Der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs wurde am 1. Januar 2021 nach langer Zeit vollzogen. Seit Anfang dieses Jahres sind Großbritannien und Nordirland damit nicht mehr Teil der Europäischen Union. Natürlich hat der Brexit auch Auswirkungen auf die Glücksspielbranche. Schließlich haben in der Vergangenheit viele Glücksspielanbieter mit einer britischen Glücksspiellizenz geworben.

Außerdem haben Glücksspielgiganten wie bwin ihren Firmensitz auf Gibraltar. Die Insel mit nur knapp 35.000 Einwohnern ist ein britisches Überseegebiet und damit unmittelbar vom Brexit betroffen. Aber auf welche konkreten Auswirkungen müssen sich Spielerinnen und Spieler aus dem deutschsprachigen Raum jetzt einstellen? Der Austrittsprozess wurde bereits Mitte 2016 durch das EU-Mitgliedschaftsreferendum angestoßen. Knapp vier Jahre später wurde der Brexit dann nach langem Hin und Her vollzogen. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Es überwiegt jedoch die Ansicht, dass das Vereinigte Königreich von der Mitgliedschaft in der EU mehr profitiert. Eines steht aber schon jetzt fest: An der Online-Glücksspielbranche wird der Brexit auf keinen Fall spurlos vorbeigehen.

Populäre Glücksspielfirmen in Großbritannien ansässig

So manch ein international erfolgreiches Glücksspielunternehmen hat seinen Ursprung in Großbritannien und ist dort bis heute ansässig. Dazu gehört beispielsweise der Traditionsbuchmacher William Hill, der bereits 1934 gegründet wurde. Das Unternehmen, welches im Jahr 2013 etwa 15.500 Mitarbeiter beschäftigt hat, besitzt inzwischen jedoch neben einer britischen Glücksspiellizenz auch eine EU-Lizenz der Malta Gaming Authority (MGA).

Auch die bwin Holdings Limited, die mittlerweile zur weltbekannten GVC Holdings (bald Entain PLC) gehört, hat sich um eine maltesische Glücksspiellizenz bemüht, um weiterhin mit einer EU-Auszeichnung werben zu können. Ein drittes Glücksspielunternehmen, welches auch in Deutschland sehr erfolgreich ist, heißt bet365. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet und bietet hierzulande aktuell nur Sportwetten an.

Erfolgreiche Glücksspielunternehmen aus Großbritannien:

  • William Hill
  • bet365
  • GVC Holdings (u.a. bwin)

 

Dänemark erteilt britischen Glücksspielanbietern keine Lizenz  

So manch ein britischer Glücksspielanbieter hat bereits angekündigt, sich in Zukunft vermehrt den USA zuzuwenden. Der dortige Online-Glücksspielmarkt wird derzeit in mehreren Schritten legalisiert, sodass sich die Anbieter einen komplett neuen Markt erschließen können. Und das dürften die britischen Traditionsanbieter auch nötig haben.

Denn Anfang Dezember hat beispielsweise die dänische Glücksspielaufsicht Spillemyndigheden bekannt gegeben, dass sich Onlineanbieter mit Sitz in Großbritannien, Nordirland oder Gibraltar nicht mehr um eine dänische Glücksspiellizenz bewerben dürfen. Dieses Privileg soll nämlich nur Glücksspielunternehmen mit einem Sitz in EU-Staaten vorbehalten bleiben. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass andere EU-Staaten nachziehen und britische Glücksspielanbieter auf diesem Weg „aussperren“.

Zukunft der britischen Glücksspielaufsicht UKGC ungewiss

Erst im November letzten Jahres haben wir über den Jahresbericht der britischen Glücksspielbehörde UK Gambling Commission (UKGC) berichtet. Fraglich ist, welche Rolle die Behörde in Zukunft einnehmen wird. Bislang akzeptierte man in Großbritannien nämlich auch Glücksspielanbieter mit einer europäischen Lizenz. Das könnte sich mit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs nun aber ändern. Nicht unwahrscheinlich ist, dass auf Malta lizenzierte Glücksspielanbieter zunächst eine britische Lizenz der UKGC beantragen müssen, um legal in Großbritannien Online-Glücksspiele anbieten zu dürfen.

Die Lizenzbehörde selbst hielt sich mit Informationen zu diesem Thema bislang eher bedeckt. Augenscheinlich wird der Fokus eher auf die bevorstehende Glücksspielreform im Land gelegt. Sollte jeder Glücksspielanbieter mit ausländischer Glücksspiellizenz nun auch noch eine britische Lizenz beantragen müssen, dürfte ein längerer Antragsstau die Folge sein.

Kleine Sonderregelung für Gibraltar

Am 31. Dezember 2020 haben sich Spanien und Großbritannien nach langen Verhandlungen endlich auf einen Kompromiss geeinigt, was das britische Überseegebiet Gibraltar angeht. Die knapp 35.000 Einwohner werden zum Schengen-Raum, nicht aber zur EU gehören. Damit wird zumindest erreicht, dass den vielen Pendlern eine tägliche Passkontrolle erspart bleibt. Die Details des Deals sollen nun in den kommenden sechs Monaten ausgehandelt werden. Die Zukunft der in Gibraltar beheimateten Glücksspielanbieter ist bislang aber noch ungewiss.

Kaum Auswirkungen auf deutschen Glücksspielmarkt befürchtet

Aktuell müssen deutsche Spielerinnen und Spieler keine Auswirkungen auf den Online-Glücksspielmarkt befürchten. Hierzulande gibt es nämlich bereits seit mehreren Monaten die Übergangsregelung des neuen Glücksspielstaatsvertrags. Dieser soll im Laufe dieses Jahres endgültig in Kraft treten. Mittel- bzw. langfristig ist es jedoch denkbar, dass sich so manch ein britischer Glücksspielanbieter vom deutschen Online-Glücksspielmarkt zurückzieht. Und dafür dürfte nicht nur der Brexit, sondern auch das neu gestaltete deutsche Lizenzierungsverfahren ausschlaggebend sein. Wie angekündigt könnte sich so manch ein Anbieter nun eher auf den US-Markt konzentrieren, der mehr Potenzial verspricht.

Fazit

Es bleibt nach wie vor spannend um den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. Zwar wurde dieser am 1. Januar 2021 nach langen Verhandlungen endlich vollzogen. Es bleibt aber eine Ungewissheit darüber, wie sich beispielsweise die britische Glücksspiellandschaft in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird. Wer als Online-Glücksspielanbieter in Zukunft seine Leistungen in Großbritannien anbieten will, der wird sich aller Voraussicht nach um eine UKGC-Lizenz bemühen müssen. Für deutsche Spielerinnen und Spieler ändert sich aber (vorerst) nichts.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/tower-bridge-london-brücke-2324875/

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