Der Aufsichtsrat von Casinos Austria hat in der letzten Woche ein hartes Sanierungsprogramm beschlossen. Stellen werden gestrichen, Gehälter geschmälert und Betriebspensionen gekürzt.

Bei der Sondersitzung des Aufsichtsrats von Casinos Austria ging es um das Überleben der 12 Spielbanken in Österreich. Die Chefin des Konzerns, Bettina Glatz-Kremsner, hatte dem Aufsichtsrat mit dem Berater McKinsey ein hartes Maßnahmenpaket für Einsparungen vorgelegt. Es handelt sich um den härtesten Einsparungsplan in der Geschichte des Unternehmens. Bettina Glatz-Kremsner ist im Unternehmen hauptverantwortlich für die Spielbanken. Ihr tschechischer Kollege, Martin Skopek, ist für die Tochterunternehmen und Cashcow Lotterien verantwortlich.

Der Aufsichtsrat hatte mehr als 5 Stunden diskutiert. Dann wurde den Maßnahmen zugestimmt und der Vorstand wurde mit der Umsetzung beauftragt.

Was beinhaltet das Maßnahmenpaket?

Durch das Maßnahmenpaket sollen verschiedene Ziele erreicht werden. Die wichtigsten Eckpunkte kann man wie folgt zusammenfassen:

  • In Österreich soll die Profitabilität der Offline-Casinos sichergestellt werden. Standorte sollen gesichert und Arbeitsplätze erhalten werden.
  • 40 Millionen Euro sollen in Sach- und Personalkosten in den Casinos und der Zentrale eingespart werden.
  • Neuorganisation der Casinos und Zentrale zur Effizienzsteigerung.
  • Neuausrichtung und Anpassung der Dimensionierung von einzelnen Spielbanken.
  • Reduktion der Mitarbeiteranzahl und der durchschnittlichen Gehaltskosten.
  • Für den Erhalt der 12 Spielbanken sorgen.
  • Stärkere Trennung der Casinos von anderen Unternehmensbereichen. Die Zentrale soll schlank und eigenständig werden.

Es habe sich bei der Casinos Austria AG ein Zwei-Klassen-System etabliert. Angestellte, welche nach 2006 zum Unternehmen kamen, können einfacher und schneller gekündigt werden als ältere Mitarbeiter. Im Bereich Management soll ebenfalls jede dritte Stelle abgebaut werden. Jede Spielbank habe beispielsweise einen Direktor und zwei weitere Ebenen im Management. Das sei zu viel.

Die Chefin bezeichnete es als größte Neuorganisation in der Geschichte von Casinos Austria. Sie möchte damit das Unternehmen langfristig als Österreichs Glücksspielanbieter absichern. Die Spielbanken hätten zu hohe Personalkosten. Rauchverbote in Österreich und die Covid19-Pandemie hätten die Situation aber zusätzlich verschärft. Die Einsparungen seien nötig, da es ohne tiefgreifende Maßnahmen zu einem Verlust von 150 Millionen Euro bis 2024 kommen kann.

Was bedeuten die Einsparungen für Casinos Austria?

Mehr als 500 Mitarbeiter sind von Entlassungen betroffen. Casinos Austria wirbt mit der Rettung von 1.200 Arbeitsplätzen. Beobachter ist jedoch unklar, von welchen Zahlen man bei den Stellenstreichungen ausgeht. Die 12 Spielbanken in Österreich würden 1.700 Angestellte beschäftigen. In den gastronomischen Betrieben der Casinos wären noch einmal 300 Mitarbeiter angestellt. Außerdem gibt es in der Casinos Austria Zentrale 770 Mitarbeiter, von denen 220 für die Casinos arbeiten würden.

Bei den Gehältern der geretteten Beschäftigten drohen Kürzungen von bis zu 25%. Außerdem werden die Betriebspensionen gekürzt. Die Pensionen der ehemaligen Vorstände sind davon nicht betroffen. Sie haben meist durch Einzelvereinbarungen diese sehr gut abgesichert und behalten ihre Luxusrenten.

Robert Chvatal ist Chef der Sazka Group, welche der größte Einzelanteilseigner der teilstaatlichen Casinos Austria ist. Er begründete die Einsparungen wie folgt:

Es geht um die Rettung eines Unternehmens, das sich aufgrund seiner Struktur und der veränderten Welt in einer außerordentlich schwierigen Situation befindet. Wir wollen keine Casinos verkaufen, sondern sie für die Zukunft fit machen.

Die Prognosen für 2020 gehen teilweise von 65 Millionen Euro Verlust aus. Dem möchte das Unternehmen entgegen wirken. Daher stimmten alle Kapitalvertreter für die Einsparungen, während die Betriebsräte gegen die Vorschläge gestimmt haben.

Staatliche Gesellschaft holt internationalen Berater

Die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) ist eine Beteiligungsgesellschaft des Staates Österreich. Sie hält ein Drittel der Unternehmensanteile der Casinos Austria AG. Die ÖBAG setzt sich für den Erhalt möglichst vieler Stellen ein. Man ist sich aber auch sicher, dass die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen nötig ist, damit man weiterhin erfolgreich bleiben kann. Es wurde Luke Alvarez als Berater hinzugezogen. Er ist seit 28 Jahren in der Branche aktiv. Bekannt wurde er durch die Gründung und den Verkauf des Online-Softwareherstellers Inspired Entertainment. Seit 2018 ist er Chairman eines Online Glücksspielanbieters aus Gibraltar.

Ein Hauptproblem von Casinos Austria sind ausländische Online-Glücksspielanbieter mit Lizenzen aus Gibraltar, Malta oder der Isle of Man. Die Internetcasinos greifen Kunden der österreichischen Spielbanken ab. Trotzdem soll es  Alvarez gelungen sein, die Stimmung zwischen der Staatsholding, dem tschechischen Mehrheitseigentümer Sazka Group und dem Unternehmen zu verbessern. Daher blickt man mit den Einsparungen positiv in die Zukunft.

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