In den vergangenen neun Monaten sind vonseiten britischer Glücksspielunternehmen insgesamt rund 4,46 Millionen GBP an die Spielsuchthilfe BeGambleAware geflossen. Das geht aus einer Spendenliste hervor, die in diesen Tagen auf der Website von BeGambleAware veröffentlicht wurde. Die höchsten Einzelspender waren dabei die Glücksspielriesen William Hill und Flutter.

Im jährlichen Bericht mit der Überschrift „2020/21 Supporters“ veröffentlicht die britische Spielsuchthilfe BeGambleAware die Namen derer Unternehmen und Personen, die der Organisation Spenden zukommen lassen haben. Auf der Unterstützerliste finden sich viele bekannte Glücksspielunternehmen wie zum Beispiel William Hill, Flutter oder die 888 Holdings.

Ein Unternehmen allein spendete schon 874.000 GBP

Angeführt wird die Spendenliste in diesem Geschäftsjahr vom Betreiber von Betfair und Paddy Power, der Flutter Entertainment plc. Allein dieser Glücksspielkonzern soll im laufenden Geschäftsjahr, welches erst am 31. März zu Ende geht, bereits einen Betrag in Höhe von 874.000 GBP zugunsten der britischen Spielsuchthilfe gespendet haben.

Bis das Geschäftsjahr Ende März endet, könnte sich das Blatt allerdings nochmal wenden. Zwar hat der Konkurrent William Hill bislang erst 540.000 GBP gespendet. Bereits vor mehreren Monaten habe man jedoch zugesagt, in diesem Geschäftsjahr insgesamt über eine Million GBP spenden zu wollen.

BeGambleAware ist eine Organisation zur Bekämpfung von Spielsucht und deren Prävention. Spielerinnen und Spieler können sich an die britische Organisation wenden, wenn sie ihr Spielverhalten als problematisch empfinden und professionelle Hilfe wahrnehmen wollen. Hier gibt es sogar eine kostenlose Servicehotline, die unter der 0808 8020 133 kostenlos rund um die Uhr erreicht werden kann (nur für Spieler aus Großbritannien).

Ein weiterer Großspender der Spielsuchthilfe ist das britische Traditionsunternehmen bet365. Die Verantwortlichen spendeten im aktuellen Geschäftsjahr insgesamt 763.000 GBP an BeGambleAware. Wer auf die Spendenliste etwas weiter nach unten blickt, findet dann auf dem vierten Rang das Softwareunternehmen Gamesys Limited mit einem Spendenbetrag von 450.000 GBP sowie den britischen Glücksspielriesen Betway, der bislang 134.000 GBP spendete.

Diese Glücksspielkonzerne unterstützen die britische Spielsuchthilfe:

Rang

Betreiber

Marken

Jahresumsatz

Spenden an BeGambleAware

1

Flutter Entertainment plc

Paddy Power

Betfair

2,14 Mrd. GBP

874.000 GBP

2

William Hill plc

William Hill

1,58 Mrd. GBP

540.000 GBP (geplant: 1 Mio. GBP)

3

bet365 Group Ltd.

bet365

2,98 Mrd. GBP

763.000 GBP

4

Betway Limited

Betway

unbekannt

134.000 GBP

5

888 Holdings plc

888casino

888poker

888sport

0,41 Mrd. GBP

50.000 GBP

Quelle: Eigene Recherchen

Über vier Millionen GBP Gesamtspenden

Insgesamt generierte BeGambleAware im Zeitraum zwischen Anfang April und Ende Dezember Spendeneinnahmen in Höhe von knapp 4,5 Millionen GBP. Umgerechnet sind das nach aktuellem Wechselkurs knapp fünf Millionen Euro. Was sich auf den ersten Blick nach großzügigen Spenden vonseiten der Online-Glücksspielindustrie anhört, sind für manch einen Glücksspielkonzern wohl eher Peanuts.

Grundsätzlich erwartet BeGambleAware, dass jedes britische Glücksspielunternehmen, welches einen Profit mit dem Glücksspiel erwirtschaftet, einen Anteil in Höhe von 0,1 % seines Bruttojahresumsatzes an die Organisation spendet.

Die britische Glücksspielaufsicht (UKGC) schreibt ihren Lizenznehmern allerdings vor, exakt diesen Umsatzanteil an eine beliebige Spielsuchthilfeorganisation zu entrichten. Die Unternehmen können sich jedoch frei für eine Organisation entscheiden, sodass nicht zwangsläufig Geld an BeGambleAware fließen muss. Erst kürzlich berichteten wir von den Strafen, die die UKGC gegen ihre Lizenznehmer ausgesprochen hat, da diese teilweise die Vorgaben nicht befolgt haben.

Spendenbeträge ausbaufähig

Der obigen Tabelle ist zu entnehmen, dass die Flutter Entertainment plc im Jahr 2020 beispielsweise bei einem Jahresumsatz von zuletzt rund 2,14 Milliarden GBP einen Betrag in Höhe von 874.000 GBP an die Spielsuchthilfe BeGambleAware spendete. Das sind umgerechnet nicht einmal 0,05 % des Gesamtumsatzes, den der Glücksspielkonzern der Spielsuchthilfe zukommen lässt. Es muss allerdings erwähnt sein, dass sich Flutter Entertainment auch an anderer Stelle noch engagiert, um auch andere Projekte finanziell zu unterstützen.

Fakt ist aber, dass bei den Spendensummen auf jeden Fall noch Luft nach oben sein dürfte. Das gilt natürlich nicht nur für Flutter Entertainment, sondern auch für alle anderen „Top-Spender“. Schließlich ist Spielsucht auch in Großbritannien ein großes Problem.

Branchenführer wollen Spendenbetrag deutlich erhöhen

Bereits vor über einem Jahr haben mehrere führende Glücksspielunternehmen angekündigt, die Spendenbeträge bis zum Jahr 2023 deutlich erhöhen zu wollen. Konkret wolle man bis dahin den Spendenanteil am Gesamtumsatz (GGR) auf 1 % erhöhen. Das zumindest teilten Entain, Flutter Entertainment, Sky Bet, bet365 und William Hill mit. Dass zumindest könnte der erste Schritt sein, um die Spielsuchthilfe in Zukunft noch besser unterstützen zu können. Andererseits haben die britischen Glücksspielfirmen aktuell auch viele andere Baustellen, da der Brexit am 1. Januar 2021 endlich vollzogen wurde und es hier zahlreiche Auswirkungen auf die Glücksspielbranche gab (wir berichteten).

Fazit

Insgesamt spendeten die Glücksspielkonzerne und Unterstützer im Zeitraum von Anfang April bis Ende Dezember vergangenen Jahres bereits 4,46 Millionen GBP. Allein die drei „Top-Spender“ Flutter Entertainment, William Hill und bet365 sind für etwa die Hälfte der Spendensummen verantwortlich. Beim britischen Traditionsunternehmen William Hill hat man jedoch bereits im vergangenen Jahr versprochen, bis März 2021 insgesamt eine Million GBP spenden zu wollen. Damit wäre William Hill der größte Einzelspender. Fakt ist, dass die Glücksspielfirmen auf jeden Fall in der Verantwortung sind, bei der Bekämpfung von Glücksspielsucht behilflich zu sein und zu diesem Zweck auch Geldspenden fließen sollten. Schließlich profitieren die Unternehmen vom Glücksspiel und erzielen damit ihre zum Teil milliardenschweren Umsätze.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/abenteuer-höhe-klettern-berg-1807524/

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