In diesen Wochen werden die Einschränkungen wegen Corona in vielen Ländern der Welt schrittweise gelockert und ein Stück Normalität scheint wiederzukehren. Folglich fängt man auch in den Casinos und Spielbanken an, an bevorstehende Wiedereröffnungen zu denken. Manche Bereiche aber werden es schwerer haben als andere, die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. So stellt man sich zurecht die Frage, ob Poker überhaupt in irgendeiner Form wieder in den Spielbanken zugelassen werden kann. Schließlich findet ein reger Austausch von Spielutensilien in unmittelbarer Nähe zueinander statt. Manche Leute scheinen sich bereits mit dieser Frage befasst zu haben.

Poker in Spielbanken und Casino-Resorts bleibt mit vielen Hygienemaßnahmen verbunden

Poker ist ein höchst kritisches Spiel in Zeiten von Corona. Schließlich wechseln Chips und Karten binnen Minuten mehrfach den Besitzer. Innerhalb kürzester Zeit würde eine Vermischung der Spielutensilien - und somit eine potenzielle Übertragung - aller Teilnehmer unvermeidbar werden. Derzeit kursieren im Netz die skurrilsten Prototypen zu Pokertischen, die das sichere Spielen in der Phase 2 der Corona-Pandemie gewährleisten sollen. Manche dieser Prototypen sind scherzhaft, andere hingegen ernst gemeint. Was sie jedoch alle gemeinsam haben ist, dass sie höchst befremdlich auf den Casinobesucher wirken würden.

In Deutschland hingegen haben seit ungefähr einer Woche die bayerischen Spielbanken wieder geöffnet. Weitere Spielbanken wie Stuttgart, Konstanz und Baden-Baden haben lediglich den Spielautomatenbereich wiedereröffnet. Das große Spiel wird vorerst nirgendwo in Deutschland angeboten.

Die ersten Anordnungen des Nevada Gaming Control Board für das Glücksspiel in Las Vegas nach der Wiedereröffnung, sehen ebenfalls eine starke Regulierung des Spielflusses vor. Ein zusätzliches Hindernis für Casinos stellt auch die Bürokratie dar. Denn Casinobetreiber müssen den Behörden vor Wiedereröffnung einen klaren Plan vorlegen, wie diese gedenken, die Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Nach Einreichung aller Pläne können Wochen vergehen, bis die Behörden hierzu eine Entscheidung fällen. Darüber hinaus hat das Nevada Gaming Control Board kürzlich einen strikten Richtlinienkatalog erlassen.

Der interessanteste Paragraph hierzu, der Pokerexperten aufhorchen lassen wird, lautet:

Überlegungen zur Spielgestaltung müssen die Anzahl der Spieler je nach Spieltyp berücksichtigen, um somit den nötigen Sicherheitsabstand während des Spielbetriebs zu gewährleisten. Zum Beispiel sollte das Spielerlimit pro Tisch auf drei Spieler pro Blackjack-Tisch, sechs Spieler pro Craps-Tisch, vier Spieler pro Roulette-Tisch und vier Spieler pro Pokertisch, begrenzt werden.

Würde dies strikt umgesetzt werden, wäre das für Live Poker das Ende. Denn weder Spieler noch Veranstalter hätten Interesse an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Der Grund hierfür ist neben der veränderten Spieldynamik, vordergründig das Rake.

Was ist Rake überhaupt und warum wäre das so verhängnisvoll für Live Poker?

Rake ist nichts anderes als eine Gewinnabgabe, die seitens des Veranstalters erhoben wird. Gewinnt ein Spieler eine Spielrunde von beispielsweise 100 €, behält der Dealer (Kartengeber) im Namen des Veranstalters zwischen 2,5 % und 10 % des Gewinns ein. Durch diese Rake verdient der Veranstalter am Spiel und zahlt die Vergütung des Dealers. Das Rake ist aber auch für die Spieler interessant, denn ein höheres Rake mindert auch ihre Gewinnaussichten. Somit würde durch eine hohe Gewinnabgabe das Spielen unattraktiver werden.

Amerikanische Casinobetreiber haben bereits Vorsorge getroffen, und neben der Tischbegrenzung auf vier Spieler, auch an zwei Dealer pro Tisch gedacht. Ein Dealer würde das Spiel leiten, während der andere die Spielutensilien reinigt und bereitstellt. Abgesehen vom logistischen Aufwand ist diese Lösung höchst unrentabel. Unter diesen Umständen würden, bei sonst gleichbleibenden Bedingungen und Gebühren, deutlich mehr Kosten entstehen. Im Verhältnis zum normalen Spielbetrieb würden Veranstalter demnach nur 25 % der gewohnten Einnahmen generieren. Das würde natürlich das Veranstalten von Pokerrunden wesentlich unrentabler machen. Um trotz zwei Dealern pro Tisch das Spiel für den Veranstalter rentabel zu gestalten, müsste der Rake drastisch erhöht werden. Dies wäre für die Spieler neben den Einbußen im Spielerlebnis aus finanziellen Gründen unrentabel. Gleichzeitig verringert es im Vergleich zu früher die Gewinnspanne des Veranstalters deutlich.

Hinzu käme die veränderte Spieldynamik. Poker bei 9 Spielern erfordert eine ganz andere Spielweise als bei 4 Spielern. Bei 9 Spielern kann man wesentlich passiver spielen und schwächere Hände im Zweifel einfach passen. Bei 4 Spielern hingegen muss man sich bereits aufgrund der Blinds (verpflichtende Setzgebühren), an jeder dritten Runde beteiligen. Das erfordert eine entsprechend höhere Risikobereitschaft und aggressivere Spielweise, die vielen Spielern unbehaglich ist und deshalb abschrecken wird.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Pokerwelt aus?

Während alle Glücksspieleinrichtungen seit spätestens März 2020 geschlossen wurden, sieht es beim Online Poker anders aus. Zusammen mit den Online Casinos gehören Online Pokerräume zu den Gewinnern der Krise. Anfang März verzeichnete PokerStars EU eine Trafficzunahme auf der Seite von 39 %. Bei Partypoker waren es immerhin 31 % und bei 888poker EU ebenfalls 39 %. Allgemein befindet sich Online Poker in der zweiten großen Boomphase, die fast so groß ist, wie die unmittelbar nach der Jahrtausendwende. Online Poker profitiert demnach stark von den aktuellen Geschehnissen. Hinzu kommt, dass ohnehin schon namhafte Online Events noch mehr in den Mittelpunkt rücken.

Derzeit findet nämlich auf Pokerstars die Spring Championship of Online Poker statt. Diese ist nach der World Championship of Online Poker die zweitwichtigste Online Poker Veranstaltung überhaupt, die sich mittlerweile auch bei Live Spielern etabliert hat. Durch die mangelnden Alternativen und Einschränkungen steigen die Teilnehmerzahlen bei den Turnieren der Spring Championship of Online Poker derzeit in Rekordhöhe.

Langfristigen Folgen für das Live Poker? Eine dauerhafte Verlagerung in die Onlinewelt!

Zwar spielt der Großteil der Pokerliebhaber ohnehin bereits online. Dieser Trend könnte den gleichen “Corona-Effekt” haben, den auch lizenzierte Spielhallenbetreiber in Deutschland befürchten. Diese befürchten nämlich, dass durch die aktuellen Schließungen ihre Stammkundschaft dauerhaft auf den Geschmack des Online Casinos kommen könnte. Folglich fürchten sie, dass Kunden nach Wiedereröffnung gar nicht erst zurückkommen.

Diesen gleichen Effekt könnte sich in der Pokerwelt ebenfalls abzeichnen. Die Preisgelder und Möglichkeiten, welche das Online Poker bereithält, überragen jetzt schon deutlich die des Live Pokers. Einer der wesentlichen Punkte, weswegen Spieler Live Poker noch aufsuchen, ist vordergründig das Casinoerlebnis und die soziale Interaktion. Durch die aktuell starken Einschränkungen in diesen zwei Bereichen würde bei vielen jeglicher Anreiz fehlen überhaupt noch in die Spielbank zu gehen.

Die Prognose eines der besten Pokerspieler

Daniel Negreanu, einer der weltbesten Pokerspieler äußerte sich jüngst dazu in einem Podcast von Dat Poker. Er warnte vor unserem Grundverständnis dafür, wie ein Casino normalerweise auszusehen hat und wie stark sich dies verändern könnte. Dabei verwies er auf einige der aktuellen Sicherheitsauflagen und Einschränkungen, die getroffen werden müssten, um überhaupt ein Live Pokerturnier abzuhalten.

Können Sie sich den Umfang der Vorbereitung, die für ein Live-Pokerturnier nötig wäre, überhaupt vorstellen? Geschweige denn wie lange solch ein Turnier dauern würde.

Dies ist eine Frage die sich sicherlich einige Menschen derzeit stellen, und dessen Antwort für die Zukunft des Live Pokers entscheidend sein wird.

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