gründe für die schlechte Bilanz wird der Handelskrieg zwischen China und den USA angeführt. Die chinesische Wirtschaft ist ferner zunehmend geschwächt und die Unruhen in Hongkong führten zu einem Rückgang des Tourismus aus der Nachbarinsel.

Für 2020 hat Macau viele Hoffnungen. Neben einer Beilegung des chinesischen-amerikanischen Handelskrieg setzt man vor allem auf den indischen Markt. 120.000 Touristen kamen 2019 aus Indien. In einer neuen Umfrage kam heraus, dass 70% der Besucher aus Indien wieder nach Macau kommen möchten. 96% von ihnen würden Macau als Reiseziel ebenfalls der Familie und Freunden empfehlen.

Wie stark ist der Glücksspielsektor in Macau?

Bis zur Öffnung des Glücksspielmarktes war der Glücksspielsektor für bis zu 60% des Bruttoinlandsproduktes von Macau verantwortlich.

Macau hat mittlerweile 38 Casinos, wobei The Venetian Macao von der Las Vegas Sands Company das größte Casino darstellt. Die wichtigsten anderen Casinobetreiber sind die SJM Holdings und Galaxy Entertainment. Die meisten Casinos in dem Zockerparadies sind 24 Stunden geöffnet. Neben normalen Spielautomaten wird eine breite Auswahl an Casinospielen wie Blackjack, Baccarat, Roulette, Poker, Sic Bo, Keno, Boule und Fan-Tan geboten.

Wetten kann man ebenfalls in Macau, dafür gibt es eine Pferderennbahn und eine Windhund-Rennbahn. Der Macau Jockey Club gilt mit 1.400 Angestellten und 1.100 zeitweise Beschäftigten als größter Arbeitgeber Macaus.

Die Bruttospieleinnahmen der Casinos lagen im Jahr 2018 bei 302,85 Milliarden Patacas (etwa 33,84 Milliarden Euro). 2018 freuten sich die Unternehmen über einen Anstieg der Umsätze um mehr als 16% gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2019 fielen die Umsätze deutlich schlechter aus.

Im September 2019 konnten die Casinos beispielsweise lediglich einen Umsatz von 22,1 Milliarden Patacas (rund 2,47 Milliarden Euro) generieren. Gegenüber dem Vorjahr war es nur eine Steigerung um 0,6%. Das war eine Überraschung, da durch den Taifun Mangkhut im September 2018 die Casinos in Macau zum ersten Mal in der Geschichte 33 Stunden geschlossen bleiben mussten.

Daraufhin hatte die Bankengruppe Morgan Stanley die Prognose für den Glücksspielumsatz im Jahr 2019 angepasst. Man rechnet mit einem Rückgang um 3%. Für 2020 prognostiziert man hingegen einen Anstieg um 3%.

Problematisch sieht man vor allem, dass die VIP-Einnahmen aus China zurückgegangen sind. Zwar rechnet man für das Ende 2019 und den Beginn 2020 mit einer Steigerung der VIP-Einnahmen, es wird aber die Verluste nicht ausgleichen können.

Doch selbst mit der schwächelnden Wirtschaft gilt Macau als größtes Spielerparadies. Die amerikanischen Zockerparadiese Las Vegas und Atlantic City sind weit abgeschlagen. Am Strip im Las Vegas wurden 2018 beispielsweise nur 11,9 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist überraschend, da Las Vegas etwa 150.000 Hotelräume bietet. Im Jahr 2017 hatte man 42,9 Millionen Besucher.

Trotz der erfolgreichen Tourismuszahlen deuten die wirtschaftlichen Zahlen jedoch auf kleinere Probleme hin. Die Diskussionen um die Gesichtserkennungssoftware in den Casinos von Macau werden dabei nicht für gute Publicity gesorgt haben. Den Besucherstrom hat es aber keine Abbruch bedeutet.

Bildquelle: AdobeStock  67823536, Macau  ©eyetronic; AdobeStock 130061176, Macau Ruins of St. Paul's ©vichie81

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