Mehrere Hundert Fußballer aus der gesamten britischen Liga möchten rechtliche Schritte gegen eine Reihe von Unternehmen einleiten, die personenbezogene Daten verwenden. Unter anderem sind Wettdatenanbieter davon betroffen, die Gebühren für die Nutzung der Performance- und Aufzeichnungsdaten verlangen.

Derzeit gehen mehrere Fußballer in England gegen Nutzung ihrer personenbezogenen Daten durch verschiedene Unternehmen vor. Der Fall könnte dabei weitreichende Auswirkungen auf die Erhebung und Verwendung von Spielerdaten für Wettmärkte haben.

Beobachter gehen davon aus, dass die potenziellen rechtlichen Schritte den Klägern mehrere "Hunderte Millionen Pfund" wert sein können. Russell Slade vertritt die Spieler mit seiner Firma Global Sports Data. Er hat die rechtlichen Schritte unter dem Projekt „Red Card“ angestoßen. Die Anwaltskanzlei Freeths wurde beauftragt, die Spieler zu vertreten. Das unabhängige Datenberatungsunternehmen Elias Partnership wird in unterstützender Funktion tätig.

Die Angeklagten sind noch nicht benannt

Bisher ist unklar, an wen sich die Klage richten wird. Der Direktor von Elias Partnership, Richard Dutton, sieht Unternehmen der Sportwettbranche als „potenzielle Zielangeklagte“. Hintergrund ist, dass die Sportdatenerhebungsfirmen ihre Leistungen und Daten zwar an Sportwettenanbieter verkaufen, die Spieler aber nicht für Verwendung ihrer persönlichen Leistungsdaten entschädigt werden. Dies bedeutet, dass sie einen Einkommensverlust geltend machen können, der sechs Jahre zurückreicht. Dutton erklärte die Gründe für das Vorgehen wie folgt:

Es geht um die Leistungs- und Tracking-Daten, von denen wir behaupten, dass die Unternehmen nicht die Zustimmung der Spieler haben. Es geht also um die Rechte der Spieler. Niemand besitzt seine Daten, aber wir haben Rechte an ihrer Verwendung, insbesondere unter der DSGVO, aber auch beispielsweise unter dem Datenschutzgesetz von 2018.

In seinen Ausführungen stellte er klar, dass es den Verantwortlichen um Unternehmen geht, die von der Nutzung der Daten profitieren. Das Eigentum an den Informationen selbst spielt für ihn keine große Rolle. Er ist der Meinung, dass selbst wenn die Daten möglicherweise öffentlich zugänglich seien, es nicht bedeuten sollte, dass man sie möglicherweise verkaufen könne. Er führte daher weiter aus:

Es ist nichts Falsches daran, dass Notizen über einen Spieler zum eigenen Vorteil gemacht werden. So werden viele Spieler ausgekundschaftet. Das Problem hierbei ist, dass Organisationen all diese Daten über die Spieler zusammenstellen und sie dann ohne die entsprechende Zustimmung verkaufen. Das ist nicht in Ordnung.

Problem trifft den Nerv der Spieler

Inzwischen sollen sich bei dem Projekt mehr als 400 aktuelle und ehemalige Spieler der britischen Ligen gemeldet haben. Die Verantwortlichen des Projektes führen aus, dass Hunderte Spieler ihr Interesse bekundet hätten. Daher ist man sich sicher, dass das Projekt "Red Card" am Ende mehr als 1.000 Spieler vertreten könnte.

Es geht dabei um einen Streitwert, der „Hunderte von Millionen Pfund“ betragen könnte. Dann würde man auch eine Reihe von Unternehmen außerhalb der Wettbranche anklagen.

Die Sportdaten haben für Unternehmen einen großen Wert

Dem kommerziellen Wert von personenbezogenen Daten wird immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. So könnte auch dieser Fall einen großen Einfluss auf die Zukunft von Datenrechten haben. In der jüngsten Vergangenheit wurden die Rechte an Daten immer ernster genommen. 2019 hatten Kunden eine Sammelklage gegen British Airways geführt. Personenbezogene Daten wurden von der Firma bei einer Datenpanne gestohlen. Die Kunden konnten vor Gericht eine Entschädigung geltend machen. Somit erkennen die Gerichte den kommerziellen Wert von personenbezogenen Daten an.

In der britischen Fußballliga werden die Rechte an der Erhebung der Spielstatistiken von den Ligen verkauft. Stats Perform hat seit 2013 die Wettdatenrechte für die Premier League inne.

Im Moment liefert die Marke Genius Sports von BetGenius die Daten für die Premier League, die English Football League und die Scottish Professional Football League. Sie verkaufen die Informationen für Wettzwecke an die verschiedenen Sportwettanbieter. Seit 2013 hatten sie die exklusiven Rechte an der Verbreitung der Daten von Stats Perform erhalten.

Seit 2017 arbeiten BetGenius, Stats Perform und Football DataCo zusammen, um Fußballwettbewerbe auf ungewöhnliche Wettaktivitäten zu überwachen. Im vergangenen Monat hat das Sportdatenerhebungsunternehmen Stats Perform einen exklusiven offiziellen Rechtevertrag mit Football DataCo abgeschlossen, um Ereignisdaten für alle wichtigen englischen und schottischen Fußballligen zu sammeln und zu verteilen.

Die Vereinbarung, zu der auch die englische Premier League gehört, würde es Stats Perform ermöglichen, detaillierte Daten an Medien-, Fantasy-, Rundfunk- und professionelle Teams auf der ganzen Welt zu verkaufen.

Das Gerangel um exklusive Deals zur Erhebung und Verbreitung von Sportwettdaten zeigt einmal mehr, dass es sich um einen großen Markt handelt. Die verschiedenen Unternehmen versuchen alles, um sie möglichst gut auf den jeweiligen Märkten zu positionieren.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Spieler einen Anteil an ihren Daten haben möchten, wenn andere mit dem Verkauf Geld verdienen. Es bleibt abzuwarten, wann der Fall wirklich vor den Gerichten landet und um welche Summe es am Ende geht. Es könnte auf jeden Fall die Wettlandschaft in ganz Europa verändern, wenn die Sportwettenanbieter mehr Geld für den Erhalt der Daten ausgeben müssten – Kunden würden es dann am ehesten an den Quoten der einzelnen Spiele merken.

Bildquelle: AdobeStock 140963896, referee hands with red card on football field ©Syda Productions

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