Zuletzt hatten wir ja nicht so erfreuliche Nachrichten aus dem Hause Klarna zu berichten: Das Fintech hatte angeblich Kommunikationsprobleme mit Kunden und an diese voreilig Mahnschreiben bei Zahlungsverzug gerichtet. Nun setzt Klarna die deutschen Neobanken aber mit seinem neuen Angebot der Girokonten in Deutschland unter Druck.

Das schwedische Unternehmen Klarna setzt nun seine Ankündigung von vorigem November in Taten um und bietet für Kunden aus Deutschland (zunächst nur einer gewissen Selektion an Kunden) die Möglichkeit, bei Klarna ein Girokonto zu eröffnen. Klarna verfügt über eine Banklizenz aus Schweden, die es dem Zahlungsanbieter ermöglicht, in der ganzen EU Bankdienstleistungen anzubieten.

Das Projekt des Girokonto-Angebots wird aber langsam angegangen und so zählen vorerst nur 10.000 ausgewählte Kunden und Nutzer der Klarna-App zu der von Klarna gestarteten Testphase. Die Girokonten sollen natürlich so bald wie möglich mehreren Personen angeboten werden, dennoch ist in diesem Stadium wichtig, dass Klarna Feedback zu dem Produkt erhält und etwaige Verbesserungsvorschläge früh implementieren kann.  

Aber nun mal kurz etwas zurückgespult: Klarna ist in Deutschland für sogenannte Sofortüberweisungen bekannt und wurde im Jahr 2005 unter dem ursprünglichen Namen Kreditor gegründet. Vier Jahre später erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen Klarna. Im Jahr 2010 trat der schwedische Zahlungsdienstleister mit Hauptsitz in Stockholm dann in den deutschen Markt ein. Klarna ist aber auch international tätig und hat 2013 den deutschen Zahlungsanbieter SOFORT GmbH übernommen. Dadurch war es auch möglich, über Klarna Direktüberweisungen zu tätigen mit dem Vorteil, dass der gewünschte Geldbetrag beispielsweise sofort auf Spielerkonten eintrifft und dadurch keine wertvolle Zeit vergeudet wird. 

Das Geschäftsmodell ist simpel: Klarna gibt Händlern die Option, Rechnungen, Sofortüberweisungen etc. als Zahlungsmethoden in ihren Online-Shops anzubieten. Klarna arbeitet unter anderem mit mehr als 200.000 Händlern zusammen. Dazu zählen bekannte Marken wie H&M, Spotify, Deutsche Bahn und Adidas. Die aktuellste Akquisition Klarnas betraf die Billpay GmbH im Jahr 2017.

Ein Fakt, der vielleicht so manchen nicht bekannt ist: Der Bezahldienst wurde eigentlich speziell für das Online-Shopping entwickelt. Ziel war, Einkäufern ein möglichst einfaches Zahlungserlebnis zu bieten. Und das gelang Klarna auch: Die Online-Shopper zahlen nicht direkt an den Verkäufer, sondern sie leisten ihre Zahlung an Klarna. Klarna wiederum bezahlt dann den Händler. Es ist den Kunden auch gewährt, die Zahlung in Raten zu machen.  

Mit dem Klarna-Girokonto gelinge es laut dem Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski, Shopping und Banking in einer App zu zentralisieren. Klarna hat somit eine duale Funktion: Einerseits fungiert das Fintech als Bezahlmethode in der Online-Welt, zusätzlich sieht sich der Konzern aber auch als Shopping-App. Klarna bietet ein Konto ohne monatliche Gebühr an. Ab der dritten Barabhebung fallen solche aber sehr wohl an. 

Deutsche Kreditinstitute werden von Klarna unter Druck gesetzt

Für deutsche Kreditinstitute stellt Klarna einen ernst zu nehmenden Konkurrenten dar. Einen gewissen Wettbewerbsvorteil hat das Unternehmen gegenüber anderen Startern im Bankenwesen und der liegt in seiner Kundenzahl. Das Fintech kann mit seinen circa 6 Millionen Kunden, die auch die App nutzen, direkt bereits existierende Kundschaft adressieren. Andere junge Banken müssten dafür erst tief in die Tasche für Werbung greifen. 

Auch die Neubanken Deutschland werden hellhörig, wenn der Name Klarna fällt. Neobanken werden auch oft als “Smartphonebanken” benannt, da sie ihren Kunden ein einfach zu bedienendes Angebot über Smartphone-Apps bereitstellen. Zu diesen Neobanken gehören mitunter N26, Check24, Revolut, Vivid Money und Tomorrow, die besonders auf junge und technikaffine Kundschaft abzielen. Aber auch die etwas alteingesessenen und etablierten Onlinebanken wie ING und DKB wollen verstärkt digital-orientierte Kunden ansprechen. Der Unterschied zwischen Neobanken und traditionellen Banken besteht darin, dass Neobanken Gratiskonten zur Verfügung stellen und keine physischen Bankfilialen betreiben.

N26 ist die bislang größte Neobank in Deutschland. Sie freut sich über eine Kundschaft von rund 7 Millionen Personen, die vor allem aus Deutschland stammen. Doch auch N26 muss um Kunden buhlen, denn wie der aktuellste Geschäftsbericht von N26 zeigte, hat ungefähr die Hälfte der Kunden keine beachtenswerten Handlungen mit der Bank getätigt. Deshalb und auch wegen hoher Investitionen von N26, musste die Neobank hohe Verluste in den Jahren 2019 und 2020 verzeichnen.

Die Vergleichsplattform Check24 mit den Schwerpunkten Versicherung, Finanzen, Energie, Telekommunikation, Reisen und Elektronik hat seine Neobank vergangenen Oktober ins Leben gerufen und handelt noch lange nicht so erfolgreich wie beispielsweise Revolut mit derzeit rund 350.000 Kunden. 

Die weitere Entwicklung der Neobanken bleibt abzuwarten. Laut Experten wird diesen zwar ein Wachstum vorhergesagt, dennoch wird auch bezweifelt, ob alle Wettbewerber am Markt langfristig bestehen bleiben werden. Es sei sehr wahrscheinlich, dass darunter Klarna sein wird. 

Quelle Titelbild: https://pixabay.com/de/illustrations/visum-gesch%C3%A4ft-kaufen-karte-handy-3082813/

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