Während immer mehr Spielerinnen und Spieler die immer strenger werdenden Spielerschutzmaßnahmen kritisieren, will die französische Glücksspielaufsicht die Online-Glücksspielanbieter noch stärker in die Pflicht nehmen. In der jüngeren Vergangenheit wurden nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Schweden härtere Maßnahmen beschlossen, die vor allem „Problemspieler“ schützen sollen.

Aber welche Vorschläge hat die zuständige Glücksspielaufsichtsbehörde in Frankreich nun, um Gambling-Fans noch besser zu schützen? Während hierzulande immer noch nicht klar ist, ob der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) nicht doch noch scheitert, gelten zum Beispiel in Schweden bereits seit einiger Zeit strenge Spielerschutzmaßnahmen. Nun will augenscheinlich auch Frankreich nachziehen und seine Lizenznehmer dazu auffordern, zunächst einen kompletten Maßnahmenkatalog zu entwerfen.

Anbieter sollen Strategieplan entwickeln

Das primäre Ziel der französischen Glücksspielaufsicht Autorité Nationale des Jeux (ANJ) besteht darin, Spielsucht zu bekämpfen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen alle Lizenznehmer in Frankreich noch in diesem Jahr einen Strategieplan entwickeln. Hierin sollen konkrete Maßnahmen genannt werden, damit der Spielerschutz nachhaltig verbessert werden kann. Denkbar erscheinen beispielsweise Maßnahmen, wie Minderjährige effektiv vom Glücksspiel ausgeschlossen werden können und was es für strengere Einsatzlimits bzw. Spielsperren geben könnte.

Die Abgabefrist der Strategiepläne für Online-Glücksspielanbieter ist der 30. November 2021. Die Nationallotterie FDJ soll ihr Strategiepapier sogar schon bis zum 30. September einreichen.

Spielsucht in Frankreich ein wachsendes Problem

Die zuständige Glücksspielaufsicht klagt an, dass immer mehr Französinnen und Franzosen unter Spielsucht leiden. Erschreckend sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die ergeben hat, dass sich die Zahl der pathologischen Spieler in Frankreich zwischen 2014 und 2019 nahezu verdoppelt hat. Bislang kann noch nicht abgeschätzt werden, wie sich die anhaltende Pandemiesituation auf das Spielverhalten auswirken wird. Es erscheint deshalb nicht abwegig, dass die Zahl der Spielsüchtigen in Zukunft noch weiter ansteigen wird.

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der spielsüchtigen Menschen in Frankreich von 200.000 auf 370.000 fast verdoppelt. Zusätzlich legen rund eine Million Menschen im Land zumindest ein problematisches Spielverhalten an den Tag.

Deutlich weniger Spielsüchtige in Deutschland

Hierzulande ist Spielsucht offensichtlich kein so großes Problem wie in unserem Nachbarland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat in einem aktuellen Forschungsbericht mitgeteilt, dass 0,39 % der deutschen Bevölkerung ein Problem mit dem Glücksspiel haben (ca. 229.000 Menschen). Weitere 200.000 Menschen fallen in die Kategorie „pathologische Spieler“, was einem Bevölkerungsanteil von gerade einmal 0,34 % entspricht. Trotz deutlich niedrigeren Einwohnerzahlen gibt es in Frankreich also in absoluten Zahlen gesehen deutlich mehr Spielsüchtige und Menschen mit problematischem Spielverhalten.  

Werden Glücksspielanbieter effektive Spielerschutzmaßnahmen vorschlagen?

Die Idee der französischen Glücksspielbehörde ist auf der einen Seite zwar innovativ und mutig, auf der anderen Seite aber auch ein klein wenig riskant. Warum? Ganz einfach: Es hat einen etwas bitteren Beigeschmack, wenn die zuständige Behörde die Anbieter selbst auffordert, ein Regelwerk zum Spielerschutz zu entwickeln.

Naheliegender wäre es gewesen, wenn Politik und Suchtexperten gemeinsam an wirksamen Spielerschutzmaßnahmen arbeiten würden. Diese müssten von den Glücksspielanbietern dann nur noch umgesetzt werden. Man darf also vermuten, dass die Anbieter selbst keine allzu strengen Maßnahmen vorschlagen werden und auch das Thema Glücksspielsucht wahrscheinlich nicht so tiefgründig bearbeiten werden wie unabhängige Fachleute. Jedenfalls sind die Glücksspielunternehmen nun erstmal dazu aufgefordert, für jede Spielart eine individuelle Risikoanalyse durchzuführen. Im Leitfaden der französischen Glücksspielaufsicht Autorité Nationale des Jeux heißt es dazu unter anderem:

„Die Anbieter sind dazu angehalten, das Suchtpotenzial ihrer angebotenen Spiele sowie deren Attraktivität für Minderjährige zu bewerten. (…) Die Bewertung umfasst die Risikofaktoren bezüglich der Aktivierung psychologischer Mechanismen, die mit Kontrollverlust (…) in Verbindung gebracht werden“.

Fazit

Die französische Glücksspielaufsicht ANJ will sich für einen verbesserten Spielerschutz einsetzen. Dazu fordert die Behörde nun die Glücksspielanbieter auf, einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln, ohne konkrete Vorgaben für dessen Inhalt zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob es eine gute Idee ist, der Branche selbst das Entwickeln von Spielerschutzmaßnahmen zu überlassen. Schließlich hat sich die Zahl der pathologischen Spielerinnen und Spieler in Frankreich in den vergangenen fünf Jahren von 200.000 auf 370.000 fast verdoppelt.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/paris-frankreich-eiffelturm-nacht-1836415/

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