In diesen turbulenten Zeiten debattiert Schweden schon seit Wochen über eine Eindämmung des Online Glücksspiel zum Schutze der Bürger. Kürzliche Untersuchungen haben tatsächlich eine Zunahme an Neuanmeldungen auf Glücksspielportalen festgestellt. Haben sich seit Ausbruch der Krise aber auch die Risikobereitschaft und somit die durchschnittlichen Spielausgaben der Besucher erhöht?

Mehr Spieler – aber keine höheres Spielrisiko!

Das lizenzierte schwedische Online Casino Svenska Spel hat kürzlich seine Spieler dazu aufgefordert, im Zuge der Corona Pandemie verantwortungsvoll zu spielen. Denn es herrscht seit Ausbruch der Krise erhöhte Alarmbereitschaft in der Politik vor Missbrauch von Glücksspiel. Dennoch konnte Svenska Spel bis jetzt keine klaren Anzeichen dafür erkennen, dass Spieler zu einer riskanteren Spielweise als gewöhnlich neigen. Trotzdem versichert Svenska Spel weiterhin wachsam bleiben zu wollen und weiter nach Spielern Ausschau zu halten, die ein auffälliges Setzverhalten an den Tag legen würden. Die für diese Aufgabe zuständigen Mitarbeiter von Svenska Spel, Kajsa Nylander und Axel Lyckberg konnten bestätigen, dass die Anzahl der Neuregistrierungen auf ihrer Seite zugenommen hat. Dennoch gab es keinen signifikanten Anstieg der durchschnittlichen Spielausgaben. Sollte sich diese Annahme bestätigen, könnte dies der Regierung den Wind aus den Segeln nehmen, umfassendere Verbote im Bereich des Glücksspiels zum Schutze der Bürger zu erlassen. Darüber hinaus bestätigten beide Mitarbeiter in einem Interview, dass ein Anstieg bei Poker, Bingo und Casinospielen verzeichnet wurde. Dieser sei jedoch so klein, dass man nicht mit Bestimmtheit sagen könne, ob dieser Corona-bedingt sei, oder auf ein natürliches Unternehmenswachstum zurückzuführen ist.

Die Mitarbeiter sind zuversichtlich, dass der momentanen Entwicklung nach zu urteilen, Verlustlimits für Spieler und Betreuung ausreichend seien, um den Spieler zu schützen.

Vorsicht! Die Risikospieler kommen jetzt erst richtig zum Online Casino!

Anders Hakansson, Professor für Spielsucht an der Lund Universität hingegen warnt vor dem Ausbleiben von Sportwetten. Dies würde vermehrt Spieler aus diesem Bereich mangels Alternativen in Online Casinos treiben, wo die Setzfrequenzen deutlich kürzer sind und somit die Verluste höher. Er schlussfolgert daraus, dass Spieler mit Suchtpotenzial bisher bei den Sportwetten durch die längeren Setzfrequenzen zwischen den Spielen, ihre Sucht gewissermaßen drosseln konnten. Beim Online Casino wäre das jedoch seiner Meinung nach jetzt anders, denn diese Spieler würden quasi einen Spielautomaten ins Wohnzimmer gestellt bekommen. Daher prognostiziert Anders Hakansson, dass es bald einen Anstieg der Suchtspieler geben wird, der nicht direkt durch die Krise hervorgerufen wird, sondern durch die Verlagerung allen Glücksspiels in die Online Casinos. Schließlich könnte seine These von einer kürzlich erschienen britischen Studie Auftrieb erhalten. Laut dieser ist nämlich der Anteil der Suchtspieler in Online Casinos, viermal höher als im Bereich Sportwetten.

Steigende Neuregistrierungen trotz fallender Werbung!

Laut offiziellen Zahlen sanken die Werbeausgaben der lizenzierten Glücksspielanbieter in den letzten Monaten dramatisch. Dabei stechen besonders die lizenzierten Betreiber hervor, die zuvor Sportwetten und Online Casino betrieben. Bedingt auch durch den Wegfall von Sportwetten, sanken die Werbeausgaben von Cherry AB im Vergleich zum Monat März des Vorjahres um fast 59%. Bei Svenska Spiel hingegen wurden im Vergleich zu März 2019 fast 50% weniger Werbeausgaben getätigt. Dieser Trend setzt sich in der gesamten Branche auch staatenübergreifend fort. 

Weitere Konsequenzen drohen bei Glücksspielverbot

Wie wir vor einer Woche bereits berichtet haben, werden in Schweden Stimmen laut, dass Glücksspiel - wie in Lettland bereits geschehen - vorübergehend verboten werden sollte. Die Glücksspielregulierungsbehörde Spelinspektionen hatte Anfang April ebenfalls ermittelt, dass die meisten lizenzierten Glücksspielanbieter in den letzten Monaten, Neuregistrierungen von ungefähr 33% verzeichnet haben. Dennoch warnt eine von BonusFinder.com im April betriebene Studie, vor überstürzten Entscheidungen. Bei dieser ging nämlich hervor, dass ein Drittel der schwedischen Online Casino Spieler aufgrund drohender Restriktionen bereits nach unlizenzierten Online Casinos im Internet gesucht hätten. Die schwedische Regierung hatte in der Vergangenheit lange Zeit mit den unlizenzierten Online Casinos gerungen und es geschafft das Glücksspiel in den letzten Jahren, mehr und mehr unter staatliche Kontrolle zu bringen. Nun befürchtet man durch zu strenge Regulierungen einen Rückfall, der das Erreichte zunichtemachen könnte. Es bleibt nun abzuwarten, wie die schwedische Regierung vor dem Hintergrund all dieser neuen Erkenntnisse, in den nächsten Wochen reagieren wird.

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