Während der Corona-Pandemie wurden Sportevents weltweit eingestellt. Das hat auch die Sportwettenanbieter hart getroffen. Langsam soll sich aber die Lage ein wenig normalisieren.

Die Zwangspause hatte die Sportwettenanbieter teilweise hart getroffen. Da es keine Fußballspiele oder US-Sports mehr gab, musste der Milliardenmarkt der Sportwetten pausieren. Die Folge war, dass auf Randsportarten, eSports, aber auch Partien gewettet wurde, die es gar nicht gegeben hat.

Mittlerweile gibt es wieder Geisterspiele im Fußball und Geisterrennen in der Formel 1, sodass sich auch der Sportwettenmarkt langsam erholen kann. Die meisten Sportwettenanbieter atmen aus dem Grund auf.

Sportwetten in der Corona-Krise – Tischtennis und „Phantom-Spiele“

Durch den Lockdown haben einige Sportwettenanbieter zeitweise einen Totalverlust erlitten. Ein Großteil der Spieler hat während des Lockdowns keine Wetten abgegeben. Einige Tipper sind aber auch verzweifelt auf andere Sportereignisse umgestiegen. Bet-at-Home berichtet, dass zeitweise Tischtennis zur populärsten Sportart auf dem Portal gehörte. Insgesamt traf das Unternehmen der Lockdown aber verhältnismäßig milde. 60% des Umsatzes werden durch Casinospiele und Poker generiert, man verzeichnet folglich keinen Totalverlust.

Auf viertklassige Fußballspiele in der Ukraine wurde ebenfalls gewettet. Die Daten wurden von der Datenfirma BetGenius den Wettanbietern zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hätte laut eigenen Angaben Mitarbeiter (sogenannte Daten-Scouts) zur Datenerhebung vor Ort gehabt.

Der WDR hatte in den vergangenen Tagen berichtet, dass es 99,9% der Spiele nicht gab, auf die man teilweise wetten konnte. Fransesco Baranca ist Ethikchef des ukrainischen Fußballverbandes. Bereits im April 2020 gab es erste Zweifel über die Spielereignisse. Das Mitglied des ukrainischen Fußballverbandes kommentierte den Fall wie folgt:

Wir wurden von diversen Wettanbietern kontaktiert: aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Australien, USA, Asien - überall wurden auf diese ukrainischen Spiele gewettet und so kamen hohe Millionensummen zusammen. Doch zu 99,9 Prozent gab es diese Spiele in der Ukraine überhaupt nicht.

BetGenius hatte damals angegeben, dass man Beweise durch die Daten-Scouts hätte. Daten-Scouts sind unerlässlich in dem Geschäft. Sie übermitteln unter anderem Tore, rote Karten und Ergebnisse. Diese Daten haben Einfluss auf die Wettquoten und führen zur Auszahlung der Wetten.

Der Wettanalyst Ivo Romano meinte, dass ein Spiel des FC Berdjansk Aufsehen erregte. Der Entstand war 1:5 und die meisten Tore sind in der zweiten Hälfte gefallen. Der Wettanalyst hatte die UEFA und den ukrainischen Fußballverband aus folgendem Grund alarmiert:

Irgendjemand wusste, wie das Spiel ablaufen wird. Vor allem wurde auf die Gesamtanzahl der Tore gewettet und welches Team das nächste Tor erzielen wird. Meiner Meinung nach wurde ganz klar manipuliert. Die auffälligen Wetten wurden während der kompletten zweiten Spielhälfte platziert.

Mittlerweile hat man 17 merkwürdige Spiele gesichtet. Sie sollen in ukrainischen und russischen Ligen stattgefunden haben. Die Behörden ermitteln, erste Spuren sollen zur ukrainischen Mafia führen. Vor allem im asiatischen Markt hätte man so hohe Beträge abgreifen können.

Von Normalität kann keiner reden

Mathias Dahms ist Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes und vertritt die Interessen der Sportwettenanbieter in Deutschland. Er meint, dass die Normalität ein großes Stück entfernt ist. Vor dem Lockdown konnte man für 2019 ein Gesamtwetteinsatz von 9,3 Milliarden Euro als neuen Erfolg für Deutschland verbuchen. Dann folgte der Totalverlust. Die Umsätze bei den Sportwetten tendierten während der Corona-Krise über Nacht gegen Null. Aktuell seien die Umsätze im Sportwettenmarkt erst bei etwa zwei Dritteln der Umsätze vor Corona.

Generell sind Sportwettenanbieter den Konsumtrends unterlegen. Das Konsumverhalten ist längst nicht wie früher. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und Einschränkungen im Alltag zeigen sich auch um Wettverhalten. Dahms beschrieb es so:

Geld für Sportwetten kommt aus dem Freizeitbudget und Freizeit ist in den Köpfen der Menschen noch nicht wieder richtig angekommen. Sorgen um den Arbeitsplatz und Einschränkungen im Alltag schlagen auf das Wettverhalten durch.

Mit den Geisterspielen kamen auch neue Herausforderungen für die Sportwettenanbieter. Die Berechnung der Quoten ohne Zuschauer war schwieriger, da bisher wenige Erfahrungen durch die Sportwettenanbieter gesammelt werden konnten. Das Portal „Youpriboo.com“ hatte einmal die ersten vier Spieltage des Beginns der letzten Saison mit dem Beginn der Geisterspiele verglichen. Man wertete es als Beginn einer neuen Saison.

Aus den Analysen haben sie dabei einige Aussagen ableiten können. Der Heimvorteil ist nicht mehr gegeben. Es würden weniger Tore fallen. Ebenfalls gäbe es weniger Torchancen und auch weniger Zweikämpfe. Nach knapp 81 Spielen werden die Beobachtung auch nicht mehr als zufällig betrachtet.

Ein Teil der Einbußen kehrt zurück

Im Bereich der Sportwetten zeigt sich aber auch einmal mehr die Dominanz des Fußballs. Bei Tipico hatte man früher ausgegeben, dass 75% der Sportwetten auf Fußballspiele abgegeben werden. Laut Dahms sollen es mehr als 90% sein. Die meisten nationalen Meisterschaften sind verlängert worden. Außerdem gibt es im August europäische Wettbewerbe, die geplant sind. Das gewöhnliche Sommerloch würde dadurch ausbleiben. Dahms sieht in dieser Entwicklung einen Funken Hoffnung für die Branche:

Da kann ein Teil des verlorenen Umsatzes aufgeholt werden, das kann ein Restaurantbesitzer nicht.

Wettbüros haben ebenfalls unter dem Lockdown gelitten. Sie mussten im März schließen und durften erst wieder Anfang Mai 2020 in den ersten Bundesländern öffnen. Die Kunden dürfen dort wetten, aber sich nicht in den Wettbüros aufhalten. Die soziale Komponente geht beim Wetten verloren, was den Umsatz der Wettbüros schmälert. Das wird zu Schließungen führen und die Wettapps noch beliebter machen.

Handball soll zurückkehren

Die Handball-Saison wurde zwar für beendet erklärt, der Spielo-Cup 2020 in der Lübecker Merkur Arena soll aber stattfinden. Durch Corona soll es auch hier zu Geisterspielen kommen. Das Turnier soll aber kostenfrei über einen Online-Stream übertragen werden.

Teilnehmer des Turniers sind die lokalen Vereine der GWD Minden und der TuS N-Lübbecke. Außerdem nehmen die Erstligisten der Bergischen HC und der DHfK Leipzig teil. Die Spiele finden am 18. September und 19. September statt. Die Gauselmann-Gruppe finanziert das Turnier und Paul Gauselmann als Geschäftsführer zeigte sich sehr erfreut über die Veranstaltung:

Wir freuen uns, dass wir den Spielo-Cup trotz Corona stattfinden lassen können. Er ist ein wichtiger Anker im Vorbereitungsplan der teilnehmenden Mannschaften und bei den heimischen Fans sehr beliebt. Daher ist es natürlich schade, dass in diesem Jahr keine Zuschauer in der Halle erlaubt sind. Ich hoffe aber, dass viele Fans vom Streamingangebot Gebrauch machen und so live mit dabei sind.

Im Oktober 2020 soll dann die eigentliche Handballsaison in der 1. und 2. Bundesliga wieder beginnen. Vielleicht kommt dann auch ein wenig mehr Normalität in die Sportwelt und den Sportwettenmarkt zurück. Wünschenswert wäre es für Fans, Spieler und Sportwettenanbieter.

Bildquelle: AdobeStock 158267383, Football hottest moments ©Sergey Nivens 

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