In Großbritannien ist das Wetten fest in der Gesellschaft verankert. Man kann auf der Insel auf alle möglichen Ereignisse wetten. Angefangen von Wetten auf Babynamen für neue Mitglieder der royalen Familie über Sportwetten bis hin zu Wetten auf politische Ereignissen. Derzeit überschlagen sich die Geschehnisse bei den Brexit-Verhandlungen Bei den Buchmachern können die Briten dabei Einsätze auf mögliche Brexit-Ereignisse tätigen.

Gibt es den Brexit zwischen April und August 2019? Wird Theresa May zurücktreten? Nimmt Großbritannien an den Europawahlen Ende Mai teil? Es gibt ein ganzes Bündel an Fragen zur aktuellen Situation in Großbritannien – der Brexit, die Verhandlungen zum Austritt und die Frage nach dem Rücktritt der Premierministerin May sind derzeit die wichtigsten Themen auf der Insel.

Am Mittwoch dem 27. März hatte Premierministerin May ihren Rücktritt angekündigt, falls das britische Parlament ihren ausgehandelten Bedingungen des Brexit-Abkommens nicht zustimmt. Die nordische DUP, welche Mays konservative Minderheitsregierung stützt, ist gegen das ausgehandelte Abkommen. Man konnte sich im Unterhaus zwar auf eine Fristverlängerung bis zum 12. April 2019 einigen, aber derzeit gibt es keine Mehrheit für ein Austrittszenario. Der konservative Abgeordnete Oliver Letwin sieht derzeit den sogenannten No-Deal-Brexit als wahrscheinlichste Option.

Beim No-Deal-Brexit verlässt Großbritannien die europäische Gemeinschaft ohne Austrittvertrag. In diesem Fallen könnten für Besucher der Inseln Zollkontrollen bei der Heimreise, höhere Kosten bei der Handynutzung oder auch der Wegfall der europäischen Krankenversicherung zu den Konsequenzen gehören. Der Besuch des Landes soll weiterhin ohne Visum möglich sein.

Für Briten in EU-Ländern kann sich Vieles ändern, da sie den Status als EU-Mitglieder verlieren. Ob sie dann ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis für die anderen Länder benötigen, ist bisher nicht geklärt. Es soll Übergangslösungen geben, dabei können aber administrative Verfahren auf sie zukommen.

Was zeigen die Wettquoten über den Brexit?

Die aktuellen Brexit Wetten bei SmarketsAnhand von Wettquoten lassen sich auch Aussagen über angenommen Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen ableiten. Insgesamt zeigt sich ein eher gemischtes Bild bei den Wettanbietern.

So konnte man beispielsweise bei dem Portal Smarkets (am 22. März) wetten, dass Großbritannien zwischen Mai und August austritt. Die Quote für das Ereignis lag bei 1,5. Wenn man den Wettenden Glauben schenkt und die Quote umrechnet, beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt 40%. Seit Anfang April glauben nur noch 30% an einen Brexit zwischen Mai und August.

Im Gegensatz dazu waren 50% der Spieler überzeugt, dass Großbritannien an den Europawahlen im Mai teilnimmt. Am 28. März lag die Quote für eine Teilnahme an den Europawahlen bei 1,69%, mittlerweile sind immerhin schon 53% der Spieler überzeugt, dass man im Mai das europäische Parlament mitbestimmen wird. Mittlerweile glauben fast 72%, dass Großbritannien an den EU-Wahlen teilnehmen wird.

Interessanter ist der Blick auf den No-Deal-Brexit, lediglich 6,25% glauben an einen Brexit ohne Austrittsvertrag. Anfang April gibt es immer noch keine Einigung zu einer Brexit-Option, die Befürworter des No-Deal-Brexit sind auf 22,22% gestiegen. Es steht außerdem immer noch ein 2. Referendum zum Austritt im Raum, lediglich 28% der Nutzer dieses Portals glauben, dass so etwas möglich sei.

Die Besonderheit bei Smarkets ist, dass man gegen andere wettet und die Plattform lediglich als Vermittler dient. Es gibt flexible Quoten, die sich nach den Entscheidungen der Kunden und deren platzierten Wetten richten.

Bei einigen Buchmacher kann man auch darauf wetten, ob es aufgrund des Brexit-Chaos zu Essensrationierung kommen wird. Die Chance dafür steht derzeit bei 8%, wenn man den Quoten der Buchmacher glaubt.

Wetten ist in Großbritannien ein Volkssport

Wetten auf politische Ereignisse haben in Großbritannien eine breite Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert soll beispielsweise Charles James Fox, ein ehemaliger Präsident des britischen Unterhauses, große Summen auf die Ausgänge von sozialen und politischen Erscheinungen gesetzt haben. Zwischen 1910 und 1940 wetteten Banker, Broker und Unternehmen in England auf die Wahlergebnisse an der Börse.

Nigel Farage, ein Verfechter des Brexits und seit 1999 Mitglieds des europäischen Parlaments, setzte vor dem Referendum mehrere Tausend Pfund auf eine Wette für den Ausgang zugunsten des Austritts. 2016 trat von allen Parteiämtern der UK Independence Party zurück, weil er sein politisches Ziel erreicht hat. Die Wette hatte er damit auch gewonnen.

Die Wettfreudigkeit zeigt sich auch in der Bevölkerung. Betfair meldete über die Brexit-Wahlnacht 2016, dass in den letzten 7 Stunden rund 182.000 Wetten über den Ausgang abgegeben wurden. Dabei hatten die Spieler vorher erkannt, dass ein Brexit am wahrscheinlichsten ist und darauf gewettet. Die Medienberichte kamen erst Stunden später zu den Erkenntnissen. Glücksspielforscher Tom Auld von der Universität Cambridge bemerkte damals relativ trocken:

Es sieht so aus, als hätten die Glücksspieler ein besseres Gespür gehabt, dass die Leave-Kampagne gewinnen würde.

Wettanbieter mit Brexit-Angeboten

Die meisten Buchmacher nehmen vor allem Wetten auf Wahlen an. Das ist beispielsweise bei Betsson oder Betsafe der Fall. Bei betway und bwin hatte ich diverse Wettoptionen zum Brexit gefunden. Außerdem gibt es bei Smarkets eine große Auswahl. Ladbrokes bietet einige Wetten auf den Rücktritt von Theresa May an.

Persönlich würde ich nie auf den Ausgang von politischen Ereignissen (Referendum oder Wahlen) setzen. Aber das Meinungsbild, welches durch die Wahlen entsteht ist schon interessant. Auf Smarkets wird es beispielsweise durch entsprechende Diagramme ebenfalls gut aufgearbeitet. Einige Wettportale Großbritanniens geben sich folglich sehr viel Mühe.

Es gibt immer wieder Diskussion inwieweit politische Akteure die Quoten der Wetten zu ihren Gunsten beeinflussen. Bei Bloomberg kam nach der Brexit-Wahl einige Male die Frage auf, warum Nigel Farage verlautbaren ließ, dass es nach dem Sieg der EU-Befürworter aussehe – obwohl er zur selben Zeit Ergebnisse einer Umfrage erhielt, die das Gegenteil zeigten. Durch seine Aussage könnten Personen aus dem Umfeld des Politikers gute Wetten auf ein Fallen des Pfunds abgeschlossen haben, weil niemand an einen Sieg der Brexit-Befürworter geglaubt hatte. Es gab jedoch keine konkreten Beweise, alle Thesen zu grauen Geschäften in Bezug auf Politikwetten basieren lediglich auf Indizien.

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