Ein Bericht zu den Durchsetzungsbemühungen der schwedischen Regulierungsbehörde Spelinspektionen auf dem Online Glücksspielmarkt kommt zu dem Schluss, dass viele Lizenznehmer „nicht an ihren Regulierungsansatz gewöhnt“ sind.

In Schweden werden immer wieder teilweise recht empfindliche Strafen gegen Glücksspielunternehmen ausgesprochen, die sich nicht an die Regulierungsvorgaben der Konzessionen für Online Glücksspiel haten. Laut Ansicht der schwedischen Regulierungsbehörde Spelinspektionen ist ein Grund für die Anzahl an Strafen, dass die Lizenznehmer nicht an streng verwaltete Märkte gewöhnt sind.

Welche Gründe gibt es für Verstöße gegen das schwedische Glücksspielrecht?

Man sieht zwar ebenfalls die Sprachbarrieren als Problem, weist aber darauf hin, dass in anderen Gerichtsbarkeiten Vereinbarungen mit Betreibern getroffen werden können, wenn diese gegen Lizenzauflagen verstoßen. Im schwedischen Recht wären solche Praktiken „völlig fremd“.

Das Argument der Unklarheit der Vorschriften hatte man zurückgewiesen, es handele sich dabei nur um Entschuldigungen der Betreiber. In dem Bericht heißt es aus diesem Grund:

Spelinspektionen stellt fest, dass die Glücksspielunternehmen in vielen Fällen Unklarheiten in den neuen Bestimmungen als Gründe für Verstöße anführen. […]

Bisher waren [diese Verstöße] bei ihren Inspektionen nicht das Ergebnis unklarer Vorschriften. Im Gegenteil, die Verstöße waren schwerwiegend und eindeutig.

Statistik über die Maßnahmen der Regulierungsbehörde bis August 2019

Spelinspektionen hat im ersten Jahr der schwedischen Online Casino Lizenzen bis zum 30. August 2019 genau 41 Untersuchungen eingeleitet. Von denen wurden 28 Prüfungen bisher abgeschlossen, 13 Untersuchungen laufen noch.

Im Bereich der abgeschlossenen Untersuchungen wurden 19-mal Geldbußen und Verwarnungen ausgesprochen, in 18 Fällen hätten die betreffenden Betreiber die Entscheidungen angefochten.

12 Ermittlungen hätten Sportwettenanbieter betroffen, die Wettquoten auf Spiele von Minderjährigen angeboten haben, was laut Vorschriften der Lizenz nicht erlaubt ist. Als letztes wurden verschiedene Portale der Cherry-Gruppe deswegen bestraft. ComeOn wurde zu einer Geldbuße von 886.000 Euro verurteilt, Snabbare sollte 560.000 Euro und Hajper rund 420.000 Euro an Strafe zahlen. Die Geldbuße betrug dabei ungefähr 0,1% des monatlichen Wettumsatzes der jeweiligen Buchmacher.

6 Glücksspielbetreiber haben gegen Bonusangebote verstoßen. In Schweden dürfen Spieler nur einen Bonus in ihrer gesamten Spielkarriere erhalten. Sie hatten den Spielern weitere Boni gewährt.

In 3 Fällen hatten Glücksspielbetreiber es versäumt, dass einheitliche Sperrsystem Spelpaus.se zu integrieren. Eigentlich gesperrte Spieler konnten sich neu bei Glücksspielanbietern registrieren. Dafür wurden ebenfalls Strafen ausgesprochen.

In 2 Untersuchungen wurden „Schattenlotterien“ unter die Lupe genommen. Es handelt sich dabei um Lotterie-Wettanbieter, welche ebenfalls nicht erlaubt sind laut schwedischen Glücksspielgesetz.

In einem weiteren Fall ging es um Geldwäsche und Richtlinien, die in Bezug auf Geldwäsche nicht erfüllt wurden. Global Gaming wurde daraufhin die Lizenz von der schwedischen Regulierungsbehörde entzogen. Damals warnten Vertreter der Regulierungsbehörde alle Glücksspielanbieter:

Wenn ein Glücksspielunternehmen schwerwiegendere Verstöße begeht, kann es sein, dass es nicht mehr als für den Besitz einer Lizenz geeignet angesehen werden kann, und dann wird die Konzession widerrufen.

Fazit: Anbieter müssen sich erst auf Forderungen von Spelinspektionen einstellen

Seit Januar 2019 ist in Schweden das Online Glücksspiel legal. Es gibt eine schwedische Glücksspiellizenz, die mittlerweile mehr als 70 Online Glücksspielanbieter beantragt haben. Nach Angaben von Spelinspektionen und der schwedischen Steuerbehörde erzielten lizenzierte Betreiber in Schweden im zweiten Quartal einen Nettoumsatz von 560 Millionen Euro. Der schwedische Markt ist folglich nicht so klein wie man immer denkt.

Die meisten Glücksspielanbieter, welche in Schweden aktiv sind, haben ebenfalls Glücksspiellizenzen von der Malta Gaming Authority und der UK Gambling Commission. Vor allem letztere geht regelmäßig gegen Glücksspielanbieter vor, die sich nicht an deren Vorschriften halten. Es wirkt ein wenig merkwürdig, wenn Spelinspektionen behauptet, dass die Anbieter „nicht an ihren Regulierungsansatz gewöhnt“ sind, aber vielleicht ist in Schweden die Auslegung des Gesetzes ein wenig härter als in anderen Ländern. Auf jeden Fall zeigt das Beispiel Schweden, dass man Online Glücksspiel  zuverlässig regulieren kann, wenn es eine strenge und starke Glücksspielbehörde in einem Land gibt.

Vor dem Hintergrund des „blauen Briefs“ an Deutschland zur 3. Änderung des Glücksspielstaatsvertrages ist das noch einmal wichtig. Die EU-Kommission hatte dort auch bemängelt, dass Deutschland immer noch keine Untersuchungen in Sachen Online Glücksspiel anstrebt, um ein Totalverbot von Online Casinos weiterhin zu rechtfertigen. Schweden zeigt, eine Regulierung ist möglich, ohne dass der Spielerschutz leidet, zumindest wenn man Verfehlungen der Casinobetreiber konsequent nachgeht.

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