Europa befindet sich seit einigen Wochen in Aufruhr und fast alle europäischen Länder haben den Ernst der Lage mittlerweile erkannt. Dabei versuchen jetzt mehr und mehr Länder die Gefahren, die vom Glücksspiel in Zeiten der Not ausgehen könnten, durch verschiedene Maßnahmen einzudämmen. Lettland ist das erste europäische Land, dass es vorgemacht hat und ein landesweites Verbot für Glücksspiele und Sportwetten ausgesprochen hat. Einige weitere Länder wie Schweden und Portugal könnten in den nächsten Wochen diesem Beispiel folgen.

Warum die Maßnahme?

Im ersten Moment erscheint solch eine Maßnahme als kontraintuitiv, denn das Spielen von zu Hause aus sollte die Menschen dazu bewegen, mehr Zeit daheim zu verbringen und somit das Ansteckungsrisiko durch direkte Übertragung zu reduzieren. Schließlich hat die Weltgesundheitsorganisation auch kürzlich eine Kampagne unter dem Titel “Play a|part together”(Zusammen getrennt Spielen) gestartet, in dem Menschen dazu aufgefordert werden, für die Zeit der Krise besser daheim und isoliert voneinander Computerspiele zu spielen. Wenn man sich jedoch die deutlich anwachsenden Umsätze der Glücksspielindustrie, die derzeit in vielen Ländern verzeichnet werden, genauer anschaut, treibt die Regierungen wohl die berechtigte Sorge um, dass vor allem Risikospieler - aufgewühlt durch die Corona-Krise - gänzlich in ihre Sucht abdriften könnten.

Das lettische Glücksspielverbot

Lettland war das erste Land in der EU, welches bereits am 22. März 2020 Online-Glücksspiel verboten hat. Dieses Verbot galt ursprünglich bis zum 14.04.2020 und umfasste jegliche Online-Glücksspiele und Sportwetten mit Ausnahme von der staatlichen Lotterie. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um die Leute davon abzuhalten, sich in dieser Krisenzeit um Kopf und Kragen zu spielen. Das Dekret wird höchstwahrscheinlich in den kommenden Tagen bis Ende Mai verlängert. Zurzeit können in Lettland auf Glücksspiel-Plattformen lediglich Auszahlungen vorgenommen werden.

In Portugal könnte es schnell gehen

Casino-Anbieter in Portugal bereiten sich ebenfalls auf ein Verbot vor. Letzte Woche hat das Parlament einem Antrag zugestimmt, welcher das Glücksspiel während dieser schwierigen Zeit teilweise oder ganz verbieten würde. Der Staat hat bereits um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, alle staatlichen Glücksspielzentren geschlossen, was die Bürger dazu veranlasst hat – wie in vielen anderen Ländern ebenfalls geschehen – ihr Glück online zu versuchen. Im weiteren Verlauf hebt der Antrag Poker und Casinospiele als Spiele mit besonders hoher Suchtgefahr während der aktuellen Krise hervor. Des Weiteren behauptet dieser Antrag mit Verweis auf verschiedene Quellen, dass die Online Casinos seit Ausbruch der Krise ein Wachstum im zweistelligen prozentualen Wert zu verzeichnen haben.

Es ist noch unklar, ob und in welchem Umfang solch ein Verbot gelten würde. Fakt ist aber, dass dies den ohnehin schon angeschlagenen staatlichen Onlineanbietern den Todesstoß versetzen könnte. Denn neben dem Online Glücksspiel machen Sportwetten 51 % der staatlich regulierten Einnahmen aus. Diese sind aber in den letzten Wochen völlig eingebrochen. Im März wurden aufgrund der eingestellten Sportveranstaltungen 75 % weniger Wetten als üblich abgeschlossen und seit April sind es schon zwischen 90 %-100 % weniger. Der Grund, warum diese Zahlen so hoch sind, ist auch der, dass die derzeit einzigen wirklichen Alternativen im Bereich Wetten, die sogenannten E-Sports sind. Dieser Markt hat jedoch in Portugal einen vergleichsweise schweren Stand, da diese Unterhaltungsform in Portugal im Vergleich zu anderen Ländern ein Nischendasein fristet. Der Antrag würde somit auch das einzig verbliebene Standbein der regulierten Onlineanbieter verbieten und einen kompletten Wirtschaftszweig in eine schwere Krise stürzen.

Die Situation in Schweden

Ähnlich erscheint die Situation in Schweden. So gab es laut einem schwedischen Forschungsinstitut allein in den letzten Tagen einen Anstieg von 33 % an Registrierungen und Anmeldungen auf 17 der landesweit zugelassenen Lizenznehmer. Experten warnen aber vor umfassenden Glücksspielverboten, da diese Maßnahmen nicht die gewünschten Effekte hervorrufen könnten, sondern sogar gegenteilige. Denn die schwedische Regierung kämpft bekanntlich seit Jahren mit dem Schwarzmarkt und den unlizenzierten Glücksspielanbietern, die in der Vergangenheit die Glücksspielbranche dominiert haben. In den letzten Jahren ist es der Regierung gelungen, die Rolle der regulierten Lizenznehmer in der Zockerszene zu etablieren, um somit das Glücksspiel mehr und mehr unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Eine Durchsetzung dieser Verbote könnte nun die erzielten Fortschritte ungeschehen machen, die in den letzten Jahren erzielt wurden und die Spieler wieder in die Arme des Schwarzmarkts treiben. Der Generalsekretär der Branchenvereinigung für Online-Glücksspiele schätzt, dass ungefähr 75 % der Spieler bei Lizenznehmern registriert sind. Ein Verbot könnte jedoch die Pläne - diesen Anteil auf 90 % in den kommenden Jahren zu erhöhen - deutlich gefährden. Zwar wurde bisher in Schweden die Möglichkeit eines Verbotes diskutiert, aber es erscheint unwahrscheinlich, dass zumindest in kürzester Zeit ein Verbot auf Glücksspiel erlassen wird.

Was sind die Alternativen zu einem Komplettverbot?

Aus diesen Gründen werden in Schweden Stimmen laut nach anderen Wegen zu suchen, um die Gefahr des Spielens in diesen schwierigen Zeiten einzudämmen. Dabei scheint jedes Land eine andere Strategie anzuwenden, um dieses Problems Herr zu werden. Denn während die schwedische Regierung - ähnlich wie die lettische - über ein Komplettverbot nachdenkt, setzt man in Dänemark, Belgien und dem Vereinigten Königreich auf eine umfassende Betreuung der Spieler. So werden in diesen Ländern die Spieler mit allen nötigen Informationen und Anlaufstellen versorgt und über Risiken und Gefahren des Glücksspiels aufgeklärt.

Spanien hingegen hat die Werbung für Glücksspiele aufgrund der wachsenden Zahlen ebenfalls weitestgehend verboten, während die Belgier schon einen Schritt weiter gegangen sind und ein Einzahlungslimit von 500 € pro Woche festgelegt haben.

Die EGBA (Verband für europäisches Wett- & Glücksspiel) hat indessen ein Richtlinienkatalog für europaweite Casino-Anbieter zusammengestellt. Diese Vorgaben umfassen im Wesentlichen folgende Punkte, die besonders hervorzuheben sind:

  • Bei Werbung und Marketingkampagnen soll das Coronavirus nicht in Zusammenhang gebracht werden
  • Die Werbung darf nicht das Spielen als eine Lösung für soziale, finanzielle oder persönliche Probleme darstellen
  • Die Werbung sollte klar sichtbare Altersbeschränkungen und Sucht-Hotlines anzeigen sowie Plattformen Tools in Form von Einzahlungslimits für ihre Kunden bereithalten.

Die maltesische Spielaufsichtsbehörde hat ebenfalls die Glücksspielanbieter dazu aufgefordert, verantwortungsvoll bei der Gestaltung ihrer Werbung zu handeln. Dabei ist die holländische Aufsichtsbehörde für Glücksspiel einen Schritt weiter gegangen und hat die Warnung ausgesprochen, dass wenn Anbieter in ihrer Werbung einen Zusammenhang zum Coronavirus herstellen würden, die hierfür fälligen Strafgebühren um mindestens 50.000 € erhöht würden.

Bildquelle: Adobe Stock 339606252, 3D Illustration von Alexander Sánchez 

Du hast Fehler in unseren Daten entdeckt?

Um einen Fehler zu melden musst du dich zuerst bei GambleJoe .

Wie gefällt dir der Artikel?