Durch die Forumsdiskussion angeregt, habe ich mich mit dem Thema befasst, was ist eigentlich genau das Geschäftsmodell der Casino-Streamer? Werden sie an den Gewinnen beteiligt, welche sie ermöglichen und ist das ganze legal oder nicht. Dabei bin ich auf einige spannende Aussagen von Streamern selbst gestoßen und habe ein paar konkrete Zahlen vorliegen. Bei der Recherche hat mir auch ein interessantes Video geholfen, welches ich euch am Ende des Beitrags verlinken werde.

Die Onlinecasino-Streamer-Industrie

Bekanntlich tummelt sich auf Twitch eine ganze Reihe an Streamern, die sich auf Glücksspielübertragungen aller Art spezialisiert haben, die sich zumeist um Slots drehen. Knossi und Roshstein sind mit sicherlich die größten Fische im Teich, aber daneben befindet sich eine ganze Palette an Streamern, von SvensOmat über SlotRoom 24/7, die alle das gleiche Ziel verfolgen: Zuschauer für ihre Slots-Sessions zu begeistern.

Ich bin auf eine informative Reportage von Y-Kollektiv gestoßen, welche erst einige Monate alt ist, äußerst brisante Fakten nennt und mittlerweile mehr als eine halbe Million Mal angeklickt wurde. Dabei stellte sich einer dieser Streamer namens Vapestyles den Fragen der Reporterin und gewährt uns einige Einblicke aus erster Hand in diese ominöse Welt der Onlinecasino-Streamer. Das Brisante dabei? Kurz nachdem diese Reportage ausgestrahlt wurde, ist Vapestyles von der Plattform verschwunden. Jedenfalls konnte ich keine eigene Recherche über den Streamer machen und im Internet nur tote Links über ihn finden.

Vapestyles erzählt uns aus dem Nähkästchen

Vapestyles war einer der kleineren Fische in dieser millionenschweren Industrie, der aber trotzdem über 2.300 Follower hatte, die regelmäßig seine Übertragungen einschalteten. Selbst als kleiner Streamer hat er seinen Alltag und seinen Wohnraum komplett dem Casinostreaming gewidmet – inklusive Greenscreen.

Nach einer kurzen Einführung fängt er uns schon an Stück für Stück sein Geschäftsmodell zu erklären, denn auf seiner Seite sind unten Partner-Casinos abgebildet, sobald jemand diese Weiterleitungen anklickt, fängt er schon an Geld damit zu verdienen.

“Erklär doch mal, wie du damit Geld verdienst?”

War die brennende Frage, auf die ich lange gewartet hatte, welche die Reporterin von Y-Kollektiv Vapestyles unverblümt stellte. Dieser zierte sich anfangs ein wenig, erzählte dann aber doch die genauen Abrechnungsmodelle, auf deren Grundlage die “Affiliate-Casinos” seine Dienste honorierten. Zwar unterschieden sich diese von Onlinecasino zu Onlinecasino, aber im Wesentlichen können wir diese auf folgende 2 Modelle zurückführen. Anmerkung: Bei der Erklärung des ersten Modells Abrechnungsmodells, musste er selbst beschämt schmunzeln:

  • Festgelegter %-der Verluste von Spielern, die sich über seinen Kanal anmelden und Geld in einem seiner Partner-Onlinecasinos verspielen.
  • Provisionsmodell für neugeworbenen Kunden. Sprich, jeder der seine Verlinkungen zu den Casinos anklickt und sich anmeldet, bringt ihm direkt Geld ein.

Weiter erzählt er dann, dass die Grenzen was man damit verdienen kann, nach oben offen sind. Aber es wird noch spannender. Denn die Reporterin stellt ihm im Anschluss die nächste naheliegende Frage.

“Wie viel Geld verdient man damit?”

Zwar geht Vapestyles nicht explizit auf diese Frage ein. Wohl, weil der Betrag für Unmut sorgen könnte, dennoch gewährt er uns einen kleinen Einblick auf seine Einnahmen und zeigt uns, was ihm das am schlechtesten (!) laufende Onlinecasino monatlich auszahlt. Daraufhin wird ein Monitor mit einer Benutzeroberfläche eingeblendet, die nur für den November 2019, die stolze Summe von 1345 € aufweist. Leider macht die Reporterin an dieser Stelle einen folgenschweren Fehler, den wir an dieser Stelle aufklären möchten. Sie geht vom Wert 780€ als der Wert aus, dem Kito zufällt und folgert daraus eine völlig falsche Pauschale von über 50%. Dabei handelt es sich bei den 780€ um den Wert, den das Onlinecasino als reinen Spielgewinn aus den Einzahlungen die über Kiko liefen bestimmt - demnach ist das der Netto-Gewinn des Casinos. Von diesem Wert müssen wir nämlich ausgehen, wenn wir die prozentuale Pauschale von Kito ermitteln wollen. Da diese aber nicht bekannt ist, können wir also nicht mit Bestimmtheit festlegen, wie hoch nun der prozentuale Anteil ist. Den Dreisatz den die Reporterin anstellt um auf über 50% zu kommen ist daher falsch. In der Regel gehen wir von GambleJoe aber von einer Provision von 35% aus, was also 273€ Gewinn für Kiko in diesem Beispiel bedeuten würden.

Vapestyles nahm sich dann später selbst aus der Verantwortung: Es sei zwar schon mal vorgekommen, dass Leute in den Chat geschrieben haben, dass sie kein Essen mehr im Kühlschrank haben, aber er selber zwingt sie ja nicht zum Spielen. Folglich trägt er seiner Auffassung nach auch keine Verantwortung.

Macht sich Twitch strafbar?

Daraufhin wendet sich die Reporterin mittels E-Mail direkt an Twitch. Denn sie möchte berechtigterweise der Frage auf den Grund gehen, ob sich Twitch strafbar macht, indem es indirekte bzw. offenkundige Glücksspielwerbung auf seiner Plattform zulässt - was nach deutschem Strafgesetzbuch bekanntlich verboten ist. Twitch antwortet mit dem Verweis darauf, dass solange sich die Bundesländer und die Behörden rechtlich uneinig sind, sie keinen Grund sehen einzugreifen. An dieser Stelle sollten wir noch eine rechtliche Abgrenzung zu Streamern machen, die sogenannte Social-Casinos vermarkten. Dabei handelt es sich um Casinos, die kostenlos spielbar sind und aus rechtlicher Perspektive auch weniger zu befürchten haben. Man setzt dabei kein Echtgeld und man bekommt auch kein Echtgeld, sondern Chips, die man bestenfalls gegen Echtgeldpreise eintauschen kann. Jedoch ist es naheliegend, dass der Übergang zum Echtgeld, der nächstlogische Schritt ist.

Später wendet sich dann die Reporterin direkt an die Aufsichtsbehörde für Glücksspiel und reicht einen ganzen Fragekatalog ein, die sich um die Frage dreht: Wie dies überhaupt ungeahndet geschehen kann. Daraufhin bekommt sie zu jeder Frage eine ausgiebige Antwort, die aber im Grunde genommen immer das gleiche ausdrücken: Solange es keinen geregelten Glücksspielvertrag gibt, der diese ganzen Grauzonen und die jeweiligen Zuständigkeiten innerhalb der Behörden klärt, wird es in absehbarer Zeit keine Lösung für diese ganze Problematik geben. Was den Glücksspielvertrag angeht der all dies regeln würde, wissen wir mittlerweile, dass die endgültige Übereinkunft darüber jetzt leider nach hinten verschoben wurde, aufgrund wesentlich dringlicherer Probleme.

Spannende Frage kurz vor Schluss “Wie kommt der Kontakt zu den Casinos zustande”?

Die beste Frage hat sich die Reporterin für den Schluss aufgehoben, dabei lockt sie anscheinend Vapesstyles, aka Kiko in den Wald – wahrscheinlich um die spannende Atmosphäre für diesen geheimnisvollen Moment der Auflösung zu erzeugen. Dann stellt sie ihm die Frage, wie denn dieser Kontakt mit den Onlinecasinos überhaupt zustande kommt. Kito erzählt dann, dass sich dies ausschließlich über sogenannte Manager und über Twitch-Whisper-Nachrichten abspielt. Dabei werden Abrechnungsmodelle und zu bewerbende Onlinecasinos per loser Whisper-Nachricht vermittelt und bei Interesse kommt dann ein Deal zustande. Keine Verträge, nichts Handfestes und – wie Kito später hinzufügt - äußerst lukrativ. Er schätzt, dass 30% der Zuschauer seine Links anklicken und somit für ihn zu zahlenden Kunden werden, an deren Verlusten er sich labt.

Fazit:

Eine wirklich spannende Doku die nur 20 Minuten lang ist und viele Einblicke aus erster Hand in die Szene, der professionellen Onlinecasino-Streamer gewährt. So wie ein Bild manchmal mehr als tausend Worte sagt, so gilt dieser Grundsatz vielleicht auch für bewegte Bilder. Jedenfalls garantiere ich euch, dass ihr keine Minute davon verschwenden werdet, hier gehts zum Video:

https://www.youtube.com/watch?v=3x8mIaaba0s

Bildquelle: AdobeStock 338002239, Back view of professional gamer streaming von DC Studio

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