Buchmacher haben es derzeit äußerst schwer erfolgreich ihrer Arbeit nachzugehen. In der Regel spiegeln ihre festgelegten Quoten die Wahrscheinlichkeit wider, mit der bestimmte Ereignisse eintreffen. Dabei bedienen sie sich einer Vielzahl an Statistiken und berücksichtigen eine ebenso große Anzahl an Einflussfaktoren. Die Corona-Pandemie hat auch die Sportwelt ordentlich durcheinandergebracht. Nach einem langen Frühlingsschlaf rollt der Ball jetzt wieder in der Bundesliga, wenn auch vor leeren Stadien. Die gesamte Situation stellt Buchmacher vor eine nie dagewesene Herausforderung.

Was sind Geisterspiele?

Bei Geisterspielen handelt es sich um Spiele, die aufgrund der Sicherheitsbestimmungen, vor nahezu leeren Zuschauerrängen stattfinden. Die Spiele finden derzeit in Deutschland komplett ohne Fans statt, Teambetreuer und Fachpersonal sind aber am Spielfeldrand selbstverständlich anwesend. Von den grollenden Fankurven aber, die stimmungsvoll die Ränge beleben, muss man sich für diese Saison verabschieden.

Vorteil von Geisterspielen: Der Trainer gewinnt an Bedeutung im Spiel

Einer der wenigen Vorteile der Geisterspiele wird hingegen für Fußballenthusiasten die Möglichkeit sein, die Kommandos und taktischen Anweisungen der Trainer mitzuhören. Ebendiese verunsichern aber auch die Buchmacher bei ihrer Quotenermittlung. Denn im Vergleich zu früher können die taktischen Anweisungen während des Spiels viel klarer und eindeutiger von den Spielern vernommen werden.

Demnach könnte der Trainer während des Spiels, durch seine dauernden Anweisungen die Mannschaft besser dirigieren. Folglich stellt der Trainer und nicht mehr der Fan, den zwölften Mann auf dem Platz dar. Das wäre im Vergleich zu vollen Stadien, ein Einflussfaktor den der Buchmacher fortan berücksichtigen müsse. Denn Trainer mit einer klaren und deutlichen Ausdrucksweise, die durchgehend mit der Mannschaft kommunizieren, könnten im Vergleich zu ruhigeren Trainern im Vorteil sein.

Nachteil von Geisterspielen: Heimvorteil verliert an Bedeutung

Der Verlust der vollen Gesangskurven jedoch, stellt eine Belastung für Vereine und Fans gleichermaßen dar. Den Vereinen fehlen die Anfeuerung bei Heimspielen sowie bedeutende Einnahmen durch Tickets und Catering. Es fällt zwar ein Großteil des Heimvorteils weg, aber ganz wird er nicht neutralisiert. Denn schließlich muss der Gegner die Anreise antreten und auf einem anderen Spielfeld als gewöhnlich spielen. Darüber hinaus würden die Kontrollmaßahmen und Sicherheitsvorkehrungen bei überregionalen und internationalen Spielen die Spieler weiteren Strapazen aussetzen.

Selbst für die Fernsehzuschauer sind die stimmungslosen Spiele ohne jegliche Emotion gewöhnungsbedürftig. Siegestreffer in der allerletzten Minute werden nicht mehr von den emotionalen Jubelexzessen auf den Rängen begleitet. Selbst der Jubel auf dem Platz fällt verhaltener aus, da Spieler darauf hingewiesen wurden, sich beim Torjubel nicht in die Arme zu fallen. An das alles müssen sich die Fußballwelt und auch die Buchmacher zukünftig gewöhnen.

Wie beeinflussen Geisterspiele die Quoten?

Geisterspiele und die soeben beschriebenen Umstände beeinflussen natürlich auch den Spielverlauf. Es fehlt die gewohnte Anfeuerung der Fans, welche die Heimmannschaft anspornen, um einen aussichtslosen 1:4 Rückstand doch noch umzudrehen.

Des Weiteren können lautstarke Heimfans auch die Schiedsrichterentscheidungen beeinflussen. Beispielsweise indem sie ein mittelschweres Foul mit lautstarken Pfiffen quittieren, sodass der Schiedsrichter eher eine Gelbe Karte zückt, als keine. Diese und weitere Einflüsse berücksichtigt der Buchmacher in der Regel bei seiner Quotenermittlung. Dabei treibt der Heimvorteil die Quote nach unten, was sich in einer höheren Siegeswahrscheinlichkeit des Heimteams ausdrückt.

Diese und weitere Faktoren müssen jetzt aber bei der Quotenermittlung ausgeklammert werden. Eine besondere Schwierigkeit in der Berechnung der Quoten stellen eher neutrale Spiele dar. Durch die leeren Ränge fehlen die wichtigen Interaktionen der Fans, die ein Spiel mitentscheiden können. Für Buchmacher bringt es neue Ungewissheiten bei der Bestimmung der Quoten mit sich.

Eine weitere Unsicherheit ist die Reaktion der Spieler auf die Krise. Viele Buchmacher fragen sich, wie die Spieler mit dieser unerwarteten Pause umgegangen sind. Die Folgen der Krise auf die Leistung und die mentale Verfassung, können selbst Spitzenteams vor neuen Herausforderungen stellen. All diese Faktoren muss nun der Buchmacher bei der Neuermittlung seiner Quoten berücksichtigen!

Valuebets auf Favoritensiege!

Quoten drücken die Wahrscheinlichkeit aus mit der ein bestimmtes Ereignis eintrifft. Höhere Quoten stehen für unwahrscheinlichere Ereignisse. Jedes Mal, wenn der Buchmacher eine Quote festlegt, versucht er dafür zu sorgen, dass die Wettquote mit der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis eintrifft, perfekt übereinstimmt. Wenn der Buchmacher diese aber falsch einschätzt und davon abweicht, kann es zu einer Valuebet seitens des Kunden kommen. Wenn also die Quote des Buchmachers höher ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis eintrifft, profitiert man durch das Platzieren einer Wette. Denn im Falle eines Sieges liegt der Gewinn höher, als das Eintreffen des Ereignisses eigentlich gerechtfertigt hätte.

 

Man spricht von einer Valuebet, wenn die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen größer ist, als es die eigentliche Wettquote des Buchmachers erahnen lässt.

(P x Quote)/100) > 1  

P= Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen eines Ereignisses

Quote = Vom Buchmacher für das Spiel festgelegte Quote

>1 = liegt das Ergebnis ÜBER 1, handelt es sich um eine Valuebet.

Ein Beispiel anhand der Bundesligaergebnisse von letzter Woche veranschaulicht das Konzept von Valuebets besser. Der FC Bayern München war vor der Unterbrechung der Bundesliga in einer überragenden Form. Dementsprechend lag die geschätzte Siegwahrscheinlichkeit der meisten Buchmacher für das Spiel bei Union Berlin vor der Krise bei 90%. Nach der Zwangspause wurde der Optimismus der Buchmacher verhaltener und somit stiegen die Quoten. Der Grund hierfür, war die Befürchtung, dass die Pause, die Siegesserie der Mannschaft negativ beeinflussen würde. Nach der Krise haben die Sportwettenanbieter nämlich die Gewinnwahrscheinlichkeit von Bayern auf 78% reduziert. Dadurch sind die Quoten auf einen Sieg gegen Union Berlin gestiegen.

Der FC Bayern schien jedoch von der Krise auf dem Platz nicht viel gespürt zu haben. Denn man gewann gegen Union Berlin im ersten Spiel nach der Pause äußerst souverän mit 2:0. Demnach scheint die höhere Quote für einen Sieg der Bayern ungerechtfertigt gewesen zu sein.

Das Gleiche gilt auch für Borussia Dortmund. Hier lagen die Quoten für einen Sieg von Borussia Dortmund deutlich höher als vor der Unterbrechung. In diesem Fall schien die Krise ebenfalls der Siegesserie des BVB nichts anzuhaben. Dem BVB gelang nämlich ein überragender 4:0-Heimsieg gegen Schalke 04.

Es gab vor der Wiederaufnahme der Bundesliga von einigen Wettexperten den Ratschlag, auf höhere Spielergebnisse zu setzen, da mehr Tore fallen würden. Noch ist es früh zu sagen, ob sich dies bewahrheiten könnte oder nicht. Nach dem ersten Spieltag wurden in 9 Spielen über 27 Tore geschossen. Das entspricht dem ungefähren Durchschnitt der vergangenen Bundesligasaison 2018/2019 von 3,18 Treffern.

Geisterspiele bedrohen die Existenz der Bundesliga

Ein Drittel der Bundesligavereine steht vor immensen Belastungen. Der Wegfall der Zuschauereinnahmen stellen Vereine vor großen Herausforderungen. Zumal die Situation mit den Geisterspielen in die neue Saison reichen kann. Dieser Zustand könnte vielen Vereine, die in den letzten Jahren große Investitionen getätigt haben, zum Verhängnis werden. Schalke 04 ist zum Beispiel ein Verein mit über 200 Millionen Euro Schulden. Man vertraute in Gelsenkirchen auf die Einnahmen aus Eintritts- und Fernsehgeldern. Mit dem Abdrehen dieses Geldhahns jedoch, steht Schalke sowie viele weitere Vereine in der Bundesliga vor großen Schwierigkeiten. Viele Fans zeigen sich indessen ihren Vereinen gegenüber solidarisch. Zahlreiche Anhänger angeschlagener Vereine haben nämlich auf eine Erstattung ihrer Saisondauerkarten verzichtet. Damit erhofft man sich den ohnehin schon angeschlagenen Vereinen, etwas Luft zu verschaffen.

Kürzlich hat der Pay-TV Sender SKY 230 Millionen für die Übertragung der restlichen Bundesligaspiele den Vereinen zur Verfügung gestellt. Diese Summe soll den Vereinen helfen, sich vorerst über Wasser zu halten.

Dies alles könnte die Vereine zu einer Umstrukturierung ihrer Ausgaben zwingen, was wohl viele Fans begrüßen würden. Demnach haben Vereine bereits geplante Großtransfers, die mehrere Millionen Euro gekostet hätten, abgesagt. Stattdessen möchte man vermehrt auf Jugendarbeit setzen, um somit die Ausgaben zu minimieren.

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