Die Advertising Standards Agency des Vereinigten Königreiches hat jetzt relativ scharfe Kritik am Online Glücksspielanbieter Pokerstars geübt. Grund dafür war ein TV-Werbespot, der im Oktober 2017 ausgestrahlt und jetzt als sozial unverantwortlich eingestuft wurde.

Die Advertising Standards Agency (kurz: ASA) hat in Großbritannien die Aufgabe den Inhalt der Werbung, die Angebote zur Verkaufsförderung und das direkte Marketing zu regulieren. Wenn Beschwerden über einzelne Anzeigen oder Marketing-Konzepte eingereicht werden, muss die ASA Untersuchungen anstellen und entscheiden, ob die Werbung den Werberechtsstandards entspricht.

Am 26. Oktober 2017 wurde eine TV-Werbung von PokerStars ausgestrahlt, bei der gezeigt wurde, wie Online Poker Spieler sich bei Turnieren durch Bluffen den Weg zum Sieg bahnen können. Hier war nun die Frage, ob es sich um unzulässige Werbung handelt.

Bei der Advertising Standards Authority handelt es sich um eine selbstragende Organisation der Werbeindustrie. Es ist demnach keine gesetzliche Institution, deren Arbeit durch Steuergelder bezahlt wird. Eine Abgabe durch die Werbeindustrie ist die Grundlage für die Arbeit der Organisation. Sie kann daher keine Rechtsvorschriften auslegen oder durchsetzen, sondern lediglich Überprüfungen anstellen und weitere Verfahren anregen oder Empfehlungen aussprechen. Der Kodex für die Werbepraxis spiegelt jedoch in den meisten Fällen die britische Gesetzgebung wider und orientiert sich daran.

Was war an der Werbung so schlimm?

Der TV-Spot zeigte wohl einen Spieler, der bei einem Poker Turnier All-In ging und all seine restlichen Chips riskierte, in der Hoffnung, dass die anderen Spieler ihre eigenen Hände aufgrund des hohen Einsatzes aufgeben würden. Ein Begleitkommentar beschrieb zusätzlich:

Hier ist er, der Moment, in dem Bluffen der einzige Weg ist, um zu gewinnen. Du verarschst die Anderen und denkst an all die Zeiten, in denen du dich selbst geblufft hast. Wie die Klimmzugstange, die darauf wartet, dass du wieder in Form kommst, dieses Buch, das du definitiv lesen wirst und deine Eltern hatten niemals Sex. Benutze dieses Talent, denn wenn du dich selbst bluffen kannst, kannst du jeden bluffen. Pokerstars, du bist schon ein großartiger Pokerspieler.

Eine ähnliche Werbung kann man hier noch einmal sehen, wobei sich der Text ein wenig geändert hat:

Gegen diese Anzeige hatte es eine Beschwerde gegeben. Die ASA prüfte daraufhin, ob die Werbung unerfahrenen Spielern ein falsches Bild vermitteln könnte, sie vielleicht ausnutzt und zeigt, dass man schnell über die Masse an anderen Spielern hinausragt und so besonders einfach und schnell gewinnen kann.

Beschwerde wurde gründlich geprüft

Die ASA nahm ihre Aufgabe auch in diesem Falle besonders ernst und entschied, dass Zuschauer die Werbung so interpretieren würden, dass sie große Gewinne vor allem mit großen All-In-Bluffs erreichen würden, die durch ihre Blufferfahrungen im täglichen Leben zustande kommen. Da die Anzeige selbst lediglich auf Bluffs im Alltag  eingeht und keine Grundkenntnisse oder Erfahrungen im Bereich Poker erwähnt werden, geht die Organisation davon aus, dass der Glücksspielanbieter zeigen wollte, wie unerfahrene Spieler, die nie Poker gespielt haben, andere Mitspieler bei Turnieren besiegen könnten.

In dieser Anzeige sieht man folglich ein Spielverhalten, dass als sozial unverantwortlich angesehen wird. Dabei räumte man in der Untersuchung ein, dass man durch Bluffs sicherlich große Gewinne erzielen kann, wenn man aber ohne jede Kenntnis von Pokerstrategien spielt, sei bei dem Glücksspielverhalten eine relativ große Rücksichtslosigkeit erkennbar, die am Ende zu einem finanziellen Schaden führen würde.

Die ASA verfügte nun, dass die Werbung nicht mehr ausgestrahlt werden sollte. Außerdem sprach man eine Warnung gegen PokerStars aus und appellierte daran, dass es auch im Marketing eine soziale Verantwortung gäbe.

Fazit: Glücksspielanbieter stehen in Großbritannien vermehrt in der Kritik

Bereits in der Vergangenheit hatte es Diskussionen um die Werberechte von Online Casinos und Pokeranbietern in Großbritannien gegeben. Damals sprachen sich ASA und Gambling Commission gegen Slots aus, die sich an Kinder oder Jugendliche richten. Es wurden vor allem verniedlichende Slots kritisiert, wie beispielsweise Jack and the Beanstalk oder Piggy Payout und Pirate Princess, die sich von der Gestaltung und den Titeln eher an eine jüngere Zielgruppe richten und somit die Jugend schon zum Spielen animieren würde.

Der Fall von PokerStars zeigt einmal mehr, wie weit Glücksspielanbieter gehen, um neue Kunden zu finden und das es vielleicht notwendig ist, wenn man in jedem Land für die Werbung Auflagen und Kontrollmechanismen hat, damit kein falscher Eindruck vom Glücksspiel selbst vermittelt wird. Ob man den speziellen Werbespots nun lustig oder einfach nur schräg hält, sei erst einmal dahingestellt, aber es gibt bereits Länder, in denen man gegen solche Formulierungen und Art der Darstellungen von Glücksspiel vorgehen möchte, was sicherlich nicht schlecht ist.

 

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