Rechercheergebnisse von The Age, The Sydney Morning Herald und 60 Minutes wurden zusammengetragen und am Sonntag veröffentlicht. Das australische Casinounternehmen Crown Resorts Limited soll auf illegale Weise um VIP-Spieler aus China geworben haben. Die Beweise beinhalten interne Mails des Unternehmens und die Aussage einer Angestellten des Casinos.

In Australien gehört das Crown Resort zu den bekanntesten Spielbanken des Landes. Seit mehr als 10 Jahren setzt das Unternehmen auf High Roller aus China, die in Australien und Asien der Firmengruppe gute Gewinne bescheren. Der Geschäftsführer von Crown, James Packer, gab am 14. März 2013 in einer Rede bekannt:

Meine Damen und Herren, ich habe viele, viele Fehler in meinem Leben gemacht, aber in China zu investieren ist keiner von ihnen.

Im Oktober 2018 wird sich diese Sicht vielleicht geändert haben. In einer sorgfältig geplanten Razzia wurden damals 19 Mitarbeiter des Crown Glücksspiel- und Unterhaltungsimperiums in 4 chinesischen Städten festgenommen. Chinas Sprecher des Außenministeriums gab damals bekannt:

Wenn Sie sich auf die australischen Staatsangehörigen beziehen, die vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Glücksspielaktivitäten von den chinesischen Behörden festgenommen wurden ... Glücksspiel ist in China illegal.

Es handelte sich um Chinas größten Schlag zur Korruptionsbekämpfung. Die Handlungen von Crown in China waren betroffen und brachten Unordnung in das Geschäftsmodell des Glücksspielunternehmens. 

Ist das Geschäftsmodell von Crown illegal?

Das Crown Casino in MelbourneDie australischen Medien haben dem Crown Casino Melbourne und damit dem Inhaber der Crown Resorts Limited kriminelle Handlungen vorgeworfen und führen dafür Insider-Informationen als Beweise an. Eine Dokumentation über die Vorgänge wurde von ABC veröffentlich.

Crown hat in China High Roller zum Spielen in deren Casinos rekrutiert. Da Glücksspiel in China illegal ist, wollte man die chinesischen High Roller in Crown Casinos in der ganzen Welt bringen. Macau und Australien waren dort sehr begehrt. Die Spielbank in Macau wurde erst vor 18 Monaten mit viel Glamour und diversen Hollywood-Stars eröffnet. Bei der Eröffnung hatte Packer viele internationale Stars eingeladen.

Doch bereits 2017 hatte eine australische Reportage behauptet, dass Mittelsmänner (sogenannte Junket Operators) um Spieler werben und Crown somit ein sehr zwielichtiges Geschäftsmodell nutzt.

Die Junket Operators sollen wohlhabende Kunden werben, die vor allem als High Roller in den Casinos spielen sollen. Sie treten als Organisatoren von Luxusreisen nach Australien auf, bei denen Glücksspiel dann ein großes Thema ist. Die Organisatoren kümmern sich um die Gelder der potenziellen Spieler und den Transport.

Nach australischem Recht ist diese Art des Marketings erlaubt und völlig legal. Problematisch wird es erst, wenn Kunden in Ländern geworben werden, in denen Glücksspiel streng verboten ist. In China ist jede Art von Glücksspiel in Casinos verboten. Eine Ausnahme stellt Macau als Sonderverwaltungszone an der Südküste des chinesischen Festlandes dar, wo man Spielen darf.

Whistleblower packt aus

Durch Tausende von E-Mails haben Journalisten wohl eindeutige Beweise gegen das Crown Resorts. Man habe mit einer kriminellen Vereinigung mit dem Namen „The Company“ zusammengearbeitet. Es gäbe angeblich Hinweise, dass Crown gegen Geldwäsche vorgaben verstoßen hat. In einem Fall soll man sogar einen Kriminellen, der von Interpol gesucht wurde, mit einem Privatjet nach Australien gebracht und vor dort wieder nach China zurücktransportiert. Laut einem Journalisten zeigten die E-Mail-Nachrichten allgemein:

Die Gier nach gewinnbringender arroganter Kultur, in der fast alles erlaubt und gefördert wurde, einschließlich der Werbung für Menschen mit Verbindungen zur kriminellen Unterwelt.

Die Chinesin, die gegen Crown Casino ausgesagt hatMan behauptet in der Reportage, dass Crown gegen das chinesische Gesetz verstoßen haben, indem man für Glücksspiel geworben hat. Außerdem habe man chinesischen Vertriebsmitarbeitern Prämien gezahlt habe, um besonders gute Spieler nach Down Under zu locken.

Eine ehemalige Mitarbeiterin von Crown Resorts, Jenny Jiang, wurde am 14. Oktober 2016 festgenommen. Sie war vier Wochen lang mit Drogenhändlern, Taschendieben und Prostituierten in einem chinesischen Gefängnis. Sie war eine von 19 Crown-Angestellten, die in Gewahrsam genommen wurden. Darunter waren auch 3 Australier, die gegen chinesische Gesetze zum Verbot und der Beförderung von Glücksspiel verstoßen haben.

Jenny Jiang behauptet, dass australische Konsulat-Büros in China das Unternehmen bei der Beschaffung von Visa unterstützten. Ferner sollen ihr 60.000 US-Dollar (etwa 54.000 Euro) angeboten worden sein, damit sie über die Auslandsaktivitäten von Crown schweigt.

Der ehemalige Kommissar für Grenzstreitkräfte (Australian Border Force), Roman Quaedvlieg, meldete sich ebenfalls im Beitrag von 60 Minutes. Er wisse, wie gut Crown mit der Bundesregierung verbunden sei. Er wäre von mehreren Abgeordneten ermutigt worden, chinesischen High Rollern von Crown schneller über die Grenze zu helfen. In der Reportage sagte er:

Ich habe mit zwei Ministern und Parlamentsmitgliedern gesprochen… und darauf hingewiesen, dass Crown und Junket Operators, die mit Crown zusammenarbeiten, keinen erleichterten Service für Privatjets erhalten haben, die nach Australien (Perth und Melbourne) kommen. Sie suchten trotzdem nach Vereinbarungen, welche die Prozesse dort ein wenig beschleunigen. […] Es ist sehr klar, dass hinter der Bitte ein mächtiger Wahlkreis steckt.

Was ist mit der Whistleblowerin geschehen?

Die Angestellte und ihre 18 Kollegen, die in China verhaftet wurden, hat man wegen illegaler Glücksspielwerbung angeklagt. Alle wurden für einen Monat inhaftiert. Die chinesischen Angestellten sind jetzt für immer vorbestraft. Das kann in China gravierende soziale und berufliche Folgen bedeuten.

Als Jenny Jiang den Job angenommen haben, hat ihr das Unternehmen versichert, dass ihre Arbeit keinerlei illegale Aktivität beinhaltet. Man wirbt am Ende nur für Luxusaufenthalte in Crown Hotels von Australien, daran sei nichts illegal.

Liang habe erst während des Jobs bemerkt, was die Luxusurlaube wirklich bedeuteten. Sie sagte nach ihrer Freilassung gegenüber der Presse:

Kunden verloren innerhalb von 15 bis 20 Minuten gut 10 Millionen Dollar (rund 9 Millionen Euro). Da habe ich gemerkt, auf was für einen Job ich mich wirklich eingelassen habe […] Sie haben keine Lizenz in Australien verdient. Sie haben ihre Angestellten benutzt und uns dann wie gebrauchte Papierservietten weggeworfen.

Die 60.000 US-Dollar (etwa 54.000 Euro) hatte sie als Schweigegeld ausgeschlagen und der Presse die Informationen über die Auslandsaktivitäten von Crown geliefert. In dem Interview gab sie an, dass sie das Gefühl hatte, dass die Verantwortlichen wussten, dass gegen geltendes Gesetz verstoßen wird. Man hat es wohl zur Steigerung des Umsatzes in Kauf genommen.

Kein Kommentar von Crown

Crown bestritt gegenüber der Zeitschrift „The Age“ alle Vorwürfe. Man habe nicht gegen das chinesische Recht verstoßen und sei auch keiner Straftat in China angeklagt worden. In Australien droht dem Unternehmen derzeit eine Untersuchung wegen Geldwäsche. Der Premierminister Scott Morrison sagte vor dem Parlament:

Es ist ein sehr ernstes Thema und befasst sich nicht nur mit der Integrität unserer Glücksspielbranche, sondern auch mit Fragen der Strafverfolgung und des Grenzschutzes. Unsere Regierung nimmt Vorwürfe illegaler Aktivitäten sehr ernst. Jeder muss sich an das australische Gesetz halten, einschließlich der Betreiber von Casinos und aller Besucher unseres Landes.

Gegenüber Daily Mail Australia äußerte sich ein Sprecher von Crown Resorts zum Vorwurf der Geldwäsche:

Es gibt derzeit eine Sammelklage, gegen die sich Crown verteidigt. Aus diesem Grund können wir keine Kommentare zu bestimmten Punkten machen. Was jedoch Junket Operators betrifft, wird Crown sich nicht zu seinen Geschäftstätigkeiten äußern. Crown führt umfangreiche Anti-Geldwäsche Maßnahmen durch, welche von der Regulierungsaufsicht AUSTRAC überwacht werden.

James Packer war, als die Methoden eingeführt wurden, noch nicht der Direktor von Crown und bestritt die Kenntnis von den Aktivitäten in China. Packer hatte dem Unternehmen Crown Resorts am Anfang des Jahres 50% seiner Anteile an der Firma für 1,76 Milliarden Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro) verkauft. Über seinen Anwalt hat er dennoch mitgeteilt, dass er zu der Zeit eher eine „passive Rolle“ im Unternehmen spielte. Ferner versucht man derzeit zu zeigen, dass Crown mit allen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet. In einem Statement heißt es:

Crown arbeitet eng mit allen Aufsichtsbehörden zusammen, einschließlich der Strafverfolgungsbehörden, sowohl des Staates als auch des Bundes. […] In dieser Hinsicht stellt Crown eine Reihe von Informationen in proaktiver Weise zur Verfügung, die mit seinen aufsichtsrechtlichen Verpflichtungen im Einklang stehen, einschließlich der Meldung aller Transaktionen über 10.000 US-Dollar (knapp 9.000 Euro) und verdächtiger Transaktionen von beliebigem Wert.

Es bleibt abzuwarten, welche Folgen die Vorwürfe für die Luxushotel- und Casino-Kette haben werden. Das Geschäftsmodell von Crown wurde erst einmal entlarvt und man wird wohl keine einfachen und schnellen Geschäfte mehr mit chinesischen High Rollern tätigen können. Der investigative Fernsehbericht von 60 Minutes schließt mit einem letzten Angriff gegen Crown:

Uns wurde auch mitgeteilt, dass 19 seiner Mitarbeiter sich schuldig bekannt und in China verurteilt und inhaftiert wurden. Crown habe jedoch nicht gegen das chinesische Gesetz verstoßen. Es scheint, dass die Arroganz der Unternehmen einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.

Auswirkungen der Dokumentation

Am Mittwoch (31. Juli 2019) wurde bekannt, dass australische Criminal Intelligence Commission (ACIC) eine Untersuchung über die Rolle des organisierten Verbrechens in australischen Casinos mit dem Schwerpunkt „Junkets“ gestartet hat. Sie soll nicht auf das Crown Casino beschränkt sein.

Am Donnerstag gab die Ministerin für Glücksspiele im US-Bundesstaat Victoria bekannt, dass sie die zuständige Regulierungsbehörde Victorian Commission for Gambling and Liquoregulation (VCGLR) mit der Untersuchung der Vorwürfe aus der Dokumentation beauftragt habe.

Crown startet gegen die Dokumentation eine Kampagne in Zeitschriften, in denen der Dokumentation vorgeworfen wird, unbegründete Anschuldigungen, Übertreibungen und offensichtliche Lügen zu verbreiten. Die Lage beim Glücksspiel bleibt in Australien erst einmal angespannt. Die Aktien von Crowns haben bis Ende letzter Woche um 6,3% ihren Wert verloren.

Bildquelle: Foto von Donaldytong [CC BY-SA 3.0]

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