Der „Jahresreport 2016 der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder“ wurde nun endlich veröffentlicht. Die Fassung wurde Ende März 2018 erstellt und veranschaulicht die Umsatzzahlen im Glücksspielbereich, wobei der nicht-regulierte Markt 2016 um 13 % gestiegen ist. Laut Auffassung der Experten können sich aber Spielbanken im Vergleich mit Online Casinos weiterhin behaupten.

Einmal im Jahr wird der Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder veröffentlicht, wobei dieser den Stand vor 2 Jahren abbildet. Große Überraschungen gab es bei der ökonomischen Darstellung insgesamt nicht. Die Bruttospielerträge, also Gewinne der Betreiber abzüglich der Einsätze und Gewinne der Spieler, sind um 5,3 % auf 13,39 Milliarden Euro gestiegen. Der nicht-regulierte Markt wächst deutlich schneller als der regulierte Markt, ein Phänomen, was seit Jahren beobachtet werden kann.

Die genaue Analyse im Detail

Zunächst muss man verstehen, dass man in der Statistik zwischen einem regulierten Markt und dem nicht-regulierten Markt unterscheidet. Zu dem regulierten Markt gehören Spielbanken, Lotto, Pferdewetten und teilweise Sportwetten, solange Deutschland dafür Konzessionen vergeben hat. Außerdem wird das Online Glücksspiel aus Schleswig-Holstein hinzugezählt, da das Bundesland eine eigene Glücksspiellizenz vergeben hat. 81 % des Umsatzes entfielen auf den regulierten Bereich. Daneben gibt es einen nicht-regulierten Bereich mit 19 %, worunter Online Casinos, Poker, Zweitlotterien und Sportwetten (dieser Bereich ist in 40 % online und 60 % stationär unterteilt) fallen.

Der regulierte Glücksspielmarkt

Im regulierten Markt wurden 10,832 Milliarden Euro umgesetzt, was einem Anstieg von 4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Den größten Umsatz von 5,6 Milliarden Euro kann man dabei immer noch bei Spielautomaten in Spielotheken und Gaststätten verzeichnen, was 52 % des Gesamtumsatzes entspricht. Im Vergleich zu 2015 konnte man sich hier um ein Wachstum von 6 % freuen. Staatliche Lotterien generieren einen Umsatz von 3,713 Milliarden Euro, was 34 % entspricht. Verglichen mit 2015 gab es hier keine großen Unterschiede.

Spielbanken sind relativ abgeschlagen. Mit einem Bruttospielertrag von 557 Millionen Euro machen sie nur 5,3 % des Marktumsatzes aus. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Marktanteil stabil, man konnte aber dennoch einen Anstieg des Bruttospielertrages um 4 % verzeichnen. Deutlich schlechter sieht es nur bei den staatlichen Sportwettenangeboten mit 79 Millionen Euro aus, was einem Marktanteil von 0,7 % entspricht. Pferdewetten generieren einen Umsatz von 37 Millionen Euro, was 0,3 % des Marktes sind.

Im Bereich der Spielbanken bringt das kleine Glücksspiel in Form von Automaten den meisten Umsatz. 74 % beträgt der Anteil, lediglich 26 % des Umsatzes werden vom großen Spiel (Blackjack, Roulette und Poker) in Spielbanken generiert.

Der nicht-regulierte Markt

Der nicht-regulierte Glücksspielmarkt hat 2,558 Milliarden Euro an Spielumsatz erwirtschaftet. Man konnte hier ein Wachstum von 13 % verzeichnen, wobei Online Casinos 50 % des Ertrages generiert haben. Hier konnte man einen Anstieg um 11 % verzeichnen.

Sport- und Pferdewetten haben daneben für den höchsten Umsatz gesorgt. 844 Millionen Euro wurden umgesetzt, was 33 % des Umsatzes in diesem Bereich sind. Man verzeichnet hier einen Anstieg um 15 %. Hier werden nicht nur Online Angebote einbezogen, sondern auch stationäre Wettbüros, welche hierzulande lediglich als Vermittler für Firmen in Malta oder anderen europäischen Ländern agieren.

In den Zweitlotterien wurden 299 Millionen Euro umgesetzt, was 12 % des Gesamtertrages des nicht-regulierten Bereichs sind. Gegenüber dem Vorjahr sind die Einnahmen um 22 % gestiegen. Der Bereich Online Poker macht 5 % des Marktes aus, dort werden 124 Millionen Euro Umsatz erzeugt. Im Vergleich zu 2015 entspricht es einem Wachstum von 1 %.

Die Entwicklung der letzten 10 Jahre

In dem Bericht werden auch die Entwicklungen der letzten 10 Jahre in diesem Bereich wiedergegeben. Dort sieht man, dass langfristig der Bruttospielumsatz in Spielbanken gefallen, aber bei Geldspielgeräten in Spielhallen und Gaststätten angestiegen ist. Bei den Kassenlotterien verzeichnete man ebenfalls auf 10 Jahre gesehen einen Rückgang, während die Soziallotterien gestärkt wurden.

Im nicht-regulierten Bereich konnte man in Bezug auf Sport- und Pferdewetten, bei den Online Casinos und den Zweitlotterien langfristig, mittelfristig und kurzfristig Anstiege bei den Bruttospielumsätzen erkennen. Lediglich beim Online Poker kann man einen Rückgang beim Umsatz verzeichnen.

Stimmen zur Analyse

Otto Wulferding, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spielbankenverbandes e.V. (DSbV), war nicht sonderlich erstaunt über die Entwicklungen auf dem Glücksspielmarkt. Im Gegenteil sei er sogar der Meinung, dass der nicht-regulierte Markt deutlicher anwachsen werde, wenn sich Glücksspiel über Gaming-Apps noch weiter etabliere.

Trotzdem hat Wulferding lobend die Spielbanken erwähnt. Sie konnten schließlich nicht nur den Marktanteil halten, sondern auch den Bruttospielumsatz ausbauen. Er kommentierte:

Die Spielbanken stehen im Wettbewerb zu Online Casinos. Sie können aber ihren Marktanteil halten, wenn sie Markenpflege betreiben und Werte wie Zuverlässigkeit, Sicherheit, aber auch Tradition und Entertainment kultivieren. Auffällig ist, dass die Spielbanken nur einen vergleichsweisen kleinen Marktanteil haben. Dafür aber stehen sie überproportional im Licht der Öffentlichkeit, wenn es um Spielkultur aber auch um problematisches Spielverhalten geht.

Studie zum deutschen Glücksspielmarkt 2017/2018 von Goldmedia

Die Beratungsfirma Goldmedia hat ebenfalls eine neue Studie zum Thema „German Gambling Market Monitor 2018“ veröffentlicht. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass der Bruttospielertrag in Deutschland im gesamten Glücksspielbereich 2017 noch einmal um 300 Millionen Euro gestiegen ist. In Deutschland werden folglich jährlich 13,5 Milliarden Euro durch das Glücksspiel erwirtschaftet. Man hat von Goldmedia für 2016 einen Bruttospielertrag von 13,21 Milliarden Euro errechnet, anstelle der 13,39 Milliarden Euro, von denen in offiziellen Statistiken gesprochen wird. Für 2018 rechnet man durch die Fußball-WM mit einer weiteren Steigerung im Bereich Sportwetten.

Regulierung ist weiterhin notwendig

Diese Statistik zeigt einmal mehr, dass eine vernünftige Regulierung in Deutschland immer notwendiger wird. Mittlerweile werden 19 % des Glücksspielumsatzes in Deutschland im nicht-regulierten Markt gemacht. Dieser Bereich wächst jährlich um mehr als 10 %, daher muss langsam auch einmal die Politik einsehen, dass das Glücksspielmonopol in Deutschland in der jetzigen Form nicht mehr haltbar ist. Es bedarf folglich einer Regulierung, damit auch die Spieler umfassend geschützt werden können.

Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Spielsucht, sondern vor schlechten Bonusbedingungen oder unfairen Geschäftspraktiken. Die Gambling Commission in Großbritannien zeigt schließlich, dass man gegen schlechte Anbieter vorgehen kann. Außerdem würde man mit Konzessionen für Glücksspiel im Internet illegalen Anbietern den Wind aus den Segeln nehmen, die nicht einmal über eine europäische Glücksspiellizenz verfügen.

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