Seit Juli 2020 wird der Online Casinomarkt in Schweden verschärft reguliert. Die Ursache dafür ist auf COVID-19-bedingte Umstände zurückzuführen. Anfänglich ging man davon aus, dass die eng geschnürten Regeln nur bis zum Jahreswechsel andauern. Jetzt sollen diese aber bis Juni 2021 verlängern werden. Die Branche übt deshalb vermehrt Kritik an der Politik.

Normalerweise ist zu erwarten, dass sich tendenziell eher die Politik über die Branche beschwert. Im Falle des Online Casinosektors in Schweden ist es aber genau andersrum: Die Glücksspielbranche und vor allem der Online Glücksspielverband BOS übt heftige Kritik daran, dass die Regierung anscheinend zu strenge Regulierungen auferlegt, die den Markt leiden lässt, ihn aber gleichzeitig auch nicht genug schützt. 

Blicken wir kurz ins Jahr 2019 zurück, um die Entwicklungen des Glücksspiels in Schweden besser zu verstehen: Seit dem 1. Januar 2019 kann nicht nur Glücksspiel von staatlich-lizenzierten Unternehmen angeboten werden, sondern auch für Konzerne aus dem Ausland steht das Angebot bereit. Die ausländischen Unternehmen müssen natürlich auch über eine gültige Lizenz verfügen. Dadurch wurde das Spielangebot für Kunden attraktiver. Laut der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen haben seither die Umsätze mancher Onlineanbieter deutlich zugenommen. Trotzdem sind die Gesamtumsätze des schwedischen Glücksspielsektors gesunken. 

Limits aller Art

Bis Mitte 2021 soll es also verschärfte Regulierungen für schwedische Online Casinos mit Lizenz geben. Ziel ist, dass dadurch problematische Spielverhalten von gefährdeten Kunden so gut wie möglich verhindert werden sollen. Was beinhalten diese Regulierungen genau?

Spieleinsätze werden gleich mal auf 5.000 schwedische Kronen pro Woche limitiert. Das entspricht ungefähr 476 Euro. Boni dürfen nur bis zu 100 schwedische Kronen betragen und Zeitlimits müssen von den Kunden vor Spielbeginn festgelegt werden. 

Es ist natürlich gut nachzuvollziehen, warum die Regierung diese schützenden Maßnahmen in Zeiten der COVID-19-Pandemie verstärkt verfolgen will, aber gleichzeitig leidet natürlich das Geschäft vieler Onlineanbieter unter den begrenzenden Vorschriften. Ganz besonders negativ reagierte Trav och Galopp, das einstige Pferdewetten-Monopol. Daraufhin hatte die Regierung die Regeln sogar etwas entschärft und die Limit-Regeln nur für Online Casinos und landbasierte Spielautomaten eingeführt. 

Nun wird vor allem befürchtet, dass diese Regulierungen mehr Kunden in Richtung Schwarzmarkt treiben werden. Neben den Umsatzeinbußen ist dies der wohl größte Kritikpunkt an den neuen Maßnahmen. So hat LeoVegas beispielsweise 20 Prozent weniger Einnahmen im dritten Quartal verzeichnet. 

Strenge Regulierungen bleiben weiterhin bestehen

Auch der schwedische Glücksspielverband übt nun heftige Kritik an den neuen Regeln und merkt an, dass Anbieter ohne Konzession und Pferdewetten-Anbieter Profit aus der Situation schlagen, der restliche Glücksspielsektor aber nur Nachteile davon habe. Man argumentiert auch, dass die Befürchtung des Eintretens einer Zunahme von problematischem Spielverhalten bislang nicht dokumentiert werden konnte. Ebenfalls könnten Kunden das Einsatzlimit ganz leicht umgehen, indem sie zwischen mehreren Anbietern hin- und herwechseln.

Dennoch scheint der schwedische Online Casinomarkt weiterhin den aktuellen Regulierungen zu unterliegen. Wirtschaftliche Einbußen sind anscheinend derzeit lieber gesehen als ein Fehlen stabilisierender Regeln in einer so unsicheren Zeit wie dieser. 

Quelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/flagge-schweden-schwedische-flagge-3632235/

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